Auch wenn bisher erst wenige finale Investitionsentscheidungen getroffen wurden, planen immer mehr Unternehmen Wasserstoffprojekte in Afrika. Diese lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: kleinere Vorhaben für einen lokalen Anwendungszweck und große Projekte mit einer ausdrücklichen Exportorientierung.

Lokale Anwendungen und Export

Projekte mit lokalem Anwendungszweck sind am ehesten in weiter entwickelten Volkswirtschaften wie Südafrika und Kenia zu erwarten. Anwendungsfelder können etwa die Düngemittelproduktion und Kraftstoffe für Fahrzeuge im Bergbau sein.

Projekte mit Exportorientierung dürften am ehesten dort umgesetzt werden, wo der Platz für erneuerbare Energien groß, der lokale Bedarf an Wasserstoff aber eher klein ist. Dies betrifft zum Beispiel Länder wie Mauretanien und Namibia. 

Auch Wasserstoffderivate wie Methan und Ammoniak könnten attraktive Exportgüter werden. Etliche Großprojekte in Planung zielen genau darauf ab. Klar ist aber auch: Afrikanische Staaten setzen große Hoffnungen auf lokale Wertschöpfung und auf neue Jobs beim erhofften Boom der Wasserstoffwirtschaft.

Projektbeispiele

Verschiedene afrikanische Länder haben bereits konkrete Projekte für grünen Wasserstoff und dessen Derivate geplant. Diese befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Umsetzung. Einen Überblick über die Bandbreite der Vorhaben geben die folgenden Beispiele: 

Ägypten

Das norwegische Unternehmen Scatec will eine Produktionsanlage für grünen Ammoniak in Ain Suchna am Roten Meer bauen.

Die Produktionsmenge beträgt laut Scatec zunächst 1 Million Tonnen pro Jahr und steigt später auf 3 Millionen Tonnen. Neue Solar- und Windparks in unmittelbarer Nähe sollen den grünen Strom für die notwendigen Elektrolyseure der Anlage liefern. Als Abnehmer kommen für Scatec vor allem europäische und asiatische Märkte infrage.

Südafrika

Der Bergbaukonzern Anglo American hat den Prototyp eines Bergwerk-Lkw mit Brennstoffzelle im Einsatz. Diese wird mit Wasserstoff betrieben.

2024 soll die gesamte Flotte in der Platinmine Mogalakwena durch Brennstoffzellenfahrzeuge ersetzt werden. Die Ausweitung auf weitere Bergwerke ist geplant. Zu dem Projekt gehört zudem eine eigene Elektrolyseeinheit, die durch Solarstrom betrieben wird. Auch ein niederländisch-deutsches Unternehmen ist beteiligt: NPROXX hat unter anderem die Wasserstofftanks an Bord entwickelt.

Marokko

Der weltweit größte Hersteller von Phosphat, Office Chérifien des Phosphates (OCP), will ab 2027 jährlich 1 Million Tonnen grünen Ammoniak produzieren.

Das marokkanische Staatsunternehmen plant Investitionen in Höhe von 7 Milliarden US-Dollar. Mit eigener Solar- und Windenergie sollen grüner Wasserstoff und Ammoniak hergestellt werden. Dadurch will OCP unabhängiger von Ammoniak-Importen werden und die Produktion CO2-neutral gestalten. Gefragt sind Technologien für grünen Strom, Meerwasserentsalzung und Elektrolyse.

Namibia

Der Name Hyphen steht für eines der weltweit größten Projekte zur Produktion von grünem Wasserstoff in Namibia.

Es beinhaltet den Aufbau von 7 Gigawatt an Wind- und Solarkraftleistung. Gesamtkosten: rund 10 Milliarden US-Dollar. Die Projektbeteiligten, unter ihnen das deutsche Unternehmen Enertrag, zielen mit dem Vorhaben auf Exportmärkte in Europa und Ostasien. In der vollen Ausbaustufe soll das Vorhaben ab 2029 jährlich 2 Millionen Tonnen an grünem Ammoniak abwerfen.

Mauretanien

10 Gigawatt Elektrolysekapazität: Eines der weltweit größten Wasserstoffprojekte soll in Mauretanien entstehen.

Das deutsche Unternehmen Conjuncta entwickelt das Vorhaben gemeinsam mit ägyptischen und emiratischen Partnern. Gesamtkosten: 34 Milliarden US-Dollar. In der finalen Ausbaustufe könnten pro Jahr bis zu 8 Millionen Tonnen grüner Wasserstoff samt Derivaten in den Export gehen. Die erste Projektphase soll 2028 abgeschlossen sein und eine Elektrolysekapazität von 400 Megawatt erreichen.

Kenia

Kenia will überschüssige Energie aus dem Geothermiefeld Olkaria nutzen, um grünen Wasserstoff herzustellen.

Dieser könnte dann vor Ort zu Ammoniak und Dünger für Kenias Landwirtschaft weiterverarbeitet werden. So möchte das Land unabhängiger von Düngemittelimporten werden. Die deutsche Firma Fichtner hat Ende 2023 eine Vorabstudie über die Machbarkeit des Projekts durchgeführt. Die Finanzierung dafür stammte von der KfW Entwicklungsbank.

Geplante Produktion

Das Beratungsunternehmen Rystad Energy hat errechnet, dass in Afrika im Jahr 2035 etwa 7,2 Millionen Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden könnten – vorausgesetzt, alle geplanten Projekte werden auch realisiert. Zum Vergleich: In Deutschland rechnet man mit einem Wasserstoffbedarf von etwa 10 Millionen Tonnen im Jahr 2050. Davon muss voraussichtlich die Hälfte importiert werden.