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Zwei Geschäftsleute diskutieren in einem Büro
Über 200 Mauretanier mit Deutschlandbezug haben sich nach ihrer Rückkehr zusammengeschlossen, um den Wissensaustausch zwischen beiden Ländern voranzutreiben. Im Interview spricht der Präsident der Mauretanischen Deutschland-Absolventen Initiative (MDI), Herr Elwely Sidi Haibe, über mögliche Kooperationsfelder.
"Expertennetzwerk nutzen"
Herr Sidi Haibe, wie kam es zur Gründung der MDI?
Die Mauretanische Deutschland-Absolventen Initiative (MDI) entstand aus dem Wunsch heraus, vorhandene Kompetenzen, Erfahrungen und Netzwerke zwischen Mauretanien und Deutschland besser zu bündeln und in konkrete Entwicklungs- und Kooperationsprojekte zu überführen.
Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass viele Mauretanierinnen und Mauretanier mit Deutschlandbezug wertvolle Brückenbauer sein können, diese Potenziale jedoch lange Zeit nicht strukturiert genutzt wurden.
Ursprünglich sollte MDI daher einen Rahmen für Austausch und gegenseitige Unterstützung unter Deutschland-Alumni schaffen. Außerdem sollten die in Deutschland erworbenen Kompetenzen gezielt für die Entwicklung Mauretaniens eingesetzt werden.
Sie verstehen sich als unpolitische, gemeinnützige Plattform, deren Arbeit auf nachhaltige Entwicklung ausgerichtet ist. Ein Paradebeispiel für die EZ, oder?
In der frühen Phase gab es Gespräche, ja. Im Zuge dessen wurde aber deutlich, dass wir eine offene, inklusive Struktur aufbauen wollten – eine Organisation, die Alumni, Fachkräfte, Studierende, Diaspora und Partnerinstitutionen gleichermaßen einbindet und nicht auf einzelne Gruppen begrenzt ist. Aus diesem Ansatz heraus hat sich MDI als eigenständige Initiative konsolidiert.
Und mittlerweile?
Seit unserer Gründung haben wir uns zu einem operativ arbeitenden Partner weiterentwickelt. Heute konzentrieren wir uns unter anderem auf die Förderung von Bildung, Training und Kompetenztransfer, die Unterstützung von Unternehmertum und wirtschaftlichen Kooperationen sowie auf Initiativen in den Bereichen Energie, Umwelt und Innovation.
Darüber hinaus engagieren wir uns im kulturellen Austausch und in der Bürgerdiplomatie und bieten Unternehmen und Institutionen konkrete Unterstützung bei der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Mauretanien.
Wer sind die Mitglieder der MDI?
Die MDI ist wie gesagt ein Kompetenz- und Alumni-Netzwerk von Mauretanierinnen und Mauretaniern mit Deutschlandbezug. Sie ist zugleich ein Verein, der durch seine Mitglieder eigenfinanziert ist. Unsere Mitglieder sind vor allem Fachkräfte, Unternehmer, Ingenieure, Akademiker, Studierende und Alumni deutscher Hochschulen sowie Berufstätige, die zwischen beiden Ländern tätig sind.
Gibt es einen Branchenschwerpunkt?
Nein, die Mitglieder repräsentieren ein breites Spektrum zentraler Branchen, darunter Energie, Bau und Ingenieurwesen, IT und Digitalisierung, Bildung, Gesundheit, Unternehmertum sowie Kultur und internationale Zusammenarbeit.
Welche konkreten Unterstützungsangebote oder Kooperationsmöglichkeiten können Sie
deutschen Unternehmen bieten?
Die MDI kann deutschen Unternehmen entlang des gesamten Markteintritts konkrete Unterstützung bieten. Dazu zählen insbesondere der Zugang zu relevanten Netzwerken durch die Vermittlung von Kontakten zu Behörden, Institutionen, Unternehmen und Fachkräften vor Ort sowie eine erste Orientierung zu Marktchancen, Sektoren und lokalen Rahmenbedingungen. Zudem unterstützt die MDI bei der Anbahnung von Partnerschaften, etwa durch die Identifikation geeigneter lokaler Partner, Fachkräfte oder Projektträger.
Unternehmen profitieren außerdem von der fachlichen Begleitung durch ein multidisziplinäres Expertennetzwerk in Bereichen wie Energie, Bau, Infrastruktur, Bildung, IT und Unternehmertum. Ergänzend wirkt die MDI bei Delegationsreisen, Pilotprojekten, Trainings- oder Kooperationsformaten mit und fungiert als kulturelle und organisatorische Brücke, indem sie bei interkulturellen Fragen, der Kommunikation und institutionellen Prozessen unterstützt.
Das Interview führte Ullrich Umann von Germany Trade & Invest im Februar 2026.
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