Durch die schnelle Ausdehnung der Städte Afrikas wächst auch der Bedarf an Lösungen im Umweltbereich. Die nach wie vor staatlichen Bereiche wie die Wasserversorgung aber auch die Entsorgung von Abwasser und Abfall leiden in den meisten afrikanischen Staaten unter Kapitalmangel und ineffizienten Strukturen. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf rasant an und die Umweltprobleme nehmen zu. Zusammen mit den ausländischen Geberorganisationen versuchen viele Regierungen in Afrika privates Know-how für diese Bereiche zu gewinnen. In den kommenden Jahren dürften die internationalen Geberorganisationen deutlich mehr Kapital für Investitionen im Umweltbereich zur Verfügung stellen und das Interesse privater Unternehmen wecken.

Auch von privater Seite werden Aufträge für das Management von Wasser, Abwasser und Abfall vergeben. Hierzu zählt unter anderem die in den Großstädten angesiedelte Nahrungsmittelindustrie. Diese benötigt eine zuverlässige Trinkwasserversorgung für ihre Produktion. Häufig reicht die städtische Wasserversorgung hierfür nicht aus, sodass in eigene Aufbereitungsanlagen investiert wird. Auch die in der Regel weit von den städtischen Wasserversorgungsnetzen entfernten Minen benötigen eine eigene Wasserversorgung und bauen sich hierfür entsprechende eigene Infrastrukturen auf.

Bauer Resources im Interview mit GTAI

Bauer Resources, ein deutscher Dienstleister in den Bereichen Wasser, Umwelt und Bergbau hat diese Trends für sich als Chance erkannt und in den letzten rund 20 Jahren sein Engagement in Afrika aufgebaut. Das Unternehmen gehört zur Bauer Gruppe, die im bayerischen Schrobenhausen ihren Sitz hat. Zunächst wurde im Jahr 1999 die Niederlassung in Südafrika gegründet. Weitere Filialen kamen in Ghana im Jahr 2006 und Marokko in 2010 hinzu. Mit der Eröffnung des Büros in Senegal 2013 ist Bauer Resources nun an vier Standorten in Afrika permanent vertreten. Frank Weimert leitet die Niederlassung in Dakar. Er ist durch seine langjährigen Erfahrungen in den Bereichen Mining und Wasserversorgung ein Westafrikakenner. In dem folgenden Interview mit Carsten Ehlers, Korrespondent von GTAI in Accra schildert er, welche Geschäftsmöglichkeiten Senegal in den kommenden Jahren bietet (März 2019):

Herr Weimert, wie kam es zum Engagement von Bauer Resources in Senegal?

Die Gründe für die Entscheidung für Dakar als Sitz des Regionalbüros für Westafrika lagen vor allem in der politisch relativ stabilen Lage des Landes und der Tatsache, dass Bauer zu diesem Zeitpunkt bereits in fortgeschrittenem Kontakt mit Kunden bezüglich tiefer Brunnenbohrungen stand.

Welche Bereiche sind speziell für Bauer von Bedeutung in Senegal und wo sehen Sie am meisten Geschäftspotenzial in der Zukunft?

Die geologischen Verhältnisse in Senegal sind zum Teil recht schwierig. Zum erfolgreichen Abteufen von tiefen Bohrungen ist technisch anspruchsvolles Equipment sowie das entsprechende Know-how notwendig, welches Bauer im Gegensatz zu lokalen Unternehmen bieten kann. Im Bereich Wasser sind wir bei technisch aufwendigen Bohrarbeiten für komplexe Geologien quasi konkurrenzlos. Für die Zukunft denken wir außerdem, dass das Thema Umwelt immer wichtiger wird. Hierzu zählen die Bereiche Wasserreinigung und -aufbereitung sowie Entsorgungsmanagement.

Wird der Beginn der Ölförderung in Senegal Chancen für Sie mit sich bringen und wird sich das Geschäftsklima dadurch noch einmal deutlich verbessern?

Darauf hoffen wir. Bauer ist, vor allem im Nahen Osten, sehr viel für ölfördernde Unternehmen tätig, vor allem im Bereich Umwelt; ist also bereits als erfahrenes Unternehmen bekannt. Dies und die Tatsache, dass wir in Senegal bereits installiert sind, ist natürlich ein Vorteil. Für Senegal laufen aktuell Ausschreibungen und Gespräche und wir hoffen sehr, in diesem Bereich auch tätig zu sein.

Wo winken interessante Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen in Senegal?

Es ist bekannt, dass Dakar unbedingt verkehrstechnisch entlastet werden muss. Die Stadt wächst immer schneller, große Apartment- und Wohngebäude ersetzen kleine Häuser, womit sich die Anzahl der Menschen und Fahrzeuge auf gleichem Raum erhöht. Das städtische Straßennetz aber bleibt weitgehend unverändert und ist somit überlastet. Auswirkungen gibt es natürlich auch auf die Wasserver- und -entsorgung, die nicht mehr in allen Bezirken in ausreichendem Maße gewährleistet werden kann. Mit dem Bau der Cité Diamniadio zum Beispiel wurde ein großer Schritt gemacht, Wohn- und Geschäftsraum 20 Kilometer aus Dakar heraus zu verlagern. Zusammenfassend gibt es schon alleine dadurch im Hoch- und Tiefbau, Energie- und Wassersektor reichlich Arbeit.

Warum sind in Senegal Ihrer Meinung nach nur so wenige deutsche Unternehmen mit einer eigenen Niederlassung vor Ort?

Der Grund für die geringe Präsenz vor allem deutscher Unternehmen liegt meines Erachtens darin, dass nicht immer alle nach den gleichen Regeln spielen. Bei großen Vorhaben wird oft schon im Vorhinein Einfluss auf die Vergaben genommen. Vor allem fernöstliche Firmen erhalten politische Unterstützung aus Ihren Ländern. Und lokale Firmen können über interne Netzwerke Einfluss nehmen und punkten. Dies ist eher die Regel als die Ausnahme und bei Firmen auch bekannt.


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