Viel Trinkwasser geht in Entwicklungsländern durch Rohrbrüche und Leckagen verloren. Es braucht Geduld und Flexibilität, um die Ressource Wasser effizienter zu nutzen.

Die Hermann Sewerin GmbH stellt sich den Herausforderungen schlecht gewarteter Gas- und Wassernetzwerke seit fast 100 Jahren. Mit dem Hauptsitz im deutschen Gütersloh ist das familiengeführte Unternehmen seit Jahrzehnten in 80 Ländern vertreten. Heute beschäftigt Sewerin mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als Business Developer denkt Michael Kersting dabei vor allem an Sewerins Präsenz in Südamerika und auf dem afrikanischen Kontinent. Wie sich Märkte dort erschließen lassen, beschreibt er im Interview mit dem EZ-Scout Programm.

Zeit für einen langfristigen Plan

Herr Kersting, wie erschließen Sie neue Märkte in Schwellen- und Entwicklungsländern?

Michael Kersting, Business Developer, Hermann Sewerin GmbH

Für mich gibt es nicht die eine Standardstrategie. Jedes Land ist anders, hat eigene Herausforderungen und Probleme. Da muss man sich jedes Mal wieder neu auf die Umstände vor Ort einstellen, und das geht nur mit ausreichend Flexibilität und einem langen Atem.

Ich spreche zuerst mit vielen Menschen, untersuche die Strukturen im Land und bereite den Markt auf eine mögliche Zusammenarbeit vor. Welchen Wissensstand haben die Wasserversorger? Welche Gerätetechnik gibt es bereits im Land? Wie kann man die Ressourcen effizienter nutzen und die Versorgungssicherheit stärken, so dass die Bevölkerung nicht nur zwei Mal in der Woche Wasser hat? Bei Sewerin denken wir dabei langfristig. Da stellten wir dann schnell auch eine Überschneidung mit der Entwicklungszusammenarbeit fest.

Wie sieht Ihre Kooperation mit der Entwicklungszusammenarbeit konkret aus?

Die Zusammenarbeit begann 2010 im Rahmen einer develoPPP.de Entwicklungspartnerschaft in Peru. Dort begleiteten wir zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH fünf kommunale Wasserversorger über drei Jahre hinweg. Wir bildeten Fachkräfte aus, fanden gemeinsam über 4.000 Leckagen in veralteten Versorgungssystemen und reparierten diese. Mit einem eigens entwickelten Monitoringsystem zeigten wir die Wasserverlustreduzierung auf, auch im entsprechenden Geldwert. So konnten wir die Wirtschaftlichkeit der neuen Technologien beweisen. Heute ist Sewerin bei fast allen der über 80 Wasserversorgungsunternehmen in Peru als Marke fest etabliert.

So etwas wollen wir auch auf dem afrikanischen Kontinent schaffen. Essentiell sind dabei die richtigen Kontakte und Kooperationen. In meiner Funktion sitze ich an der Schnittstelle zu den relevanten Verbänden und Organisationen. In der GIZ beispielsweise leite ich eine sogenannte „Community of Practice“, in der sich die fachlichen Ansprechpartner im Bereich Wasserverlust und Energieeffizienz regelmäßig austauschen. Bei German Water Partnership e.V. sitze ich im Vorstand und leite das Regionalforum Afrika. Dabei wurde ich immer wieder von EZ-Scouts zu Projektideen und Kooperationsangeboten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit beraten. Diese Zusammenarbeit öffnet Türen, die uns ansonsten verschlossen blieben.

Neben dem langfristigen Denken und dem Aufbau von Netzwerken, was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Ich bin jetzt seit 13 Jahren bei Sewerin und weiß wie wichtig es ist, vertrauensvolle Partner in anderen Ländern zu haben. Um eine Beziehung aufzubauen, muss man sich auch persönlich treffen und kennenlernen. Ich bin deshalb viel unterwegs: Fast 50 Prozent meiner Arbeitszeit verbringe ich auf Dienstreisen, viele davon im Ausland. Und da muss ich mich auf die Realität der anderen einlassen können. Für uns Deutsche ist beispielsweise Pünktlichkeit sehr wichtig – das ist in anderen Ländern ganz anders, und das muss ich verstehen können.

Das Interview fand im Dezember 2019 statt.


Logobanner Sewerin, BMZ und GIZ

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