Marokko etabliert sich als Industriestandort und Handelsdrehscheibe. Dabei profitiert das Königreich von ausländischen Investitionen in die Automobil-, Nahrungsmittel- und Flugzeugteileindustrie. Auch der Tourismus entwickelte sich zuletzt wieder gut, was wichtig für Beschäftigung und Deviseneinnahmen ist. Mittelfristig will sich Marokko auch als Finanzstandort für das westliche Afrika etablieren.

Zahlen | Daten | Fakten

Weitere Länderinformationen finden Sie unter www.gtai.de/marokko

Auf den Punkt gebracht

Marokko gilt neben Südafrika als attraktivster Investitionsstandort des afrikanischen Kontinents. Das Königreich punktet mit politischer Stabilität, guter Infrastruktur und der Nähe zu Europa. In den vergangenen Jahren haben sich viele internationale Industriebetriebe angesiedelt. Westafrika rückt als Absatzmarkt und Partner ins Blickfeld.

(Peter Schmitz, GTAI-Korrespondent Nordafrika)

Kernbranchen

Für Marokko lassen sich folgende Kernbranchen identifizieren:

AutomobilindustriePSA Peugeot wird 2019 die Produktion starten, Renault fertigt bereits den Dacia in Tanger. Die lokale Produktion von Batterien, Pkw-Innenausstattung, die Kunststoff-, Glas- sowie Metallverarbeitung nimmt zu.
BauwirtschaftAusbau des Straßen- und Schienennetzes wird fortgesetzt. Chancen bieten sich in der Wasserwirtschaft und bei der Nutzung der erneuerbaren Energien.
ChemieSteigerung der Phosphatproduktion und Verdoppelung der Düngermittelproduktion bis 2028. Aufbau einer Pharmazeutischen Industrie, zunächst vor allem für den Eigenbedarf.
EnergieversorgungVorreiter für erneuerbare Energien, Anteil von 50 Prozent bei Erneuerbaren angestrebt. Bei fossiler Erzeugung steht Gas stärker im Fokus.
FlugzeugteileindustrieBis 2020 soll der Umsatz auf etwa 2,5 Milliarden Euro steigen und die Branche mehr als 200.000 Beschäftigte haben. Boeing ist seit 2016 aktiv und hat 120 Zulieferer angezogen.
GesundheitswesenRegierung hat Ausgaben für die Gesundheitsversorgung im Haushalt 2019 um etwa 10 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro erhöht. Mehrere Universitäts- und viele regionale Gesundheitszentren geplant.
Informations- und KommunikationswirtschaftIT-Offshoring wird laut Prognosen 2019 im zweistelligen Bereich zulegen. Ab 2020 soll 5G verfügbar sein.
NahrungsmittelindustrieNach der Verabschiedung des Landeswirtschaftsabkommens erhöhte Nachfrage aus der EU erwartet. Zusätzlich investieren marokkanische Hersteller in Westafrika.
Textil- und BekleidungSteigende Produktionskosten in Asien und die zunehmende Bedeutung von Fast Fashion auf dem europäischen Markt rücken die nordafrikanischen Textilproduzenten stärker ins Rampenlicht.

Der Branchencheck-Marokko enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten. Der Auskunftsservice von GTAI hilft weiter bei speziellen Fragen zu Ihrem Zielmarkt. Ihre Frage an uns.

Best Practice: Marokko

Bautechnik: Die Infrastruktur in Marokko gewinnt an Fahrt. Das Spezialtiefbauunternehmen Bauer setzt dabei auf Zusammenarbeit bei Infrastrukturprojekten.

SWOT-Analyse: Marokko

Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Marokkos als Wirtschaftsstandort: Eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Gutes Investitionsklima
  • Politische Stabilität
  • Freihandelsabkommen mit zahlreichen Partnern
  • Strategisch günstige Lage zwischen Europa und Afrika

W (Weaknesses | Schwächen)

  • Externe Abhängigkeiten (Energie- und Ausrüstungsimporte, Tourismus, Europa als Absatzmarkt)
  • Agrarsektor ist stark auf günstige Witterung angewiesen
  • Hohe Armutsquote
  • Industriesektor ist zu wenig verflochten

O (Opportunities | Chancen)

  • Weiterer Ausbau der Infrastruktur
  • Förderung von Erneuerbaren Energien
  • Plattform für Handel mit Afrika, insbesondere Westafrika
  • Beschaffungsmarkt für Industrieprodukte

T (Threats | Risiken)

  • Klimawandel
  • Soziale Spannungen
  • Abflauendes Wachstum in Europa könnte Industrieentwicklung bremsen

Marktzugang: Marokko

Rechtliche Rahmenbedingungen

Ausländische Investoren treffen in Marokko auf ein vergleichbar liberales Umfeld. Insbesondere existiert kein Joint-Venture-Zwang. Ausnahmen gelten für den Abbau von Phosphat. Grundsätzlich dürfen Ausländer 100 Prozent der Anteile an marokkanischen Gesellschaften halten. Devisen können von Marokko frei ins Ausland überwiesen werden. Einige Auslandsüberweisungen muss jedoch das Office des Changes (Devisenbehörde) zuvor genehmigen. Deutschland und Marokko haben sowohl ein Investitionsschutzabkommen als auch ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen.

"Recht kompakt Marokko"

Zoll- und Einfuhrregelungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Marokko sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regelungen zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

"Zoll und Einfuhr Kompakt Marokko"

Ausschreibungen | Projekte | Initiativen

Ausschreibungen aus geberfinanzierten Projekten

In Marokko engagieren sich verschiedenste Geber. An erster Stelle EU-Institutionen, aber auch die Weltbank, die französische Agence Française de Développement oder die Vereinten Nationen stellen Finanzierung für öffentliche Vorhaben bereit. Schwerpunkte der deutschen bilateralen Zusammenarbeit sind die nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Beschäftigungsförderung, erneuerbare Energien und Wasser. Zur Umsetzung all dieser Vorhaben werden viele Aufträge international ausgeschrieben. Auch deutsche Unternehmen können davon profitieren. Im Jahr 2018 gab es die meisten internationalen Ausschreibungen zu Consultingleistungen und im Bereich Wasser und Abwasser.

Pilotprojekt des Wirtschaftsnetzwerk Afrika: Marokko

Ein erstes Pilotprojekt des Wirtschaftsnetzwerks Afrika des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) startet im Sommer 2019 in Marokko. Zunächst werden Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen in Marokko identifiziert und geprüft. Passende Unternehmen werden vom Wirtschaftsnetzwerk angesprochen, umfassend hinsichtlich einer möglichen Investition beraten und beim Markteintritt begleitet.

Das Pilotprojekt zu Marokko soll deutsche Mittelständler aus der Gesundheitswirtschaft beim Markteintritt in Marokko aktiv unterstützen.

Kontakt:
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Referat Außenwirtschaftsförderung
Wirtschaftsnetzwerk Afrika
Tel.: 030-18 615-6344 www.bmwi.de
wirtschaftsnetzwerk-afrika@bmwi.bund.de

Geschäftskontakte