Das Länderprofil wurde zuletzt im Januar 2020 aktualisiert.

Ruanda punktet mit einer pragmatischen Wirtschaftspolitik und zieht erfolgreich neue Investoren an. Im Ease of Doing Business Index der Weltbank rangiert das ostafrikanische Binnenland auf Platz 29, knapp hinter Deutschland. Auch das Wirtschaftswachstum kann sich sehen lassen: Laut Prognosen liegt der Durchschnittswert für 2019 bis 2023 bei 8 Prozent. Die Regierung setzt auf die Stärkung der Exportwirtschaft und eine moderate industrielle Zukunft. Zu den Herausforderungen zählen das hohe Bevölkerungswachstum, eine steigende Verschuldung und die weitere politische Öffnung des Landes.


Hinweis

Die Partner des Wirtschaftsnetzwerk Afrika bieten deutschen Unternehmen Informationen zu den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie in Afrika.

Daten und Fakten

GTAI

Der Africa Business Guide liefert Ihnen mit den TOP 10 der wichtigsten Wirtschaftsdaten einen ersten Länderüberblick zu Ruanda.

Offizieller Name & Hauptstadt: Republik Ruanda, Kigali

Geschäftssprachen: Englisch, Französisch

Einwohner: 12,6 Millionen (2019)*

Durchschnittsalter: Ø 19,2 

Bevölkerungswachstum: 2,6% (2019)*

Währung & Wechselkurs (Ø 2019): 1 Euro = 1.018,378 F.Rw (Ruanda-Franc)

BIP: 825 US-Dollar pro Kopf (2019)*

BIP-Wachstum: 3,5% (2020)*

Ausländische Direktinvestitionen: 2,3 Mrd. US-Dollar (2018)

Wichtigste deutsche Einfuhrgüter 2019 (in % der Gesamteinfuhr)*

  1. Nahrungsmittel 66,6
  2. Rohstoffe (außer Brennstoffe) 27,2
  3. Textilien und Bekleidung 3,0
  4. Elektronik 0,8

Deutsche Ausfuhren in 2019: 56,7 Millionen Euro

Wichtigste deutsche Ausfuhrgüter 2019 (in % der Gesamtausfuhr)*

  1. Maschinen 24,6
  2. Mess- und Regeltechnik 13,3
  3. Chemische Erzeugnisse 10,9
  4. Nahrungsmittel 10,8
  5. Sonstige Fahrzeuge 8,3

*vorläufige Angabe, Prognose/Schätzung

Quelle: Wirtschaftsdaten kompakt von Germany Trade & Invest 

Expertenstimme zu Ruanda

Martin Kalhöfer, GTAI-Bereichsleiter für Afrika/Nahost:

Afrika-Experte Martin Kalhöfer

Afrika-Experte Martin Kalhöfer

Die Straßen in der ruandischen Hauptstadt Kigali sind ohne Müll und gepflegt wie sonst nirgendwo auf dem afrikanischen Festland. Die Entwicklungsbehörde RDB betreibt ein investorenfreundliches One-Stop-Shop-Center und gibt Hilfestellungen bei administrativen Fragen. Und in Sachen Frauenpolitik geht das Land mit gutem Beispiel voran: Bei der Gleichstellung von Frauen und Männern belegt Ruanda nach einer Studie des World Economic Forum im weltweiten Vergleich Platz 6. Als Garant für wirtschaftliches Wachstum und Fortschritt gilt Präsident Paul Kagame. Doch die Zukunft des autoritär geführten Landes hängt auch von der Demokratisierung und weiteren politischen Öffnung ab.

SWOT-Analyse

Germany Trade & Invest beleuchtet Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Ruandas als Wirtschaftsstandort und gibt eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)


  • Hohe Sicherheit im Vergleich zu anderen afrikanischen Metropolen; angenehmes Umfeld für Unternehmen
  • Investorenfreundliche Regierung bekämpft Korruption; für afrikanische Verhältnisse sicheres Investitionsumfeld
  • Gutes Standing bei internationalen Gebern; hohe Kapitalzuschüsse aus dem Ausland
  • Drehkreuz für innerafrikanischen Luftverkehr (RwandAir)
  • Entwicklung vom frankophonen zum anglophonen Land, was den Marktzugang erleichtert

W (Weaknesses | Schwächen)

  • Geringe Marktgröße mit etwa 13 Millionen Einwohnern (2020)
  • Geringe Kaufkraft (Pro-Kopf-Einkommen für 2020: 820 US$ im Jahr)
  • Binnenlage schafft Abhängigkeit beim Seetransport von ausländischen Transportkorridoren und verteuert Handel

O (Opportunities | Chancen)


  • Bausektor bietet mittelfristig zahlreiche Chancen
  • Teilhabe an Infrastrukturprojekten
  • Zulieferung für die noch kleine aber expandierende Konsumgüterindustrie
  • Belieferung des lokalen und regionalen Marktes mit Konsumgütern


T (Threats | Risiken)

  • Risiko von Zahlungsverzögerungen bei öffentlichen Aufträgen
  • Unternehmen müssen bei Steuerprüfungen im Falle von Unklarheiten mit hohen Nachforderungen rechnen
  • Soziale und ethische Spannungen

Potenzialbranchen

Für Ruanda lassen sich folgende Kernbranchen identifizieren:

Energiewirtschaft

Der Energiesektor ist einer der Schwerpunktbereiche in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit Deutschlands und Ruandas. Der Ausbau der Stromversorgung läuft auch während der Pandemie weiter. Bei Fotovoltaikanlagen ist Ruanda in Ostafrika sogar führend.

Bauwirtschaft

Der Bausektor befindet sich seit Jahren im Aufschwung. Geberfinanzierte Projekte werden auch in der Krise weitergeführt. Für deutsche Unternehmen bestehen Chancen bei der Zulieferung von Geräten, Baustoffen oder Armaturen, bei Beratungsdienstleistungen sowie Beteiligungen im lokalen Baustoffbereich. Die Auftragsvergabe gilt als transparent.

Landwirtschaft

Die Subsistenzwirtschaft soll zu einer kommerziellen Industrie ausgebaut und der Privatsektor mithilfe von Investitionen vorangebracht werden. Für den Export wird Hortikultur als potenzialreich gesehen. Die Absatzchancen für importierte Nahrungsmittel sind begrenzt, da sich diese aufgrund von Transporteinschränkungen verteuert haben.

Bergbau und Rohstoffe

Die Regierung will den Sektor für international operierende Bergbaugesellschaften interessanter machen und vermehrt Mineralien vor Ort verarbeiten. Es werden vor allem Zinn, Coltan, Tantal und Wolfram abgebaut. Methangas vom Kivu-See wird für Treibstoff und für die Stromversorgung eingesetzt. 

Umwelt und Wasser

Insgesamt sollen acht neue Wasseraufbereitungsanlagen bis 2022 gebaut werden. Eine der größten ist die im Bau befindliche Anlage in Kazenze mit einer Kapazität von 40.000 Kubikmeter (Kigali Bulk Water Supply Project). Jüngst kündigte der staatliche Versorger WASAC (Water & Sanitation Corporation) an, dass erstmals auch in die Regenwasserkanalisation in Kigali investiert werden soll.

Der Branchencheck Ruanda enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Information


Ruanda ist eines von zwölf afrikanischen Ländern der G20-Initiative Compact with Africa (CwA). Ziel ist es, die Bedingungen für private Investitionen in den Teilnehmerländern zu verbessern.
 

Rechtliche Rahmenbedingungen 

Ruanda hat ein gemischtes Rechtssystem. Bis Mitte der 1990er Jahre war es überwiegend kontinentaleuropäisch geprägt. Dann entschied man sich, auf das Common Law System umzustellen, sodass es heute Gesetze mit dem Einfluss beider Rechtstraditionen gibt. Ausländische Investoren sind überwiegend inländischen Investoren gleichgestellt. Beschränkungen gibt es allerdings bei der Einstellung ausländischer Arbeitskräfte. Für die Gründung einer Gesellschaft stehen die aus dem Common Law bekannten Gesellschaftsformen zur Verfügung. Ausländische Gesellschaften können darüber hinaus eine Zweigniederlassung gründen.

Zoll- und Einfuhrbestimmungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Ruanda sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regeln zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Ruanda sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Projekte der öffentlichen Hand bereit. Aus geberfinanzierten Vorhaben resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

Bei Germany Trade & Invest finden Sie aktuelle 

Unterstützung beim Markteinstieg

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWi-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Ruanda zu erleichtern.

>> Aktuelle Veranstaltungen zum Zielmarkt Ruanda

Gesundheitswirtschaft

Das BMWi-Markterschließungsprogramm hat 2020 eine Geschäftsanbahnungsreise zur Gesundheitswirtschaft in Ruanda und Tansania durchgeführt und dazu eine Zielmarktanalyse veröffentlicht.

Bauwirtschaft

Das BMWi-Markterschließungsprogramm hat 2019 eine Geschäftsanbahnungsreise zur Bauwirtschaft in Äthiopien und Ruanda durchgeführt und dazu eine Zielmarktanalyse veröffentlicht.

Zivile Sicherheit

Das BMWi-Markterschließungsprogramm hat 2020 eine Geschäftsanbahnungsreise zum Thema Zivile Sicherheit in Uganda und Ruanda durchgeführt und dazu eine Zielmarktanalyse veröffentlicht.

Energiewirtschaft

Das Kompetenzzentrum Energie und Umwelt der AHK Kenia informiert und unterstützt Unternehmen in der Region zu den Themen Bio- und Solarenergie, Energieeffizienz, Frischwasserversorgung, Abwasserbehandlung und Abfallmanagement.

Kontakte und weiterführende Links