Kleine Märkte, schlechte Infrastruktur, wenig brauchbare Informationen und noch nicht mal eine Auslandshandelskammer in der Nähe? So kann man es natürlich sehen mit Afrika – und es gleich bleiben lassen mit dem mühsamen Beackern neuer Märkte. Man kann es aber auch so machen wie GRS. Die Spanier haben noch nicht mal einen Fuß auf den Nachbarkontinent gesetzt, auch weil die Reisekasse der jungen Firma das kaum hergibt. Trotzdem bestellte bereits ein Kunde in Côte d'Ivoire eine erste Sendung der Walkie-Talkies, um die das Start-up aus Sevilla sein Geschäft bastelt. 

GRS bekam immer wieder Anfragen aus Afrika. "Die meisten Aktivitäten dort basieren gar nicht auf unserer Initiative", sagt Firmenchef Pedro Roldán. Hilfreich waren Kontakte über andere spanische Firmen, die sich mit geschicktem Marketing ausbauen ließen. 

Pedro Roldán, Geschäftsführer Global Radio System

Pedro Roldán, Geschäftsführer Global Radio System

Mit der Zeit wurde uns klar, dass Afrika für uns ein wichtiger Markt werden könnte und die Wachstumschance schlechthin. Wir finden, die europäischen Unternehmen sollten die Chancen vor der eigenen Haustür nutzen und nicht zum Beispiel den Asiaten überlassen.

Pedro Roldán GRS, Telekommunikationsanbieter aus Spanien 

Für Giovanni Ottati vom italienischen Telekomdienstleister VueTel, der sein Geld für sich und seine 25 Mitarbeiter fast ausschließlich in Afrika verdient, war dort nach Tunesien ausgerechnet Burkina Faso der erste Markt. Das kleine Land in der Sahel-Zone, das viele vor allem mit Armut, Trockenheit und zuletzt auch viel Gewalt in Verbindung bringen. Ottati kannte dort den Geschäftsführer des drittgrößten Netzbetreibers. Für ihn installierte er dann Satellitenschüsseln und Schalttechnik. Die eigentliche Arbeit erledigte ein einheimischer Ingenieur, den Ottati zunächst gar nicht bezahlen konnte. "Auf mein Risiko hin – ich investierte also alles und sie bezahlten mich später. Das war haarig, aber es funktionierte."

Europäische Firmen in Afrika sehen sich dabei nicht nur als Wettbewerber. "Wir helfen uns gegenseitig", sagt Olav Boenders von Wagagai. Mit gemeinsamen Aktionen habe man schon viel bei den Behörden erreicht, etwa in Fragen der Besteuerung. 

Deutsche Unternehmen können durchaus von den Erfahrungen ihrer Partner aus Europa profitieren und bestenfalls sogar mit ihnen zusammenarbeiten. Chancen bieten sich viele. Wer bereit ist, neue Wege zu gehen, kann diese erfolgreich nutzen.