Westafrika bietet im Infrastrukturbereich großes Marktpotenzial. Wir haben im März 2026 mit Sener Ucar von Gauff Engineering darüber gesprochen, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Markterschließung notwendig sind und warum technische Kompetenz allein nicht genügt.

Schulung ivorischer Pioniere im ländlichen Erdstraßenbau in Côte d`Ivoire

Herr Ucar, Gauff ist in Afrika fast schon Tradition.

Unsere Geschichte in Afrika reicht weit zurück: Bereits 1965 ging unser Firmengründer Helmut P. Gauff für ein Entwicklungsprojekt nach Gabun. Dort entdeckte er sein Herz für den afrikanischen Kontinent und dessen Menschen. Aus dieser Begeisterung heraus entwickelten sich seine vielseitigen geschäftlichen Aktivitäten in Afrika, die 1988 in der Gründung der heutigen GAUFF Engineering mündeten. Daher ist der Name „Gauff“ im Bereich der Infrastrukturprojekte seit Jahrzehnten eine bekannte Größe auf dem afrikanischen Kontinent.

Eine Besonderheit ist, dass wir Finanzierungsexperten haben, die unseren Kunden von der Vorstrukturierung über die Einholung von Finanzierungsangeboten bis hin zur Antragstellung beratend zur Seite stehen. Dadurch können wir bei Bedarf eine maßgeschneiderte Finanzierung entsprechend den Bedürfnissen des Kunden vermitteln, was einen klaren Wettbewerbsvorteil darstellt.

Sener Ucar (Dipl.-Ing.) war Niederlassungs- und Projektleiter der GAUFF Engineering GmbH & Co. KG in Abidjan, Côte d’Ivoire. Er trägt die Gesamtverantwortung für Ergebnis, Budget, Akquisition und Qualitätsmanagement, entwickelt Standorte und Märkte strategisch weiter und führt interdisziplinäre sowie mehrsprachige Teams über Länder- und Kulturgrenzen hinweg.

Wie bewerten Sie den Ansatz, sich auf Ausschreibungen zu konzentrieren?

Das ist selbstverständlich ebenfalls ein Weg. Allerdings sind der Wettbewerb und der Preisdruck in diesem Bereich deutlich höher. Für deutsche Unternehmen macht dies häufig die Einbindung von Ingenieurdienstleistern aus kostengünstigeren Ländern erforderlich. 

Liegt der hohe Wettbewerbsdruck vor allem daran, dass Ausschreibungen stark über den Preis entschieden werden?

Bei Ausschreibungen gibt es immer einen gewissen Preisdruck. Es fließen aber auch technische Anforderungen ein, die deutlich stärker gewichtet werden als das finanzielle Angebot. Mit unseren Referenzen, unserer Erfahrung und unserem Netzwerk an afrikanischen Experten haben wir hier trotz teilweise höherer Preise häufig einen Wettbewerbsvorteil gegenüber unseren Mitbewerbern.

„Für nachhaltigen Geschäftserfolg sind belastbare Kontakte, Vertrauen und eine gute Vernetzung unerlässlich.“

Kann man Infrastrukturprojekte in Westafrika überhaupt erfolgreich umsetzen, ohne lokale Netzwerke zu haben?

Wenn sich ein Ingenieurbüro aus Deutschland heraus auf eine Ausschreibung in Afrika bewirbt – ohne Vernetzung und ohne Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten –, wird es naturgemäß Schwierigkeiten haben. Die lokalen Experten, die dringend benötigt werden, kann man nicht einfach über LinkedIn rekrutieren. 

Welche Chancen sehen Sie derzeit für deutsche Ingenieur- und Infrastrukturunternehmen in Afrika?

Insbesondere im Bereich der grundlegenden Versorgungs- und Transportinfrastrukturen gibt es enormes Potenzial.

"Viele afrikanische Staaten investieren derzeit massiv in ihre Infrastruktur, wodurch sich erhebliche Marktchancen ergeben." 

Kommen wir zu Côte d'Ivoire. Wie bewerten Sie das Geschäftsumfeld?

Bürokratische Hürden gehören zum Geschäftsalltag, sind aus unserer Sicht aber beherrschbar. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass der ivorische Staat seinen finanziellen Verpflichtungen als Auftraggeber zuverlässig nachkommt. Gemessen an den vorhandenen Geschäftschancen sind deutsche Unternehmen jedoch weiterhin unterrepräsentiert.

Viele deutsche Unternehmen setzen auf ihre technische Kompetenz. Reicht das für den Erfolg in Afrika aus?

Zu eng gefasste Konzepte aufgrund hoher Spezialisierung sind dabei nicht immer von Vorteil. Vielmehr sollte man bereit sein, Gesamtpakete zu schnüren, wenn nötig gemeinsam mit Partnern.

Was raten Sie Unternehmen, die erstmals in Westafrika aktiv werden wollen?

Sener Ucar Sener Ucar Sener Ucar

Es braucht vor allem Geduld und interkulturelle Kompetenzen. Es reicht nicht aus, wichtige Personen getroffen zu haben, die einem etwas versprechen. Zusagen können auch Ausdruck eines grundsätzlichen Wohlwollens sein. Für Westafrika sind darüber hinaus Französischkenntnisse entscheidend. Wer neu auf den afrikanischen Markt kommen möchte, kann über die AHK erste Kontakte knüpfen und an Delegationsreisen teilnehmen.

Welche Rolle spielen lokale Fachkräfte und interkulturelle Kompetenzen für den Geschäftserfolg?

"Die Einbindung lokaler Fachkräfte und interkultureller Kompetenzen ist zentral." 

Der Aufbau eines interkulturell aufgestellten Teams ist dabei gar nicht so einfach. Es geht darum, Menschen zu finden. Es geht darum, Menschen zu finden, die nicht nur die lokale Perspektive verstehen, sondern auch mit der deutschen Seite effektiv kommunizieren können. 

Hat „Made in Germany“ in Westafrika noch dieselbe Bedeutung wie früher? 

„Made in Germany“ ist nach wie vor stark gefragt. Deutsche Unternehmen mit ihren Produkten und Dienstleistungen sind – das bekomme ich in meinen Gesprächen immer wieder mit – in Westafrika äußerst willkommen. 

Worauf kommt es bei Infrastrukturprojekten, die überwiegend von staatlicher Seite gesteuert werden, besonders an?

"Wir machen schon bei der Akquise unserer Projekte deutlich, dass wir uns langfristig im Land engagieren wollen." 

Die Ausbildung von lokalen Fachkräften ist dabei stets eine zentrale Komponente unserer Vorhaben. So unterstützen wir die sozioökonomische Entwicklung weit über das eigentliche Projekt hinaus.

Was heißt das konkret?

Ich kann Ihnen ein Beispiel nennen: Für das ivorische Militär haben wir zunächst Pioniereinheiten im Straßenbau ausgebildet. Diese sind nun in der Lage, Erdstraßen in entlegenen Gebieten zu errichten, in denen private Unternehmen häufig nicht tätig werden. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung und wirtschaftlichen Entwicklung dieser Regionen. Gleichzeitig haben wir Straßenmeistereien errichtet und diese mit Baumaschinen und Fuhrparks ausgestattet. Mit solchen Projekten haben wir uns bei der Regierung und der Bevölkerung einen guten Ruf erarbeitet.

Wie wichtig ist es für Gauff, dass deutsche Unternehmen hier stärker präsent sind?

Das ist für uns sehr wichtig. Die französischen Unternehmen in Westafrika zeigen uns, dass eine gewisse kritische Masse an Unternehmen vor Ort das Geschäft erheblich erleichtert. 

Das Interview führte Fausi Najjar von Germany Trade & Invest im März 2026.

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