Optimierte Prozesse und Transparenz - Wie Phy2Trace mit Blockchain-Technologie die Wertschöpfung kenianischer Landwirtschaftsbetriebe verbessert

Die deutsche Firma Phy2Trace hat sich auf digitale Lösungen in landwirtschaftlichen und nahrungsmittelverarbeitenden Wertschöpfungsketten spezialisiert, basierend auf Blockchain-Technologie. TenSenses ist ein kenianisches Fair Trade-Unternehmen, das ein Netzwerk von über 3.000 Macadamia-Landwirtinnen und -Landwirten mit Produkten für den internationalen Export managt.

Wirtschaft für Entwicklung Ostafrika

Im November 2018 erhielt Phy2Trace-Gründerin Mateja Dermastia eine Anfrage der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH: TenSenses benötige eine Digitalisierungslösung zum transparenten Management seiner Produkte und Prozesse. Einige Tage später saß die Unternehmerin im Flieger nach Nairobi, um Mentorin in dem Projekt „Perspektiven schaffen: Wirtschaft für Entwicklung (Ostafrika)“ zu werden. Die GIZ setzt das Projekt zusammen mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und lokalen Partnern im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) um.

Frau Dermastia, Sie waren schnell überzeugt, Mentorin für TenSenses in Kenia zu werden. Woran lag das?

Mateja Dermastia, Mitgründerin Phy2Trace

Ich arbeite seit 15 Jahren in verschiedenen Ländern Afrikas. Unser Ziel ist es, Innovationen in der Landwirtschaft voranzutreiben – durch moderne Tools und digitale Lösungen. Insbesondere Ostafrika ist weltweit führend in der digitalen Transformation der Landwirtschaft. TenSenses war der perfekte Partner für uns. Das Unternehmen ist auf Fair Trade und Bio-Produkte spezialisiert und arbeitet mit kleinbäuerlichen Betrieben zusammen, das war mir wichtig.

Der Markt für Fair Trade in Afrika wird immer größer – und die Waren sind nicht nur für den Export bestimmt, sondern werden auch vor Ort immer beliebter. Was Fair Trade-Produkte als Wertschöpfungskette auszeichnet: Die Gewinnmarge ist wesentlich größer – sowohl für die Bäuerinnen und Bauern als auch für die Händler.

Mit TenSenses hat die GIZ uns genau den richtigen Partner zur richtigen Zeit vermittelt. Wenn man so etwas alleine aufbauen will, kann es oft Jahre dauern – ein ständiges Trial and Error. Passt das Unternehmen zu uns? Ist die Ware zertifiziert? Wie ist die Qualitätssicherung? Durch die Partnerschaft mit der Entwicklungszusammenarbeit konnten wir dieses Risiko eliminieren.

Was ist das Ziel Ihres Unternehmens?

Unser Ziel mit Phy2Trace ist Qualitätssicherung, absolute Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Produkte für die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie optimierte Prozesse für die landwirtschaftlichen Betriebe und Händler herzustellen. Die bewusste Kundschaft will ein qualitativ hochwertiges Produkt kaufen und ganz genau wissen, woher die Ware kommt. Das können wir mit moderner digitaler Technologie bestimmen, und von dieser Transparenz profitieren auch die Erzeuger.

Eine weitere Herausforderung beim Handel mit Fair Trade-Produkten: Zertifizierungsprozesse sind unheimlich langwierig und teuer und können langfristig durch digitale Lösungen überflüssig gemacht werden. Durch die Zertifizierung heute geht ein großer Teil der Gewinnmarge verloren. Auch diese Prozesse wollen wir digital optimieren, sodass ein höheres Einkommen bei den Kleinbäuerinnen und -Bauern verbleibt.

Und warum funktioniert das gerade in Ostafrika so gut?

Die Menschen sind unheimlich gut vernetzt: Über 33 Millionen Beschäftige in der Landwirtschaft haben Zugriff auf digitale Lösungen. Beinahe jeder hat ein Smartphone nutzt es, um Informationen zur Saat und Ernte einzuholen, zu bezahlen etc.. Das gibt es so in Europa nicht!

Der Stereotyp, dass Afrika arm sei, kursiert noch immer. Das möchten wir aus der Welt schaffen: Der afrikanische Kontinent ist nicht arm – ganz im Gegenteil: Hier gibt es einen unheimlichen Reichtum und große Chancen.

Das Interview fand im November 2019 statt. 


Logobanner Phy2Trace, BMZ und GIZ

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