Nach langen Jahren der politischen Dauerkrise zeichnet sich in Madagaskar eine positive Wende ab. Damit steigt die Hoffnung auf Investitionen und Wachstum. 

Die Präsidentschaftswahl Anfang 2019, die friedlich und im geordneten politischen Rahmen verlief, könnte Madagaskar auf den lang ersehnten Wachstumskurs bringen. Bei der völlig unterentwickelten Infrastruktur kündigen sich Fortschritte an. Internationale Geber haben ihre Mittel ausgeweitet, allerdings bestehen teils Zweifel an der adäquaten Verwendung. Bemerkenswert ist die immer noch starke Marktstellung der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich.

Das Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2022 aktualisiert.

Afrika-Experte Ulrich Binkert

Afrika-Experte Ulrich Binkert

Mehr politische Stabilität nährt die Hoffnung, dass Madagaskar sein wirtschaftliches Potenzial endlich stärker nutzt. Deutsche Firmen sind bisher kaum dabei. Wie sich gegen die in Afrika oft übermächtige Konkurrenz aus China punkten lässt, macht Frankreich vor.

Ulrich Binkert GTAI-Reisekorrespondent für Ostafrika


Daten und Fakten Madagaskar

SWOT-Analyse

S

Strengths Stärken

  • Größter Markt unter den Inseln im Indischen Ozean mit fast 28 Millionen Einwohnern und einem jährlichen Zuwachs um etwa 700.000 Menschen
  • Internationale Geberorganisationen engagieren sich wieder zunehmend
  • Zugehörigkeit zur Southern African Development Community (SADC) erleichtert Markterschließung von Südafrika aus
W

Weaknesses Schwächen

  • Bevölkerung ist eine der ärmsten weltweit (Pro-Kopf-Einkommen liegt unter 500 US-Dollar pro Jahr); geringe Kaufkraft für Konsumgüter
  • Fehlendes Kapital für Finanzierung von Geschäften
  • Isolierte geografische Lage
  • Hohe Kosten für Energie, Wasser und Transport
O

Opportunities Chancen

  • Teilhabe an Infrastrukturprojekten (Beratung, Zulieferung oder als Betreiber)
  • Zulieferung von Maschinen und Vorleistungen für die Konsumgüterindustrie
  • Markt für Konsumgüter, sowohl importiert als auch lokal gefertigt
  • Zulieferung von Technik für den lokalen Bergbau
  • Partnerschaften im Agrarsektor mit lokalen Bauern
T

Threats Risiken

  • Politische Instabilität
  • Verschlechterung der rechtlichen Rahmenbedingungen im Bergbau
  • Behörden stehen unter Druck, Steuern einzutreiben; teilweise hohe Nachforderungen bei  fehlerhaften Steuerabrechnungen

Potenzialbranchen

Energiewirtschaft


Der Bedarf an Investitionen ist sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich sehr groß. Der staatliche Stromversorger Jirama ist dringend sanierungsbedürftig, sodass der Staat sich für privates Engagement in Form von Independent Power Producer (IPP) oder Public Private Partnership (PPP) öffnet. Großprojekte bieten ebenso Chancen, wie Lösungen für Inselnetze.

Bauwirtschaft

Der madagassische Bausektor ist international gesehen zwar klein, könnte aber in Zukunft Liefer- und Beratungsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen bieten. Dies gilt umso mehr, da die Regierung vor den Wahlen Ende 2023 Großprojekte durchführen möchte. Deutsche Unternehmen sind nur vereinzelt in Madagaskar aktiv. Französische und chinesische Baufirmen dominieren.
LandwirtschaftDer Bedarf an Nahrungsmitteln vor Ort wächst schnell und macht Investitionen nötig. Geberprojekte spielen eine große Rolle. Großinvestoren steht man eher kritisch gegenüber. Für deutsche Unternehmen ergeben sich Chancen bei der Lieferung von Inputgütern und Ausrüstungen, bei der Beratung sowie bei dauerhaften Kooperationen mit lokalen Partnern.

Bergbau und Rohstoffe

Vor Madagaskars Küste befinden sich Öl- und Gasvorkommen, die bislang unangetastet sind. Steigende Weltmarktpreise für Mineralien kurbeln im Bergbau die Suche nach neuen Vorkommen an. Ein neues Bergbaugesetz, welches einen staatlichen Anteil in Höhe von 20 Prozent an den Minen vorsieht, bremst die Unternehmen jedoch bei der Realisierung des Abbaus.
Umwelt und WasserMadagaskar muss dringend die Wasser- und Abwassersysteme ausbauen. Geschäftspotenziale schaffen private Unternehmen, die in hochwertige und auch hochpreisige Anlagen investieren. Bei öffentlichen Wasserprojekten unterstützen vor allem die Weltbank, UNICEF und die Europäische Entwicklungsbank bei Finanzierungen. Teure Technologien sind nicht gefragt, denn der Regierung geht es auch darum, den Wasserpreis niedrig halten zu können.

Gesundheitswirtschaft

Die Versorgung mit Medikamenten ist teuer und auf dem Land zum Teil schwierig. Die madagassische Regierung gibt dem Gesundheitssektor Priorität und baut landesweit Krankenhäuser. Kaufkriterium für den Staat ist häufig der Preis. Finanzieren Geber aus bestimmten Ländern das Projekt, dann wird häufig auch aus diesem Land beschafft.

Der Branchencheck-Madagaskar von Germany Trade & Invest enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten. 

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Gewerbliche Wareneinfuhr und Zoll

Arbeitsmarkt und Löhne

Das Kompetenzzentrum Training (Aus- und Weiterbildung) der AHK Südliches Afrika (BMWK Skills Experts Programm) bietet deutschen und lokalen Unternehmen sowie Bildungsanbietern Informationen und Beratung rund um das Thema Berufsbildung.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Madagaskar sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereit. Aus diesen geberfinanzierten Projekten resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

Bei Germany Trade & Invest finden Sie aktuelle

Unterstützung beim Markteinstieg in Madagaskar

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWK-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Madagaskar zu erleichtern.

Unabhängig von der Branche und vom Zielland können Unternehmen die "Beratungsgutscheine Afrika" in Anspruch nehmen. Das Förderprogramm des BMWK unterstützt den Markteinstieg deutscher KMU in Afrika mit bis zu 75 Prozent der Kosten für maximal 15 Beratertage. 

Energiewirtschaft

Die Exportinitiative Energie hat zwei Zielmarktanalysen zur Energieerzeugung in Madagaskar veröffentlicht: 

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