Ruanda vermarktet sich als „Einstiegsmarkt" für ausländische Unternehmen in Afrika. In den vergangenen Jahren ist es der Regierung gelungen, das Land als interessanten Standort für Auslandsinvestitionen zu positionieren. Mit öffentlichkeitswirksamen Ansiedlungen, wie der geplanten Impfstofffabrik des deutschen Unternehmens BioNTech, macht das Land auf sich aufmerksam.

Der hügelige Binnenstaat ist stark landwirtschaftlich geprägt und von der Fläche her etwas kleiner als das Bundesland Brandenburg. Hauptexportgüter sind Tee und Kaffee. Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich viel in Ruanda getan; großer Reformwille und kräftiges Wirtschaftswachstum haben neue Geschäftszweige entstehen lassen. Mit Konferenzzentren, Hotels und der Fluglinie Rwandair positioniert sich die Hauptstadt Kigali immer mehr als afrikanischer Konferenz-Hub. Ein moderner Dienstleistungssektor in den Bereichen Handel, Banken, Gesundheit, Telekommunikation und Logistik entwickelt sich. Auch bemüht sich das Land um IT-Start-ups.

Zu den Wachstumsmotoren zählt der Bausektor. Mit finanzieller Unterstützung ausländischer Geber findet ein Großteil der Bauprojekte im Infrastrukturbereich statt. So werden die Stromversorgung, das Transportnetz und die Wasserversorgung im ganzen Land ausgebaut.

Standortvorteil neben einem guten Geschäftsumfeld ist die politische Stabilität. Jedoch führt Präsident Paul Kagame das Land repressiv und kann theoretisch bis 2034 weiterregieren.

Das Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2023 aktualisiert.

Ruanda ist eines von zwölf afrikanischen Ländern der G20-Initiative Compact with Africa (CwA). Ziel ist es, die Bedingungen für private Investitionen in den Teilnehmerländern zu verbessern.

Afrika-Experte Carsten Ehlers

Afrika-Experte Carsten Ehlers

In Ruanda ansässige Unternehmen bestätigen das vergleichsweise gute wirtschaftliche Umfeld, das von Dynamik, Transparenz und aktiver Unterstützung von Investoren seitens der staatlichen Stellen geprägt ist. Naturgegebene Nachteile wie die geringe Marktgröße und die abgelegene Binnenlage Ruandas werden damit ein Stück weit kompensiert.

Carsten Ehlers Korrespondent für Ostafrika bei Germany Trade & Invest

Daten und Fakten Ruanda

SWOT-Analyse

S

Strengths Stärken

  • Hohe Sicherheit im Vergleich zu anderen afrikanischen Metropolen; angenehmes Umfeld für Unternehmen
  • Investorenfreundliche Regierung bekämpft Korruption erfolgreich; für afrikanische Verhältnisse gutes Investitionsumfeld
  • Gutes Standing bei der internationalen Gebern; hohe Kapitalzuschüsse aus dem Ausland
  • Drehkreuz für innerafrikanischen Luftverkehr (RwandAir)
W

Weaknesses Schwächen

  • Geringe Marktgröße mit etwa 14,2 Mio. Einwohnern (2023)
  • Geringe Kaufkraft (Pro-Kopf-Einkommen für 2022: 913 US$ im Jahr)
  • Gestiegene Frachtkosten für importierte Waren
  • Gestiegene Frachtkosten für importierte Waren
  • Hohe Bevölkerungsdichte mit circa 533 Menschen pro Quadratkilometer (laut Weltbank); wenig Platz für größere Agrarprojekte

O

Opportunities Chancen

  • Stabiles, sicheres und kaum korruptes Einstiegsland für Afrika-unerfahrene Unternehmen, insbesondere im IT-Dienstleistungsbereich
  • Bausektor bietet Chancen für Zulieferung, Beratung und lokale Produktion von Baustoffen
  • Infrastrukturprojekte: Chancen für Zulieferung und Beratung für Projekte in den Bereichen Energie, Wasser und Transport sowie für die lokale Konsumgüterindustrie und die Landwirtschaft
  • Zulieferchancen in der Konsumgüterindustrie und Landwirtschaft
T

Threats Risiken

  • Latente soziale und ethische Spannungen
  • Unternehmen müssen bei Steuerprüfungen im Falle von Unklarheiten mit hohen Nachforderungen rechnen
  • Risiko von Zahlungsverzögerungen bei öffentlichen Aufträgen und derzeit auch bei privaten Kunden mit Liquiditätsengpässen

Potenzialbranchen

Energiewirtschaft

Ziel der Regierung ist es, nicht nur den eigenen Strombedarf bis 2024 vollkommen zu decken, sondern langfristig in Nachbarländer zu exportieren. Eine wichtige Rolle spielen netzunabhängige Lösungen und Wasserkraft. Der Energiesektor ist einer der Schwerpunktbereiche in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit Deutschlands mit Ruanda.

Bauwirtschaft

Nach pandemiebedingten Einbrüchen verzeichnet der Baubereich eine sehr gute Konjunktur. Für Aufschwung sorgen geberfinanzierte Infrastrukturprojekte in den Bereichen Transport, Energie, Wasser und Low-Cost-Housing. Die Auftragsvergabe gilt als transparent. Chinesische Firmen übernehmen zunehmend die Bauführung. Deutsche Unternehmen betreuen den Markt über Vertriebspartner in den Nachbarländern. 

Gesundheitswirtschaft

Aufgrund der Pandemie ist die Bedeutung des Gesundheitssektors gewachsen. So kündigte Pfizer/BioNTech an, im 2. Halbjahr eine Impfstoff-Produktionsstätte zu errichten. Ein weiterer Fokus liegt auf E-Health sowie auf der lokalen Produktion von Impfstoffen oder medizinischem Verbrauchsmaterial. Deutsche Unternehmen sind bereits als Zulieferer von Pharmazeutika und Medizintechnik beteiligt. 

Landwirtschaft

Die Pandemie sorgte für hohe Preissteigerungen bei importierten Lebensmitteln. Um den Bedarf der wachsenden Bevölkerung zu decken, muss das Land seine Nahrungsmittelproduktion erhöhen. Digitale Lösungen und eine zunehmende Exportorientierung können dabei helfen. Die Regierung hofft auf ausländische Investoren in den Bereichen Zucker, Aquakultur, Speiseöl, Reis, Mais, Gemüse und Dünger.

Bergbau und Rohstoffe

Die Branche verzeichnete 2020 einen Einbruch bei der Produktion, hofft aber auf einen erneuten Aufschwung. Die Regierung will den Sektor für internationale Bergbaugesellschaften interessanter machen und mehr Mineralien vor Ort verarbeiten. Es werden vor allem Zinn, Coltan, Tantal und Wolfram abgebaut. Methangas vom Kivu-See wird für Treibstoff und für die Stromversorgung eingesetzt. 

Umwelt und Wasser

Der Staat investiert kräftig und will alle Haushalte des Landes mit Wasseranschlüssen versorgen. Bis 2022 sollen acht neue Wasseraufbereitungsanlagen gebaut werden. In Kigali soll in eine Regenwasserkanalisation investiert werden. Im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern gibt es viel privates Engagement. 

Der Branchencheck Ruanda enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen 

Ruanda hat ein gemischtes Rechtssystem. Bis Mitte der 1990er Jahre war es überwiegend kontinentaleuropäisch geprägt. Dann entschied man sich, auf das Common Law System umzustellen, sodass es heute Gesetze mit dem Einfluss beider Rechtstraditionen gibt. Ausländische Investoren sind überwiegend inländischen Investoren gleichgestellt. Beschränkungen gibt es allerdings bei der Einstellung ausländischer Arbeitskräfte. Für die Gründung einer Gesellschaft stehen die aus dem Common Law bekannten Gesellschaftsformen zur Verfügung. Ausländische Gesellschaften können darüber hinaus eine Zweigniederlassung gründen.

Zoll- und Einfuhrbestimmungen

Arbeitsmarkt und Löhne

Das Kompetenzzentrum Berufsbildung (Skills Expert Projekt) der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika bietet deutschen und lokalen Unternehmen sowie Bildungsanbietern Informationen und Beratung rund um das Thema Berufsbildung.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Ruanda sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Projekte der öffentlichen Hand bereit. Aus geberfinanzierten Vorhaben resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

Einen Überblick über Geschäftschancen bei öffentlichen Aufträgen gibt Germany Trade & Invest (GTAI) im Bericht Entwicklungszusammenarbeit mit Ruanda. Bei GTAI finden Sie zudem aktuelle 

Unterstützung beim Markteinstieg in Ruanda

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWK-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Ruanda zu erleichtern.

Unabhängig von der Branche und vom Zielland können Unternehmen die "Beratungsgutscheine Afrika" in Anspruch nehmen. Das Förderprogramm des BMWK unterstützt den Markteinstieg deutscher KMU in Afrika mit bis zu 75 Prozent der Kosten für maximal 15 Beratertage. 

Lebensmittelverarbeitung

Ruanda gehörte zu den Zielländern des Projektes "Lebensmittelverarbeitung inkl. Kreislaufwirtschaft in Ostafrika" des Wirtschaftsnetzwerks Afrika. Im Rahmen dieses Projektes hat die Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika 2021 eine Marktstudie veröffentlicht.

Symbolbild: Mann liest am Tablet

Zielmarktanalyse Marktstudie Ostafrika

Marktstudie zu Geschäftschancen in Äthiopien, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda für Unternehmen im Bereich Lebensmittelverarbeitung inklusive Kreislaufwirtschaft.

Gesundheitswirtschaft

Das BMWK-Markterschließungsprogramm hat 2020 eine Zielmarktanalyse zur Gesundheitswirtschaft in Ruanda und Tansania veröffentlicht.

Bauwirtschaft

Das BMWK-Markterschließungsprogramm hat 2019 eine Zielmarktanalyse zur Bauwirtschaft in Äthiopien und Ruanda veröffentlicht.

Zivile Sicherheit

Das BMWK-Markterschließungsprogramm hat 2020 eine Zielmarktanalyse zum Thema Zivile Sicherheit in Uganda und Ruanda veröffentlicht.

Energiewirtschaft

Die Exportinitiative Energie hat 2020 zwei Zielmarktanalysen zur Energieversorgung und zum Strommarkt in Ruanda veröffentlicht: 

Das Kompetenzzentrum Energie, Umwelt und nachhaltiges Wirtschaften der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika berät Unternehmen vor Ort und bietet Marktinformationen.

Kontakte und weiterführende Links

Beratung für Ihr Ruanda-Geschäft

Ansprechpartner vor Ort

ahk-kenia

Kontakt Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika

Porträtfoto: Maren Diale-Schellschmidt

Kontakt Maren Diale-Schellschmidt

Delegierte Zur Website +254 20 663 3000

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Porträtfoto: Christian Engels

Kontakt Christian Engels

Geschäftsführer AHK Services Eastern Africa Ltd. Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika +254 20 6633 000

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Kontakt N. N.

Kompetenzzentrum Energie, Umwelt und Nachhaltiges Wirtschaften Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika

Porträtfoto: Michael Kleinbub

Kontakt Michael Kleinbub

Kontakt Deutsche Botschaft Kigali

Ruanda +250 280 57 52 22

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Weiterführende Informationen

Erfahrungsberichte von Unternehmen in Ruanda

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