Kenia bleibt die treibende ökonomische Kraft in Ostafrika und ist politisch bedeutend für die Stabilität in der Region. Wegen der Corona-Pandemie musste die Regierung neue Kredite aufnehmen. Das dürfte den Spielraum für staatliche Investitionen in die Infrastruktur weiter einengen.

Entscheidend wird sein, wie viel Geld die internationale Gebergemeinschaft noch bereitstellen wird. Die Bereiche Energie, Wasser/Abwasser und Transport dürften auch in Zukunft mit Zuschüssen rechnen. Vermutlich werden die Geber außerdem der besseren Ausstattung der Gesundheitswirtschaft mehr Aufmerksamkeit schenken. Auch der IT-Sektor dürfte profitieren - Unternehmen investieren verstärkt in Bandbreiten und IT-basierte Dienstleistungen.

Das Länderprofil wurde zuletzt im September 2022 aktualisiert.

Kenia ist der wirtschaftliche Hub in der East African Community (EAC) und für die meisten deutschen Unternehmen der Einstieg in die Region Ostafrika. Wir erleben in den letzten Jahren deutlich steigendes Interesse aus Deutschland an einer Präsenz vor Ort. Nicht verwunderlich, denn Ostafrika ist die wichtigste Wachstumsregion auf dem Kontinent. Kenia bietet weitgehende wirtschaftliche Freiheiten beim unternehmerischen Engagement. Dies ist auch auf Dauer so zu erwarten, denn Kenia bekennt sich zu einer liberalen Wirtschaftspolitik.

Maren Diale-Schellschmidt Delegierte der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika

Daten und Fakten Kenia

SWOT-Analyse

S

Strengths Stärken

  • Größte und am stärksten diversifizierte Wirtschaft auf dem Kontinent
  • Großer Binnenmarkt mit rund 56 Millionen Menschen 
  • Nairobi und Mombasa als regionale Drehscheiben
  • Fluggesellschaft Kenya Airways fliegt viele Ziele in Afrika an und macht Nairobi als Sitz für Afrika-Niederlassungen attraktiv


W

Weaknesses Schwächen

  • Pandemiebedingt mäßige Konjunktur
  • In vielen Bereichen schlechte Investitionsbedingungen
  • Probleme bei der Finanzierung: Dem Privatsektor fehlt Kapital, der Staat ist hoch verschuldet
O

Opportunities Chancen

  • Teilhabe an Bau- und Infrastrukturprojekten mit Geberfinanzierung
  • Zuliefer- und Beratungschancen für die Bereiche Energie, Wasser, Abfall, Gesundheit
  • Zulieferung für bereit gefächerte Konsumgüterindustrie und die Landwirtschaft
T

Threats Risiken

  • Neue Regierungsbildung  2022 beeinträchtigt Planbarkeit von Investitionen
  • Risiko von Zahlungsverzögerungen bei Geschäften mit dem Staat

Potenzialbranchen

Energiewirtschaft

In Kenia dominieren erneuerbare Energien den Strommarkt. Vor allem die Nachfrage nach eigenen Lösungen ist hoch. Zahlreiche Großabnehmer von Strom, wie Fabriken und Flughäfen, versorgen sich inzwischen über dezentrale Solaranlagen.

Internationale Geber, darunter auch Deutschland, fördern den Ausbau des Stromnetzes. Ebenfalls unterstützt werden der Neu- und Ausbau von Geothermiekraftwerken und Windparks. 

Bauwirtschaft

Es stehen diverse umfangreichere Infrastrukturmaßnahmen an. Auch bei privaten Bauprojekten könnte es nach einer konjunkturbedingten Flaute wieder zu mehr Dynamik kommen. Chancen für deutsche Unternehmen bestehen insbesondere bei beratenden Dienstleistungen oder dem Zuliefern von Komponenten.

Landwirtschaft

In Kenia wächst der Bedarf an Nahrungsmitteln rasant und bietet Potenzial für Agroinvestoren, zum Beispiel beim Anbau von Getreide sowie in der Milch- und Viehwirtschaft. Gutes Geschäft verzeichnen Farmen, die für den Export Schnittblumen züchten oder Tee, Kaffee und Früchte wie Avocados anbauen. 

Gesundheitswirtschaft

Trotz pandemiebedingt mäßiger Konjunkturaussichten gehen Experten für das Jahr 2022 von weiterem Wachstum im Gesundheitssektor aus. Bei den Investitionen dürften Einrichtungen für die Behandlung chronischer Krankheiten, Diagnostikzentren sowie die lokale Produktion medizinischer Verbrauchsgüter im Mittelpunkt stehen. Auch deutsche Zulieferer planen in Kenia zu produzieren oder haben bereits damit begonnen, zum Beispiel B. Braun, Otto Bock und Merck.

Umwelt und Wasser

Es gibt umfangreiche Investitionen in die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Die größeren Projekte werden fast alle von Gebern finanziert. Die Technik für die Wasserprojekte wird meist aus dem Ausland importiert. Deutsche Unternehmen, wie Fichtner, Jos Hansen (KSB) und Wilo sind in Kenias Wassersektor aktiv. Gute Geschäftschancen bestehen als Berater, Lieferanten und als Unterauftragnehmer bei technisch komplizierten Installationen. 

Dringend sind Lösungen auch bei der Abfallentsorgung. In Nairobi soll eine Waste-to-Energy-Anlage gebaut werden. Recycling spielt eine zunehmende Rolle.

IT und Telekommunikation

Die Digitalisierung in Kenia wird durch die Pandemie weiter beschleunigt. Nairobi gilt als einer der dynamischsten IT-Standorte Afrikas mit zahlreichen interessanten Start-up-Unternehmen.  Die Betreiber von Mobilfunknetzen, wie Safaricom und Airtel, verbessern die Infrastruktur und bauen die 5G-Netze aus. Der Markt ist zudem attraktiv für Investitionen in Rechenzentren oder für Anbieter IT-basierter Dienstleistungen. 

Der Branchencheck-Kenia enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtlicher Rahmen, Gründen, Investieren

Zoll- und Einfuhrregelungen

Arbeitsmarkt und Löhne

In Kenia sind schätzungsweise 5,3 Prozent der Bevölkerung in einem ordentlichen Beschäftigungsverhältnis. Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern konkurrieren Firmen und zahlreiche Headhunter um wenige hoch qualifizierte Arbeitskräfte, die sich ihren Arbeitgeber aussuchen können. Der Abschluss von Renten- und Krankenversicherungen ist nicht verpflichtend. Dennoch sind eine gute Altersvorsorge und medizinische Zusatzleistungen wichtig, um gute Arbeitskräfte zu rekrutieren und zu binden. Arbeitnehmerrechte und die Arbeit von Gewerkschaften sind in Kenia eingeschränkt.

Einen detaillierten Überblick über die Lage am Arbeitsmarkt, Löhne und den arbeitsrechtlichen Rahmen in Kenia gibt die GTAI-Publikation Lohn- und Lohnnebenkosten Kenia

Die Qualifizierung junger Fachkräfte, die sich am Bedarf der kenianischen Wirtschaft ausrichtet, ist eine der großen Herausforderungen des Landes. iMOVE: Training – Made in Germany bietet Informationen zum kenianischen Markt der Aus- und Weiterbildung und Chancen, die sich für deutsche Bildungsanbieter ergeben.

Das Kompetenzzentrum Berufsbildung (Skills Expert Projekt) der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika bietet deutschen und lokalen Unternehmen sowie Bildungsanbietern Informationen und Beratung rund um das Thema Berufsbildung.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Kenia sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereit. Aus diesen geberfinanzierten Projekten resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

Einen Überblick über Geschäftschancen bei öffentlichen Aufträgen gibt Germany Trade & Invest (GTAI) im Bericht Entwicklungszusammenarbeit mit Kenia. Bei GTAI finden Sie zudem aktuelle 

Unterstützung beim Markteinstieg in Kenia

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWK-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Kenia zu erleichtern.

Unabhängig von der Branche und vom Zielland können Unternehmen die "Beratungsgutscheine Afrika" in Anspruch nehmen. Das Förderprogramm des BMWK unterstützt den Markteinstieg deutscher KMU in Afrika mit bis zu 75 Prozent der Kosten für maximal 15 Beratertage. 

Lebensmittelverarbeitung

Kenia gehörte zu den Zielländern des Projektes "Lebensmittelverarbeitung inkl. Kreislaufwirtschaft in Ostafrika" des Wirtschaftsnetzwerks Afrika. Im Rahmen dieses Projektes hat die Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika 2021 eine Marktstudie veröffentlicht.

Symbolbild: Mann liest am Tablet

Download Marktstudie Ostafrika

Marktstudie zu Geschäftschancen in Äthiopien, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda für Unternehmen im Bereich Lebensmittelverarbeitung inklusive Kreislaufwirtschaft.

 

Umwelt und Wasser

Im Rahmen des BMWK-Markterschließungsprogramms hat die Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika 2021 eine Leistungsschau zum Thema Wasser und Abwasser in Kenia durchgeführt und dazu eine Zielmarktanalyse veröffentlicht.

Energiewirtschaft

Die Exportinitiative Energie hat fünf Zielmarktanalysen zur Energieerzeugung in Kenia veröffentlicht: 

Das Kompetenzzentrum Energie, Umwelt und nachhaltiges Wirtschaften der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika berät Unternehmen vor Ort und bietet Marktinformationen.

Erfahrungsberichte von Unternehmen in Kenia

Welche Erfahrungen haben Unternehmen in Kenia gemacht? Was berichten Experten über den Markteinstieg? Wo sehen sie besonders gute Chancen? Wie gehen sie mit Herausforderungen vor Ort um?

Afrikanische Frau im Beratungsgespräch mit zwei Männern.

Gründen: Wie findet man die richtigen Partner vor Ort?

German Imaging Technologies recyceln Tonerkartuschen. Mit den richtigen Kontakten schaffte das Unternehmen aus Dubai 2016 den erfolgreichen Markteinstieg in Nairobi.

GIT Fertigung in Dubai

Kreislaufwirtschaft: Wiederaufbereitete Tonerkartuschen für Kenia

German Imaging Technologies machen in Kenia gute Umsätze mit wiederaufbereiteten Laserkartuschen. Sie bedienen einen Nischenmarkt, in dem es bislang kaum Konkurrenz gibt.

Anlage zur Wiederaufbereitung organischer Abfälle in Daressalam, Tansania

Recycling: Per Ausschreibung in den ostafrikanischen Abfallsektor

Moderne Lösungen für den afrikanischen Abfallsektor bietet das Ingenieurbüro Dr. Kölsch Geo- und Umwelttechnik an. Viel läuft über Ausschreibungen der Entwicklungszusammenarbeit.

Zwei Geschäftsleute diskutieren in einem Büro

Vor-Ort-Kompetenz in Ostafrika: Exporte absichern und finanzieren

Eva Rösler leitet in Nairobi das Kompetenzzentrum für Exportfinanzierung. Sie beschreibt ihre Aufgabe als Brücke zwischen deutschen Exporteuren und afrikanischen Kunden.

Hafen von Lome, Togo, Afrika.

Mission machbar: Handel in Ostafrika ist inzwischen einfacher

Logistik ist in Afrika einfacher geworden. Allerdings gibt es auf dem Kontinent große Unterschiede. Das sagt Josef Lenherr von der Fracht AG.

Ausbildung in einem Mühlwerk

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Produktionsmitarbeiterin von Limbua in Kenia

Vertrauen und Respekt: Limbuas Zutaten für eine gute Ernte

Gemeinsam mit 5.000 kenianischen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern produziert und verkauft Limbua Bio-Macadamia-Nüsse in alle Welt.

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