2023 eröffnete Emilia von Mettenheim das Finanzierungskompetenzzentrum in Abidjan, das in enger Abstimmung mit der Euler Hermes AG deutsche Exportgeschäfte begleitet. Die Länder Subsahara-Afrikas werden von der Elfenbeinküste aus betreut.
Frau von Mettenheim, Sie leiten das Kompetenzzentrum für die Finanzierung deutscher Exporte in Abidjan: Welche Aufgaben erfüllt das Kompetenzzentrum?
Das Finanzierungskompetenzzentrum mit Sitz in der Delegation der Deutschen Wirtschaft in in Côte d´Ivoire wurde in Abidjan, neben anderen Zentren in Singapur, Dubai und Mumbai, für die Region Subsahara eingerichtet.
Wir sind Teil des AHK Netzwerkes und werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) finanziert. Von hier wird das Instrument der Exportkreditgarantien oder kurz EKG begleitet. Für die EKG ist die Euler Hermes AG zuständig. Das Zentrum dient als Brücke zwischen der Bearbeitung der EKG in Deutschland und dem Markt vor Ort.
"Wir beraten und begleiten deutschen Exporteure, Banken und Importeure vor Ort"
Welche Leistungen umfasst Ihre Beratung?
Sie umfasst die Beratung und Begleitung von deutschen Exporteuren, Banken und den Importeuren vor Ort. Wir beraten Geschäftspartner bei ihren Verhandlungen hinsichtlich der Finanzierung oder prüfen – auch bei bereits geschlossenen Verträgen –, inwieweit das Förderinstrument die Finanzierung noch ergänzen kann. Darüber hinaus unterstützen wir laufende Geschäfte, sofern dies erforderlich ist.
Nach dem deutsch-französischen Jurastudium durchlief Emilia von Mettenheim als Legal Trainee im Jahr 2018 einige Stationen bei der Euler Hermes AG in Hamburg. Ab dem 1. Februar 2019 arbeitete sie als Unternehmensjuristin für das Business Management der Euler Hermes AG. Sie war in enger Zusammenarbeit mit den Ministerien sowie der Industrie und den Banken in Deutschland für die Konzeption und Organisation der Exportkreditgarantien der Bundesregierung zuständig.
"Wir sichern Kredite an den Auslandskunden vor wirtschaftlichen und politischen Risiken"
Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit anderen deutschen Akteuren (etwa AHK, GIZ, KfW, Botschaften) — und wie sieht diese Zusammenarbeit praktisch aus?
Da die Exportkreditgarantien ein Förderinstrument der Bundesregierung sind, reihen sie sich in die Vielzahl der Unterstützungsleistungen deutscher Institutionen ein. Die Zusammenarbeit und das Verständnis ihrer Aktivitäten ist hierbei sehr wichtig, da in verschiedenen Phasen verschiedene Initiativen unterstützen und einander die Bälle zuspielen können. In Deutschland verfügen vier Ressorts bei den Entscheidungen zu den Exportkreditgarantien über ein Mitspracherecht: das BMWE, das Bundesfinanzministerium (BMF), das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie das Auswärtige Amt. Ein kontinuierlicher Austausch und enge Zusammenarbeit sind daher unerlässlich.
Lassen Sie uns auf die Exportkreditgarantien schauen: Was genau sind sie, und wofür werden sie eingesetzt?
Die Exportkreditgarantien können vom deutschen Exporteur oder von einer deutschen oder internationalen Bank mit Sitz in Deutschland beantragt werden. Sie schützen denjenigen, der seinem Geschäftspartner Geld leiht vor wirtschaftlichen und politischen Risiken. Eine EKG kann Exporteure bei der Erschließung neuer Märkte, aber auch beim laufenden Exportgeschäft unterstützen und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken.
"Es gibt über zehn unterschiedliche Absicherungsprodukte"
Demnach sichert eine EKG den Kredit des Exporteurs an den Abnehmer beziehungsweise den Kredit einer Bank an den Auslandskunden.
Zum richtigen Verständnis lässt sich grundsätzlich die Lieferantenkreditdeckung von der Finanzkreditdeckung unterscheiden. Bei der Lieferantenkreditdeckung vereinbart der Exporteur mit seinem Auslandskunden einen Zahlungsplan und „verleiht“ damit das Geld vorerst an den Geschäftspartner. Der Zeitraum, bis der Kaufpreis abbezahlt ist, wird dem Exporteur dann abgesichert.
Bei der Finanzkreditdeckung kommt eine Bank hinzu, die dem Auslandskunden anstatt des Exporteurs ein Darlehen gewährt. Dieser Darlehensvertrag bekommt dann eine Absicherung durch den Bund, wodurch die Bank vergünstigte Kreditkonditionen anbieten kann. Der Darlehensvertrag muss in direkter Verbindung mit dem deutschen Exportgeschäft stehen.
Es gibt über zehn unterschiedliche Absicherungsprodukte bei den Exportkreditgarantien. Diese richten sich speziell an die einzelnen Deckungsnehmer (Exporteur oder Bank) und sind auf die unterschiedlichen Phasen eines Exportgeschäfts ausgerichtet.
"Wir helfen bei Voreinschätzung zur Deckungsfähigkeit"
Können Sie zwei typische Fallbeispiele nennen, in denen die Bundesdeckungen greifen?
Ein erstes Beispiel wäre, dass ein Staat ein Infrastrukturprojekt ausschreibt und ein Exporteur sich hierauf bewirbt. Oft ist es förderlich, wenn zuvor bereits eine Voreinschätzung zur Deckungsfähigkeit erfolgt ist. Bei einer positiven Einschätzung können der Exporteur und eine Bank mit einem konkreten Finanzierungsvorschlag in die Ausschreibung gehen. Das Projekt wird dann – je nach Antragszeitpunkt – dem Bund vorgestellt und eine Exportkreditgarantie im besten Fall zugesagt.
Ein zweites Beispiel ist ein Fall, in dem ein Exporteur bereits mit einem Auslandskunden in Kontakt steht, um eine oder mehrere Maschinen oder auch eine Dienstleistung zu exportieren. Der Auslandskunde wird anschließend geprüft und wenn das Geschäft förderungswürdig und aus Risikosicht vertretbar ist, wird dem Exporteur eine Bundesdeckung zugesagt.
"Der deutsche Anteil am Exportgeschäft ist wichtige Voraussetzung"
Wo greift die Exportkreditgarantie nicht — und warum?
Eine wichtige Voraussetzung für die Vergabe einer Exportkreditgarantie ist der deutsche Anteil eines Ausfuhrgeschäfts. Grundsätzlich gilt hier die Regel, dass in einem Exportvertrag mindestens 51 Prozent deutsche Ware enthalten sein muss. Liegt der Anteil knapp darunter, kann eine Voranfrage an den Bund gestellt werden, um eine Ausnahme zu prüfen.
Im Rahmen der Klimastrategie gibt es allerdings Geschäfte, die der “grünen Kategorie“ zugeordnet werden und bei denen ein deutscher Anteil von 30 Prozent ausreicht. Werden diese Anteile nicht erreicht und liegt nicht ein besonderer Ausnahmefall vor, ist eine Exportkreditgarantie ausgeschlossen.
Welche weiteren Instrumente des Bundes stehen neben den Exportkreditgarantien zur Verfügung?
Neben den Exportkreditgarantien gibt es die Investitionsgarantien des Bundes, die unter anderem immer dann greifen, wenn ein deutscher Investor im Ausland investiert. Dieses „Schwesterinstrument“ wird von der PricewaterhouseCoopers betreut. Wenn speziell nach Finanzierungsinstrumenten gefragt wird, dann ist selbstverständlich die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu nennen, die Finanzierungen einer Vielzahl unterschiedlicher Geschäfte anbietet.
"Die Vorteile für den Auslandskunden machen das Geschäft mit dem deutschen Exporteur attraktiver"
Inwiefern verbessern Exportkreditgarantien neben der Risikodeckung auch die Kreditvergabe und Konditionen der finanzierenden Bank?
Dadurch, dass bestimmte Risiken vom Bund übernommen werden, können sich Vorteile für den Auslandskunden ergeben. Hierzu zählen verringerte Finanzierungskosten (Kreditzinsen und Finanzierungsnebenkosten), fixe Zinssätze und längere Laufzeiten. Diese Vorteile für den Auslandskunden können selbstverständlich das Geschäft mit dem deutschen Exporteur attraktiver machen.
Die Entgelte hängen unter anderem von Ländereinstufungen ab: Wie werden diese Einstufungen festgelegt und von wem?
Die Länderrisikokategorien werden von der OECD festgelegt und durch deren Mitglieder verhandelt und diskutiert. Diese Ländereinstufungen sind für alle Exportkreditagenturen der OECD-Mitgliedstaaten verbindlich. Die Ländereinstufungen werden für jedes Land mindestens einmal jährlich und bei besonderen wirtschaftlichen oder politischen Entwicklungen halbjährlich überprüft und festgelegt.
"Mehrere Faktoren bestimmen die Entgelthöhe"
Welche weiteren Faktoren bestimmen die Entgelthöhe (zum Beispiel Laufzeit, Zahlungsziel, Bonität, Sicherheiten)?
Das Entgelt richtet sich nach der Länderrisikokategorie, der Höhe des Auftragswertes oder Kreditbetrages, nach der Laufzeit, den Jahresabschlüssen des Auslandskunden und nach der Tatsache, ob noch weitere Sicherheiten ob noch weitere Sicherheiten seitens des Auslandskunden beigebracht werden konnten.
Wer ist antragsberechtigt — und welche Voraussetzungen müssen Unternehmen beziehungsweise Banken erfüllen?
Antragsberechtigt sind deutsche Unternehmen und deutsche Banken. Internationale Banken mit Niederlassung in Deutschland gehören ebenfalls zu den deckungsberechtigten Banken.
In welchem Umfang nutzen Unternehmen in Afrika‑Geschäften die Exportkreditgarantien des Bundes (Hermesdeckungen)?
Wenn man den abgesicherten Teil von allen unter Deckung genommenen Geschäften auf dem afrikanischen Kontinent zusammennimmt, dann kommt man für das Jahr 2024 beispielsweise auf einen Betrag von 2,1 Milliarden Euro. In Lateinamerika waren es im Vergleich 2,4 Milliarden Euro.
"Wir wollen Ansporn für neue Märkte geben"
Welche Faktoren bestimmen die Nachfrage für Exportkreditgarantien?
Die EKG sollen Exporteuren helfen – oder auch den „Ansporn geben“ – neue, unbekannte Märkte zu erschließen. Es kommt also auch immer auf den Bedarf der Exporteure an, neue Geschäftspartner finden zu wollen.
Daneben gibt es Unternehmen, die seit zwanzig Jahren auf dem Kontinent aktiv sind und alle ihre Geschäfte routinemäßig absichern lassen. Hier bestimmt die Nachfrage vor Ort das Auftragsvolumen.
Schließlich spielt auch die Bereitschaft von Banken, Geschäfte zu finanzieren, deren Auftragswerte vergleichsweise gering sind, eine große Rolle. Ich habe viele Anfragen, bei denen der Auftragswert auch mal unter einer Million Euro liegt.
"Wir schauen vorab nach den grundlegenden Faktoren eines förderungswürdigen Exportgeschäfts"
Wie begleiten Sie Unternehmen durch das Antragsverfahren — von der Erstprüfung über die Unterlagen bis zur Entscheidung?
Ich schaue mir gerne alle Informationen an und je nachdem, ob schon mal die grundlegenden Faktoren eines förderungswürdigen Exportgeschäftes gegeben sind, gebe ich das Geschäft an die Hamburger Kollegen der Euler Hermes AG weiter. Dann kann gegebenenfalls eine erste unverbindliche Indikation gegeben werden. Beim Antrag selbst hilft dann auch der Außendienst der Euler Hermes AG. Das Antragsverfahren kann digital über das sogenannte myAGA Portal angestoßen werden.
Welche Informationen über den Darlehensnehmer muss das den Antrag stellende Unternehmen Euler Hermes vorlegen?
Dem Antrag sind einige Dokumente hinzuzufügen, im besten Fall zum Beispiel direkt die Jahresabschlüsse des Auslandskunden der letzten drei Jahre. Bei Anträgen mit einem Auftragswert von über 15 Millionen Euro müssen dann auch zusätzlich Unterlagen zu Umwelt-, Sozial- und Menschenrechts-Aspekten hinzugefügt werden.
"Wir müssen für das Afrikageschäft werben"
Welche zusätzlichen Leistungen bietet Ihr Büro darüber hinaus (etwa Marktbriefings, Partnerhinweise, Trainings)?
Ich gebe oft Webinare oder spreche bei Informationsveranstaltungen von Verbänden und Organisationen. Wir unterstützen dabei stets gerne, indem wir wichtige Akteure zusammenzubringen und auch zwischen den verschiedenen Institutionen vermitteln. Auch die Akteure des öffentlichen Dienstes können bei uns geschult werden – das Förderinstrument ist ja bekanntermaßen komplex.
Welche Schlüsse ziehen Sie aus Ihrer Arbeit für das Afrikageschäft deutscher Unternehmen?
Ich hätte nicht gedacht, dass ich mindestens genauso viel oder sogar noch ein bisschen mehr Werbung in Deutschland für die Region machen muss als Werbung für deutsche Produkte und Dienstleistungen hier vor Ort. Es herrscht manchmal noch eine gewisse Zurückhaltung deutscher Unternehmen, den Schritt nach Afrika zu wagen.
Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass der Bund Ende Januar 2025 ein umfassendes, sechs Punkte starkes Maßnahmenpaket für Exportkreditgarantien beschlossen hat, das Euler Hermes deutlich bessere Konditionen verschafft hat.
"Der Aufbau von Netzwerken vor Ort ist unumgänglich"
Wie wichtig ist es für Ihre Arbeit, vor Ort zu sein?
Vor Ort zu sein ist unumgänglich, um den Markt zu verstehen und ein Netzwerk aufzubauen, aus dem anschließend Geschäfte entstehen können – seien es die großen Infrastrukturgeschäfte oder eine Lieferung von Landwirtschaftsmaschinen. Das Interesse vor Ort an deutschen Produkten ist jedenfalls trotz ihrer oft höheren Preise nach wie vor sehr groß. Westafrika unterscheidet sich vom südlichen und östlichen Afrika. Auch die Zielsektoren sind je nach Region unterschiedlich.
Das Interview führte Fausi Najjar von Germany Trade & Invest im Februar 2026.
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