Bergbau

Bergbau; Bergbaumaschinen

Kürzlich besuchte der Ostafrika-Korrespondent von Germany Trade & Invest, Carsten Ehlers, Eritrea. Das Land wird wegen seiner Abschottung auch als "Nordkorea Afrikas" bezeichnet und steht kaum im Fokus deutscher Unternehmen. Die deutschen Exporte in das Land beliefen sich 2025 auf lediglich 2,5 Millionen Euro.

Im Interview berichtet Ehlers von seinen Eindrücken vor Ort und skizziert, in welchen Nischen für deutsche Unternehmen dennoch Geschäftsmöglichkeiten bestehen.

Herr Ehlers, Sie waren sowohl in Asmara als auch in der Hafenstadt Massawa. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?

Carsten Ehlers, Korrespondent für Ostafrika, GTAI bundesfoto / Uwe Voelkner Carsten Ehlers, Korrespondent für Ostafrika, GTAI

Meine Erwartungen waren angesichts des häufig bemühten Vergleichs mit Nordkorea entsprechend gering. Dann war ich jedoch positiv überrascht: In Asmara fühlte ich mich sicher und konnte mich frei bewegen. Die Stadt ist sauber, das Leben auf den Straßen und in den Cafés wirkte lebendig. Sicherheitskräfte waren kaum spürbar präsent. Mein Eindruck war, dass sich die Bevölkerung ihre Lebensfreude trotz der politischen Restriktionen nicht nehmen lässt.

Wie haben Sie Ihre Ansprechpartner vor Ort erlebt?

Die Begegnungen mit den Menschen waren durchweg angenehm. Ob Taxifahrer, Hotelpersonal oder Gesprächspartner aus Politik und Wirtschaft ich habe sehr freundliche, offene und interessierte Menschen getroffen, vielfach auch fachlich versiert. Das hatte ich angesichts der internationalen Isolation Eritreas so nicht erwartet.

Das klingt insgesamt überraschend positiv.

Um dies einzuordnen: Die politische Situation in Eritrea ist sehr kritisch zu betrachten und während meines kurzen Besuchs habe ich auch nur einen kleinen Ausschnitt des Lebens gesehen. Viele Schattenseiten blieben mir sicher verborgen, da ich zu wirtschaftlichen Themen recherchiert habe. 

Was fiel Ihnen an negativen Punkten auf?

Die Isolation war aber durchaus spürbar etwa daran, dass ich keine lokale SIM-Karte kaufen konnte. Das WLAN im Hotel war sehr langsam, normales Arbeiten im Internet kaum möglich. Positiv betrachtet hatte das einen Nebeneffekt: Ich war nicht erreichbar und konnte mich ganz auf meine Termine konzentrieren.

Blicken wir auf die Wirtschaft: Gibt es aus Sicht deutscher Unternehmen interessante Ansatzpunkte?

Ja, auch wenn die Möglichkeiten insgesamt begrenzt sind. Besonders relevant ist der Bergbau. Mit Bisha, Zara Gold und Asmara Mining gibt es mehrere aktive Minen für Kupfer und Gold. Hinzu kommen soll Colluli Potash, eines der weltweit größten Kali-Vorkommen, für das Eritrea noch Investoren sucht. Allein die Beschaffungen für Asmara Mining dürften sich in den kommenden Jahren auf rund 500 Millionen US-Dollar belaufen.

Haben deutsche Anbieter von Bergbautechnik dort realistische Chancen?

Grundsätzlich ja. Zwar wurden die Abbaukonzessionen zuletzt überwiegend von chinesischen Unternehmen übernommen, doch der eritreische Staat hält über die Enamco mindestens 40 Prozent der Anteile und ist in Management- und Beschaffungsentscheidungen eingebunden. 

Alle Minenmanager und ein Großteil der Ingenieure stammen aus klassischen Bergbauländern wie Südafrika oder Ghana. Entsprechend hoch ist der Anspruch an Qualität. Beschafft werden Geräte und Anlagen von Caterpillar und Sandvik. Zudem zeigt die Regierung großes Interesse an hochwertiger Umwelttechnik für den Bergbau. Die Beschaffung läuft über das staatliche Monopolunternehmen Red Sea Trading Corporation.

Welche weiteren Bereiche könnten interessant sein?

Infrastrukturprojekte spielen ebenfalls eine Rolle. In Massawa habe ich mit dem Hafendirektor gesprochen. Dort sind bereits Verladekräne von Gottwald und Liebherr im Einsatz. Der wachsende Bergbau erhöht den Druck, den Hafen für den Export der Mineralien auszubauen. Entsprechend wird es dort weiteren Beschaffungsbedarf geben.

Wie steht es um die Energieversorgung? Strom gilt als knapp.

Kurz vor der Inbetriebnahme steht das Dekemhare Solarprojekt mit einer Kapazität von 34 Megawatt. Beteiligt ist der deutsche Ingenieurconsultant Fichtner, unter anderem mit der Bauaufsicht für den chinesischen Auftragnehmer. Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) hat das Projekt mit 58 Millionen US-Dollar gefördert. Sollte es erfolgreich sein, sind elf weitere Projekte dieser Art geplant. Solche Projekte kommen nicht allzu häufig vor, eröffnen aber Chancen insbesondere wenn große Geber involviert sind.

Wie sollten deutsche Unternehmen den Markt angehen?

Ich möchte den eritreischen Markt nicht größer machen als er ist. Wer jedoch ohnehin in Ostafrika aktiv ist, kann den Markt zumindest im Blick behalten – ergänzend zu Kerngeschäften in Kenia, Tansania oder Äthiopien. 

Kleine Märkte werden oft übersehen, obwohl sich dort punktuell Chancen ergeben können. Wichtig ist dabei der Blick auf die weiterhin bestehenden US-Sanktionen. Dabei erschwert weniger die Rechtslage selbst als vielmehr eine verbreitete Overcompliance die Praxis – getrieben von Informationsdefiziten und der Angst vor Sekundärsanktionen.

Welche Kontakte vor Ort sind aus Ihrer Sicht empfehlenswert?

Deutsche Akteure sind in Eritrea kaum präsent. Ein erster und sehr sinnvoller Ansprechpartner ist die kleine deutsche Botschaft. Darüber hinaus kann der Kontakt zur eritreischen Diaspora in Deutschland hilfreich sein. 

In Asmara leben viele Rückkehrer mit Deutschlandbezug, die gut ausgebildet sind. Ein guter Anlaufpunkt ist das Eritro-German Centre im Stadtzentrum. Dort lassen sich Kontakte knüpfen und auch Büroflächen anmieten. Bei meinem Besuch wirkte das Zentrum wie eine Mischung aus Goethe-Institut und Auslandshandelskammer.

Das Interview führte Samira Akrach von Germany Trade & Invest im März 2026.

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