Nigerias Getränkemarkt im Blick: Krones AG entscheidet sich für Lagos

Das hohe Bevölkerungswachstum in Afrika sorgt dafür, dass im Bereich der Nahrungsmittelindustrie zahlreiche Geschäftschancen entstehen. Zunehmend werden Nahrungsmittel vor Ort produziert. In Städten wie Nairobi, Accra, Lagos oder Kinshasa siedeln sich Großbäckereien, Getränkefabriken oder Hühnerfarmen an. Deutsche Zulieferer von Maschinen oder Nahrungsmittelzusätzen dürften in den kommenden Jahren zunehmend von diesem Trend profitieren. Ihre Präsenz ist nach wie vor gering. Wenige begannen bereits in den letzten Jahren, eine nachhaltige Afrikastrategie umzusetzen.
Der deutsche Lieferant von Abfüllanlagen Krones hat die steigende Nachfrage nach Getränken bereits seit Jahren zum Anlass für eine stärkere Präsenz in Afrika genommen und betreibt unter anderem Niederlassungen in Johannesburg (Südafrika), Addis Abeba (Äthiopien) und Lagos (Nigeria). Insbesondere die erfolgreiche Präsenz in Lagos zeigt, dass sich mit Geduld auch schwierige Märkte wie der nigerianische mit seinen etwa 200 Millionen Menschen erschließen lassen.

Krones AG im Interview mit GTAI

Helmut Rumm lebt seit 2002 in Lagos und hat die Repräsentanz des bayerischen Abfüllanlagenherstellers Krones in Nigeria mit aufgebaut. Der nigerianische Absatzmarkt gewinnt für Krones zunehmend an Gewicht, sodass die Niederlassung mit derzeit rund 130 Mitarbeitern bald erweitert werden muss. 

Interview mit Helmut Rumm, General Manager von Krones West African Ltd in Lagos und Carsten Ehlers, Korrespondent von GTAI in Accra (Januar 2019):

Herr Rumm, wie ist die Lage in Nigerias Nahrungsmittelindustrie und wie schätzen Sie die Zukunft ein?

Zwischen 2002 und 2015 hatten wir hier durchweg zufriedenstellendes Wachstum in der Nahrungsmittelindustrie. Dann kam die Krise 2016 aufgrund des gefallenen Ölpreises. Es war 2016 schwierig, an Devisen zu kommen. 2017 merkte man jedoch, dass sich die Lage stabilisierte. Inzwischen verzeichnen wir wieder eine gute Auftragslage und rechnen damit, dass es auch in den nächsten Jahren so bleiben wird. Denn in den Bereichen Nahrungsmittelverarbeitung, Getränkeherstellung aber auch in der Landwirtschaft und der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse wird es auf Grund der Erfahrungen in den letzten Jahre zahlreiche Investitionen geben.  

Sie sind von Lagos aus für Westafrika zuständig. Welche Märkte außer Nigeria halten Sie für Interessant? 

In Westafrika haben sich für uns Côte d’Ivoire und Kamerun als besonders interessante Märkte erwiesen, gefolgt, mit Abstrichen, von Ghana. Aber auch in den anderen Ländern dieser Region sind wir aktiv. Aus diesem Grund betreiben wir seit 2017 in Accra (Ghana) eine Niederlassung von Krones Nigeria, die die dortigen Kunden direkt betreuen soll. 

Was raten Sie Unternehmen, die überlegen, in Nigeria eine Niederlassung zu gründen? 

Ich bin davon überzeugt, dass man mit einem starken unternehmerischem Geist in Nigeria Erfolg haben wird. Ein Markteintritt sollte aber sorgfältig geplant werden, denn Fehler, die zu Beginn passieren, lassen sich später unter Umständen nur noch schwer korrigieren. Gute erste Anlaufpunkte für wichtige Informationen und Kontakte sind die deutsche Auslandshandelskammer AHK, die Nigerian German Business Association (NGBA) sowie das deutsche Generalkonsulat in Lagos.  

Was muss bei der Standortauswahl beachtet werden? 

Bis auf wenige Ausnahmen kommt für eine Niederlassung lediglich die Wirtschaftsmetropole Lagos in Betracht. Lagos ist aber sehr groß und so stellt sich die Frage, wo man sich dort ansiedeln sollte. Ich würde sagen, das Umfeld und insbesondere der infrastrukturelle Ausbau des Stadtteils spielen eine wichtige Rolle. Grund ist allein der Verkehr in Lagos, der teilweise derart chaotisch ist, dass man Stunden für eine Fahrt von nur fünf Kilometern einplanen muss. 

Und was halten Sie von der Präsenz in Nigeria über einen Handelsvertreter? 

Davon rate ich ab. Gute Handelsvertreter sind schwer zu finden. Die Bewerber können sich zwar gut präsentieren, kennen aber häufig die Produkte, die sie vertreten sollen, nicht. Ich würde sagen, ein eigener Marktauftritt in Nigeria lohnt sich.

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