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IT-Techniker in einem Serverraum
Die mauretanische Firma ECOTRAS hat sich in der Hauptstadt Nouakchott als Engineering‑ und Softwareanbieter etabliert, die unter anderem Projekte im Automotive‑Bereich, in der Web‑ und Mobile‑Entwicklung sowie im System‑ und Software‑Engineering realisiert. Im Interview berichtet Herr Moulaye Ely über das IT-Ökosystem in Mauretanien und mögliche Partnerschaften mit deutschen Unternehmen.
"Dynamische Phase der digitalen Entwicklung"
Herr Moulaye Ely, wie würden Sie die technologische Spezialisierung und das Alleinstellungsmerkmal Ihres Unternehmens beschreiben?
ECOTRAS ist ein technologiegetriebenes Engineering- und Softwareunternehmen mit Fokus auf Systemarchitektur, skalierbare Plattformlösungen und anwendungsorientierte Digitalisierung.
Unsere Spezialisierung liegt in der Verbindung von Software- und Systemengineering nach europäischen Qualitätsstandards, der Entwicklung von Plattform- und Multi-Service-Architekturen sowie KI-gestützten Anwendungen – unter anderem einer Sprachassistenz in Hassaniya-Arabisch. Ergänzend realisieren wir Integrationslösungen, die bestehende Legacy-Systeme mit modernen digitalen Ökosystemen verbinden.
Ein aktuelles Beispiel ist unser Projekt „Jiny“, eine integrierte digitale Plattform, die Mobilitäts- und Alltagsservices bündelt und darauf abzielt, digitale Infrastruktur für breite Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen.
Darüber hinaus entwickeln wir im Bereich UAV- und Drohnentechnologie intelligente Steuerungs- und Analyseplattformen für sicherheitsrelevante Anwendungen, Infrastrukturüberwachung – etwa im Pipeline-Monitoring – sowie perspektivisch für KI-gestützte geologische Exploration auf Basis umfangreicher historischer Datensätze.
Unser Alleinstellungsmerkmal liegt in der Kombination aus europäischer Ingenieursmethodik und tiefem lokalem Marktverständnis.
Wie beurteilen Sie aktuell das Ökosystem für IT‑ und Softwareentwicklung in Mauretanien – insbesondere hinsichtlich Talenten, Ausbildungsinfrastruktur und technologischer Reife?
Mauretanien befindet sich in einer frühen, aber dynamischen Phase der digitalen Entwicklung. Es gibt eine junge, technologieaffine Bevölkerung, eine steigende Smartphone-Durchdringung, eine wachsende Nutzung digitaler Zahlungsdienste sowie zunehmende staatliche Digitalisierungsinitiativen. Das digitale Grundinteresse ist eindeutig vorhanden.
Was jedoch noch fehlt, ist ein strukturiertes High-Tech-Ökosystem mit standardisierten Engineering-Prozessen, skalierbaren Plattformarchitekturen und Spezialisierungen in Bereichen wie KI, Systemintegration oder industrieller Software.
Das Talentpotenzial ist vorhanden, allerdings befinden sich Ausbildungsstrukturen noch im Aufbau. Praktische Projekterfahrung und internationale Qualitätsstandards sind noch nicht flächendeckend etabliert.
Hier sehen wir großes Entwicklungspotenzial – insbesondere durch Kooperationen mit Deutschland. Deutschland steht für Engineering-Exzellenz, duale Ausbildungssysteme und strukturierte Projektmethodik. Wenn dieses Know-how gezielt mit mauretanischem Talent kombiniert wird, kann sich ein leistungsfähiges digitales Ökosystem entwickeln.
Welche Chancen sehen Sie für Partnerschaften zwischen mauretanischen IT‑Firmen wie ECOTRAS und deutschen Technologieunternehmen – sei es in Softwareentwicklung, Automotive‑Engineering oder Digitalisierungsprojekten?
Die Chancen sind aus meiner Sicht erheblich – insbesondere in drei Bereichen:
Erstens im Bereich der Nearshore-Softwareentwicklung nach deutschen Qualitätsstandards. Mauretanien bietet ein noch wenig erschlossenes, kosteneffizientes Entwicklungsumfeld mit wachsendem Talentpool. In Verbindung mit deutschem Projektmanagement und Engineering-Strukturen entstehen wettbewerbsfähige Modelle.
Zweitens im Bereich Infrastruktur- und Industrieprojekte. Im Bergbau, in der Energieversorgung, im Wasser- und Pipeline-Monitoring sowie in der Sicherheitsinfrastruktur gibt es konkrete Anwendungsfelder für digitale Steuerungs- und Analyseplattformen. Wir entwickeln aktuell Konzepte für drohnengestützte Pipeline-Inspektion, KI-basierte Datenanalyse für geologische Exploration sowie intelligente Überwachungssysteme. Gerade im Rohstoffsektor existieren umfangreiche historische geologische Datensätze, deren intelligente Auswertung ein erhebliches Innovationspotenzial birgt.
Drittens im Bereich Plattform- und Ökosystemlösungen. Mit Projekten wie „Jiny“ entstehen digitale Multi-Service-Architekturen, die als Referenzmodelle für Märkte mit vergleichbarer Struktur dienen können.
Partnerschaften mit deutschen Unternehmen können dabei in Form von Joint Ventures, Technologiepartnerschaften, Co-Development-Projekten oder Investitionsbeteiligungen realisiert werden.
Welche strategischen Ziele verfolgen Sie für die internationale Positionierung von ECOTRAS, und welche Rolle könnten europäische – insbesondere deutsche – Märkte dabei spielen?
Unser strategisches Ziel ist es, ECOTRAS als Brückenunternehmen zwischen Deutschland und Westafrika zu positionieren.
Deutschland spielt dabei für uns eine zentrale Rolle – nicht nur als Technologiemarkt, sondern als Referenz für Qualitätsstandards, Engineering-Kultur und industrielle Skalierung.
Ich selbst habe 25 Jahre in Deutschland gelebt und arbeite auf Basis dieser Prägung. Als deutscher Staatsbürger mit mauretanischem Hintergrund sehe ich mich persönlich in einer verbindenden Rolle zwischen beiden Wirtschaftsräumen.
Langfristig streben wir deutsch-mauretanische Joint Ventures, gemeinsame Entwicklungsprojekte sowie die Beteiligung an deutschen Digitalisierungs- und Infrastrukturinitiativen an. Ebenso möchten wir technologieorientierte Kompetenzzentren in Mauretanien mit deutscher Mitwirkung aufbauen.
Wir sind überzeugt, dass nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung nur durch partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe entstehen kann – mit klaren Qualitätsstandards, Transparenz und langfristiger Perspektive.
Das Interview führte Ullrich Umann von Germany Trade & Invest im Februar 2026.
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