Kooperationen mit gemeinnützigen Organisationen können ein Türöffner in schwierige Märkte sein. Wie das Knowhow dieser Akteure Unternehmen helfen kann, zeigt dieses Beispiel aus Simbabwe.

Für viele Unternehmen sind afrikanische Länder unbeschriebene Blätter. Selbst Afrikaerfahrene beschränken sich oft auf wenige Standorte, von denen sie den Kontinent bedienen. Das sind in der Regel die besser erschlossenen, weiter entwickelten Länder wie Kenia oder Südafrika.

Anders sieht es für Hilfsorganisationen aus. Die gehen gerade dorthin, wo es schwierig ist, wo die Entwicklung hinterherhinkt, wo das wirtschaftliche Potenzial zunächst gering erscheint. Und erwerben so profunde Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort, der Bedürfnisse und der Möglichkeiten der lokalen Bevölkerung.

Eine Sharing-App für Maschinen 

Die Welthungerhilfe ist in Afrika derzeit in 18 Ländern aktiv. Dazu zählt das krisengebeutelte Simbabwe. Zur regulären Arbeit dort gehört die Unterstützung der Bevölkerung bei der ländlichen Entwicklung oder Verbesserung der Trinkwassersituation.

Ein neuer Ansatz ist die Entwicklung lokal angepasster Innovationen wie der Sharing-App für landwirtschaftliche Geräte AgriShare. Dafür braucht man auch ebendiese Geräte – Chance für Partner aus der Unternehmenswelt, die auf diese Weise in neue Märkte einsteigen können. Über AgriShare und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Entwicklungsorganisationen sprachen wir mit Antje Blohm, bei der Welthungerhilfe verantwortlich für Unternehmenskooperationen.

Wie ist die Idee zu AgriShare entstanden?

Ausgangspunkt ist das Ziel, Kleinbauern mit Maschinen zu versorgen. Da sie in der Regel keine ausreichenden Mittel zum Kauf haben, bietet der Gedanke der Shared Economy hier einen interessanten neuen Ansatz. Die App bietet einen einfachen Zugang für alle, die über ein Smartphone verfügen. Es reicht dafür meist, wenn eine Person im Dorf eines hat. Und vor allem schafft sie Transparenz: Wer bietet welche Geräte zu welchen Preisen?

Welche Rolle spielen Unternehmen als Partner?

Die Unternehmen kennen die landwirtschaftlichen Geräte und die Preise. Sie bringen auch das Knowhow für Wartung und Reparaturen mit. In Simbabwe haben wir, neben lokalen Anbietern, vor allem mit Stihl zusammengearbeitet. Das Unternehmen hat dabei auch Geräte gespendet. Unterstützt hat uns in der Anlaufphase daneben der Landmaschinenhersteller CLAAS. Beide Unternehmen sind langjährige Partner von uns.

Was zeichnet die Zusammenarbeit zwischen NGOs und Unternehmen aus?

Beide bringen unterschiedliche Kulturen mit, können aber auch viel voneinander lernen. Während Unternehmen mit dem strategischen Motiv antreten, Absatzmärkte zu erschließen und sich genau überlegen, wieviel Geld oder Equipment sie investieren, verfolgen NGOs ein Entwicklungsziel und handeln im Rahmen von öffentlich oder durch Spendengelder finanzierter Projekte mit festen Budgets. Oft sind sie vor Ort die größten Investoren.

Durch ihre Präsenz kennen die NGOs den lokalen Markt, die Lebensumstände und gesellschaftlichen Strukturen. Unternehmen können dieses Wissen nutzen und bringen ihrerseits technologische Kenntnisse mit. Kooperationen wie das Projekt AgriShare bieten ihnen die Chance, einen Markt zu testen und sich als kompetenter Partner zu positionieren.

Planen Sie weitere Projekte dieser Art?

Wir schauen uns die Bedingungen in verschiedenen Ländern an und überlegen, welche Modelle in Frage kommen. Wir wollen zum Beispiel keine Konkurrenz aufbauen zu bereits bestehenden Leihsystemen wie Hello Tractor in Kenia. Eine Möglichkeit, die wir diskutieren, ist, die Idee AgriShare als Franchise weiterzuführen. Wir stellen aber auch fest, dass AgriShare noch mehr Zeit zum Aufbau braucht. Insbesondere muss das Vertrauen der Beteiligten, der Maschinenausleiher und der Nutzer zueinander erst aufgebaut werden.

Das Interview fand im April 2020 statt.

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