Das Länderprofil wurde zuletzt im Juni 2021 aktualisiert.

In Madagaskar zeichnet sich eine positive Wende ab. Hoffnung schafft die Präsidentschaftswahl von Anfang 2019, die friedlich und im geordneten politischen Rahmen verlief. Zuvor hatte das Land eine politische Dauerkrise durchlaufen. Das wirkte sich wachstums- und investitionshemmend aus. Jetzt kündigen sich bei der völlig unterentwickelten Infrastruktur Fortschritte an. Internationale Geber haben ihre Mittel ausgeweitet, allerdings bestehen teils Zweifel an der adäquaten Verwendung. Bemerkenswert ist die immer noch starke Marktstellung der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich.


Hinweis

Die Partner des Wirtschaftsnetzwerk Afrika bieten deutschen Unternehmen Informationen zu den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie in Afrika.

Daten und Fakten

Madagaskar

Die wichtigsten Wirtschaftsdaten zu Madagaskar auf einen Blick

Offizieller Name: Republik Madagaskar

Hauptstadt: Antananarivo

Geschäftssprachen: Madagassisch, Französisch

Einwohner: 27,7 Millionen (2020)*

Durchschnittsalter: Ø 20,3 (2020)*

Bevölkerungswachstum: 2,6 % (2020)*

Währung & Wechselkurs (März 2021): Ariary (Ar), 1 Euro = 4.425,52 Ar

BIP pro Kopf: 501,8 US$ (2020)*

Wirtschaftswachstum: 3,2 % (2021)*

Ausländische Direktinvestitionen: 7,73 Mrd. US$ (2019)*

Deutsche Importe: 190,4 Millionen Euro (2020)*

Wichtigste Importgüter aus Madagaskar (2020*; in % der Gesamteinfuhr):

  1. Nahrungsmittel 48,4
  2. Textilien/Bekleidung 34,5
  3. Rohstoffe (außer Brennstoffe) 13,3
  4. Chem. Erzg. 1,8
  5. NE-Metalle 1,1
  6. Nichtmetallische Mineralien 0,3
  7. Handtaschen und Reiseartikel 0,1

Deutsche Exporte: 34,1 Millionen Euro (2020)*

Wichtigste deutsche Exportgüter nach Madagaskar (2020*; in % der Gesamtausfuhr):

  1. Maschinen 21,7
  2. Chemische Erzeugnisse 15,4
  3. Elektrotechnik 6,7
  4. Kfz und -Teile 6,3
  5. Mess- und Regeltechnik 5,4
  6. Textil und Bekleidung 3,9
  7. Metallwaren 3,3

*Prognose/Schätzung

Quelle: Wirtschaftsdaten kompakt - Madagaskar von Germany Trade & Invest 

Expertenstimme zu Madagaskar

Ulrich Binkert, GTAI-Reisekorrespondent für Ostafrika:

Afrika-Experte Ulrich Binkert

Afrika-Experte Ulrich Binkert

Mehr politische Stabilität nährt die Hoffnung, dass Madagaskar sein wirtschaftliches Potenzial endlich stärker nutzt. Deutsche Firmen sind bisher kaum dabei. Wie sich gegen die in Afrika oft übermächtige Konkurrenz aus China punkten lässt, macht Frankreich vor.

SWOT-Analyse

Germany Trade & Invest beleuchtet Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Madagaskars als Wirtschaftsstandort und gibt eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Größter Markt unter den Inseln im Indischen Ozean mit fast 28 Millionen Einwohnern und einem jährlichen Zuwachs um etwa 700.000 Menschen
  • Internationale Geberorganisationen engagieren sich wieder zunehmend
  • Zugehörigkeit zur Southern African Development Community (SADC) erleichtert Markterschließung von Südafrika aus

W (Weaknesses | Schwächen)

  • Bevölkerung ist eine der ärmsten weltweit (Pro-Kopf-Einkommen liegt unter 500 US-Dollar pro Jahr); geringe Kaufkraft für Konsumgüter
  • Probleme bei der Finanzierung von Geschäften; Staat und Privatsektor fehlt Kapital
  • Isolierte geografische Lage erschwert und verteuert die Marktbearbeitung
  • Bei Investitionen: Hohe Kosten für Energie, Wasser und Transport

O (Opportunities | Chancen)

  • Teilhabe an Infrastrukturprojekten (Beratung, Zulieferung oder als Betreiber)
  • Zulieferung von Maschinen und Vorleistungen für die Konsumgüterindustrie
  • Bedienung des lokalen Marktes mit Konsumgütern, sowohl importiert als auch lokal gefertigt
  • Zulieferung von Technik für den lokalen Bergbau
  • Partnerschaften im Agrarsektor mit lokalen Bauern

T (Threats | Risiken)

  • Seit 2020: Einbruch der Geschäfte aufgrund der Pandemie
  • Politische Instabilität, trotz Fortschritten in den letzten Jahren
  • Verschlechterung der rechtlichen Rahmenbedingungen im Bergbau
  • Behörden stehen unter Druck, Steuern einzutreiben. Dies führt zu teilweise hohen Nachforderungen beim Finden von Fehlern in der Steuerabrechnung

Potenzialbranchen


Energiewirtschaft


Der Bedarf an Investitionen ist sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich sehr groß. Da es kein landesweites Stromnetz gibt, spielen Insellösungen eine wichtige Rolle. Dabei kommen vermehrt erneuerbare Energien zum Einsatz. Im Rahmen von Public-private-Partnerships (PPP) lässt der Staat mehr private Akteure zu. 

Bauwirtschaft

Der madagassische Bausektor ist international gesehen zwar klein, könnte aber in Zukunft Liefer- und Beratungsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen bieten. Deutsche Unternehmen sind nur vereinzelt in Madagaskar aktiv. Französische und chinesische Baufirmen dominieren.

Landwirtschaft

Der Bedarf an Nahrungsmitteln vor Ort steigt. Geberprojekte spielen eine große Rolle. Großinvestoren steht man eher kritisch gegenüber. Ein Problem ist die Abholzung von Regenwald, wodurch Erosion eintritt und unfruchtbare Böden entstehen. Deutsche Unternehmen engagieren sich über französische Partner oder von Südafrika aus. 

Bergbau und Rohstoffe

Madagaskars Bergbau befindet sich in einer schwierigen Phase. Unklare rechtliche Rahmenbedingungen, niedrige Mineralienpreise und die Pandemie bremsen die Branche. Ein neues Bergbaugesetz könnte Planungssicherheit bringen und die Nachfrage nach Maschinen, Fahrzeugen und Werkzeugen ankurbeln.

Umwelt und Wasser

Madagaskar muss dringend die Wasser- und Abwassersysteme ausbauen. Geschäftspotenziale schaffen private Unternehmen, die in hochwertige und auch hochpreisige Anlagen investieren. Bei öffentlichen Wasserprojekten ist dies nicht möglich. Viele Projekte werden als Public-private-Partnership (PPP) durchgeführt.

Der Branchencheck-Madagaskar von Germany Trade & Invest enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten. 

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Zoll- und Einfuhrregelungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Madagaskar sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regeln zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Madagaskar sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereit. Aus diesen geberfinanzierten Projekten resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

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