Ruanda punktet mit einer pragmatischen Wirtschaftspolitik und zieht erfolgreich neue Investoren an. Zu den Herausforderungen zählen das hohe Bevölkerungswachstum, eine steigende Verschuldung und die weitere politische Öffnung des Landes.

Im Ease of Doing Business Index der Weltbank rangiert das ostafrikanische Binnenland auf Platz 38, noch vor den Niederlanden und Belgien. Für 2021 erwartet der International Monetary Fund (IMF) für Ruanda ein Wirtschaftswachstum von 5,1 Prozent. Die Regierung setzt auf die Stärkung der Exportwirtschaft und eine moderate industrielle Zukunft.

Hinweis

Die Partner des Wirtschaftsnetzwerks Afrika bieten deutschen Unternehmen Informationen zu den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie in Afrika.


Das Länderprofil wurde zuletzt im Juli 2021 aktualisiert.

Daten und Fakten Ruanda

Expertenstimme

Afrika-Experte Carsten Ehlers

Afrika-Experte Carsten Ehlers

In Ruanda ansässige Unternehmen bestätigen das vergleichsweise gute wirtschaftliche Umfeld, das von Dynamik, Transparenz und aktiver Unterstützung von Investoren seitens der staatlichen Stellen geprägt ist. Naturgegebene Nachteile wie die geringe Marktgröße und die abgelegene Binnenlage Ruandas werden damit ein Stück weit kompensiert.

Carsten Ehlers Korrespondent für Ostafrika bei Germany Trade & Invest

SWOT-Analyse

S

Strengths Stärken

  • Hohe Sicherheit im Vergleich zu anderen afrikanischen Metropolen
  • Investorenfreundliche Regierung bekämpft Korruption; für afrikanische Verhältnisse sicheres Investitionsumfeld
  • Gutes Standing bei internationalen Gebern; hohe Kapitalzuschüsse aus dem Ausland
  • Drehkreuz für innerafrikanischen Luftverkehr (RwandAir)
W

Weaknesses Schwächen

  • Geringe Marktgröße mit etwa 13 Millionen Einwohnern (2020)
  • Geringe Kaufkraft (Pro-Kopf-Einkommen für 2020: 820 US$ im Jahr)
  • Binnenlage schafft Abhängigkeit beim Seetransport von ausländischen Transportkorridoren und verteuert Handel
O

Opportunities Chancen

  • Bausektor bietet mittelfristig zahlreiche Chancen
  • Teilhabe an Infrastrukturprojekten
  • Zulieferung für die noch kleine, aber expandierende Konsumgüterindustrie (lokalen und regionaler Markt)


T

Threats Risiken

  • Risiko von Zahlungsverzögerungen bei öffentlichen Aufträgen
  • Unternehmen müssen bei Steuerprüfungen im Falle von Unklarheiten mit hohen Nachforderungen rechnen
  • Soziale und ethische Spannungen

Potenzialbranchen

Für Ruanda lassen sich folgende Kernbranchen identifizieren:

Energiewirtschaft

Ziel der Regierung ist es, nicht nur den eigenen Strombedarf bis 2024 vollkommen zu decken, sondern langfristig in Nachbarländer zu exportieren. Eine wichtige Rolle spielen netzunabhängige Lösungen und Wasserkraft. Der Energiesektor ist einer der Schwerpunktbereiche in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit Deutschlands mit Ruanda.

Bauwirtschaft

Pandemiebedingt sind private Aufträge im Bausektor rückläufig und schwächen die Branche. Für Aufschwung sorgen geberfinanzierte Infrastrukturprojekte in den Bereichen Transport, Energie, Wasser und Low-Cost-Housing. Die Auftragsvergabe gilt als transparent. Chinesische Firmen übernehmen zunehmend die Bauführung. Deutsche Unternehmen betreuen den Markt über Vertriebspartner in den Nachbarländern. 

Gesundheitswirtschaft

Aufgrund der Pandemie ist die Bedeutung des Gesundheitssektors gewachsen. Von staatlicher und privater Seite sind Investitionen zu erwarten. Ein Fokus liegt auf E-Health sowie auf der lokalen Produktion von Impfstoffen oder medizinischem Verbrauchsmaterial. Deutsche Unternehmen sind bereits als Zulieferer von Pharmazeutika und Medizintechnik beteiligt.

Landwirtschaft

Die Pandemie sorgte für hohe Preissteigerungen bei importierten Lebensmitteln. Um den Bedarf der wachsenden Bevölkerung zu decken, muss das Land seine Nahrungsmittelproduktion erhöhen. Digitale Lösungen und eine zunehmende Exportorientierung können dabei helfen. Die Regierung hofft auf ausländische Investoren in den Bereichen Zucker, Aquakultur, Speiseöl, Reis, Mais, Gemüse und Dünger.

Bergbau und Rohstoffe

Die Branche verzeichnete 2020 einen Einbruch bei der Produktion, hofft aber auf einen erneuten Aufschwung. Die Regierung will den Sektor für internationale Bergbaugesellschaften interessanter machen und mehr Mineralien vor Ort verarbeiten. Es werden vor allem Zinn, Coltan, Tantal und Wolfram abgebaut. Methangas vom Kivu-See wird für Treibstoff und für die Stromversorgung eingesetzt. 

Umwelt und Wasser

Der Staat investiert kräftig und will alle Haushalte des Landes mit Wasseranschlüssen versorgen. Bis 2022 sollen acht neue Wasseraufbereitungsanlagen gebaut werden. In Kigali soll in eine Regenwasserkanalisation investiert werden. Im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern gibt es viel privates Engagement. 

Der Branchencheck Ruanda enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Information


Ruanda ist eines von zwölf afrikanischen Ländern der G20-Initiative Compact with Africa (CwA). Ziel ist es, die Bedingungen für private Investitionen in den Teilnehmerländern zu verbessern.
 

Rechtliche Rahmenbedingungen 

Ruanda hat ein gemischtes Rechtssystem. Bis Mitte der 1990er Jahre war es überwiegend kontinentaleuropäisch geprägt. Dann entschied man sich, auf das Common Law System umzustellen, sodass es heute Gesetze mit dem Einfluss beider Rechtstraditionen gibt. Ausländische Investoren sind überwiegend inländischen Investoren gleichgestellt. Beschränkungen gibt es allerdings bei der Einstellung ausländischer Arbeitskräfte. Für die Gründung einer Gesellschaft stehen die aus dem Common Law bekannten Gesellschaftsformen zur Verfügung. Ausländische Gesellschaften können darüber hinaus eine Zweigniederlassung gründen.

Zoll- und Einfuhrbestimmungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Ruanda sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regeln zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Ruanda sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Projekte der öffentlichen Hand bereit. Aus geberfinanzierten Vorhaben resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

Einen Überblick über Geschäftschancen bei öffentlichen Aufträgen gibt Germany Trade & Invest (GTAI) im Bericht Entwicklungszusammenarbeit mit Ruanda. Bei GTAI finden Sie zudem aktuelle 

Unterstützung beim Markteinstieg in Ruanda

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWi-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Ruanda zu erleichtern.

Lebensmittelverarbeitung

Ruanda gehört zu den Zielländern des Projektes "Lebensmittelverarbeitung inkl. Kreislaufwirtschaft in Ostafrika" des Wirtschaftsnetzwerks Afrika.

Das Projekt umfasst verschiedene Module, u.a.

  • Eine umfassende Marktstudie 
  • Bis zu 40 Stunden kostenlose individuelle Beratung können Unternehmen im Rahmen des Projektes in Anspruch nehmen.
  • Digitale Informationsveranstaltung am 23.9.2021 
Symbolbild: Mann liest am Tablet

Marktstudie Ostafrika

Marktstudie zu Geschäftschancen in Äthiopien, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda für Unternehmen im Bereich Lebensmittelverarbeitung inklusive Kreislaufwirtschaft.

Gesundheitswirtschaft

Das BMWi-Markterschließungsprogramm hat 2020 eine Zielmarktanalyse zur Gesundheitswirtschaft in Ruanda und Tansania veröffentlicht.

Bauwirtschaft

Das BMWi-Markterschließungsprogramm hat 2019 eine Zielmarktanalyse zur Bauwirtschaft in Äthiopien und Ruanda veröffentlicht.

Zivile Sicherheit

Das BMWi-Markterschließungsprogramm hat 2020 eine Zielmarktanalyse zum Thema Zivile Sicherheit in Uganda und Ruanda veröffentlicht.

Energiewirtschaft

Das Kompetenzzentrum Energie und Umwelt der AHK Kenia informiert und unterstützt Unternehmen in der Region zu den Themen Bio- und Solarenergie, Energieeffizienz, Frischwasserversorgung, Abwasserbehandlung und Abfallmanagement.

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