Augusta Okafor
Augusta Okafor, CEO, Africa Medical Marketplace (AMP)
Nigeria gehört zu den größten Gesundheitsmärkten in Afrika und verzeichnet aufgrund des raschen Bevölkerungswachstums und des steigenden Bedarfs an moderner Gesundheitsversorgung eine wachsende Nachfrage nach medizintechnischen Lösungen.
Augusta Okafor hat mit dem Africa Medical Marketplace eine digitale Plattform gegründet, die Gesundheitsdienstleister in Afrika mit verifizierten Anbietern von Medizintechnik, medizinischen Produkten und Dienstleistungen verbindet.
Augusta, Du bist Gründerin und CEO des Start-up- Unternehmens Africa Medical Marketplace (AMP). Kannst Du kurz Dein Unternehmen beschreiben und wie Du zu Deiner Geschäftsidee gekommen bist?
Africa Medical Marketplace entstand aus einer persönlichen Erfahrung: Als meine Mutter 2014 an Brustkrebs erkrankte, wurde deutlich, wie gravierend die Versorgungsdefizite im nigerianischen Gesundheitssystem sind – insbesondere durch fehlende oder defekte medizinische Geräte.
Diese Erfahrung motivierte mich, die strukturellen Schwächen zu analysieren und eine Lösung zu entwickeln. AMP ist heute eine digitale B2B-Plattform, die Gesundheitseinrichtungen in Afrika mit verifizierten Lieferanten, Medizintechnikern und Wartungsdiensten verbindet. Zusätzlich ermöglichen wir die Weiterverteilung ungenutzter Geräte an unterversorgte Einrichtungen.
Mit einer pan-afrikanischen Ausrichtung adressiert AMP zentrale Herausforderungen wie fragmentierte Lieferketten, fehlende Wartungsinfrastruktur und regulatorische Hürden. Ziel ist es nicht nur, einen Marktplatz zu schaffen, sondern die grundlegende Infrastruktur für einen effizienten, grenzüberschreitenden Medizintechnikmarkt in Afrika aufzubauen.
Wie sieht die aktuelle Entwicklung des Marktes für Medizintechnik aus? Wie schätzt Du die Wachstumschancen für die nächsten Jahre ein?
Der nigerianische Markt für Medizintechnik ist trotz einer Bevölkerung von über 220 Millionen Menschen stark unterversorgt. Das Marktvolumen liegt bei etwa 1 Milliarde US-Dollar jährlich. Das Marktvolumen des afrikanischen Gesamtmarktes wird auf 5 bis 10 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis Anfang der 2030er Jahre dürfte der Gesamtmarkt weiter deutlich wachsen. Vor allem staatliche Initiativen im Bereich der Primärversorgung und das Wachstum privater Krankenhausketten schaffen dabei eine steigende und planbare Nachfrage nach medizinischen Geräten.
Nachgefragt werden in Nigeria vor allem bildgebende Geräten - darunter Röntgen-, Ultraschall- und CT-Systeme -, chirurgische Ausstattung, Mutter-Kind-Versorgung sowie Labor- und Verbrauchsmaterialien. Während Verbrauchsmaterialien aktuell dominieren, wächst die Nachfrage nach Investitionsgütern schnell.
Dabei ist Nigeria zu über 95 Prozent auf Importe von medizinischen Geräten angewiesen. China dominiert den Markt im Volumen, während Indien vor allem Verbrauchsmaterialien liefert und die USA sowie Europa hochwertige Geräte bereitstellen. Deutschland hat zwar eine hohe Qualität, ist aber noch unterrepräsentiert.
Was sind die größten Herausforderungen in der Branche?
Logistik ist eine der größten, aber oft unterschätzten Herausforderungen im nigerianischen Gesundheitssektor. Schlechte Infrastruktur erschwert insbesondere die Zustellung auf der letzten Meile, während eine instabile Stromversorgung den zuverlässigen Betrieb vieler medizinischer Geräte zusätzlich beeinträchtigt.
Gravierend ist daneben der Mangel an After-Sales-Service: Viele Geräte werden ohne Wartungsverträge, Serviceinfrastruktur oder ausreichend vorhandenes geschultes Personal verkauft. Dies führt zu häufigen Ausfällen, geringer Nutzung und teilweise ungenutzten Geräten in Einrichtungen.
Im Bereich der öffentlichen Beschaffung fehlen oftmals Finanzierungsinstrumente mit langen Zahlungszielen. Die meisten öffentlichen Krankenhäuser arbeiten mit jährlichen staatlichen Budgetzuweisungen, die häufig verspätet, gekürzt oder für laufende Ausgaben umgewidmet werden. Lieferanten müssen Geräte, Import- und Logistikkosten vorfinanzieren und warten häufig mehrere Monate auf Zahlungen, was die Liquidität belastet und die Marktteilnahme seriöser Anbieter einschränkt.
Zusätzlich erschweren fragmentierte Zahlungssysteme, hohe Transaktionskosten und langsame grenzüberschreitende Überweisungen den Handel mit medizinischen Geräten in Afrika. Davon sind insbesondere kleinere Krankenhäuser und Anbieter betroffen.
Wie kann AMP da helfen?
Africa Medical Marketplace (AMP) versucht ganzheitliche Lösungen für die bestehenden Lücken und Herausforderungen zu schaffen.
So bietet AMP über ein wachsendes Netzwerk von Medizintechnikern Serviceleistungen im Bereich Wartung und Reparatur an und integriert Schulungsangebote für medizinisches Personal. Gleichzeitig berücksichtigt die Plattform Faktoren wie Stromkompatibilität bereits bei der Geräteauswahl.
Auch auf logistischer Ebene baut AMP gezielt Partnerschaften für Lagerhaltung, Last-Mile-Delivery und grenzüberschreitende Transporte auf, um Lieferketten zuverlässiger und effizienter zu gestalten. Ziel ist eine integrierte Infrastruktur, die nicht nur Lieferung, sondern den gesamten Lebenszyklus medizinischer Geräte abdeckt.
Zur Erleichterung der Zahlungsabwicklung und Finanzierung haben wir eine integrierte, grenzüberschreitende Zahlungsinfrastruktur als Bestandteil seiner Plattform entwickelt. Diese arbeitet mit mehreren Währungen und Zahlungssystemen und ermöglicht es verifizierten Käufern und Verkäufern in afrikanischen Märkten, unabhängig von Standort, miteinander zu handeln.
Parallel dazu entwickelt AMP Leasingmodelle für Geräte sowie strukturierte Zahlungspläne für verifizierte institutionelle Käufer. Das Zusammenspiel dieser Ansätze führt dazu, dass die Finanzierung medizinischer Geräte ebenso zugänglich wird wie deren Beschaffung – und verändert grundlegend, was sich Einrichtungen leisten können und welchen Zugang Patientinnen und Patienten erhalten.
Das Interview führten Chinenye Ukut und Corinna Päffgen von Germany Trade & Invest im Mai 2026.
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