Ägypten bietet eine große Vielfalt an frischem Obst und Gemüse für den europäischen Markt. Der Hamburger Importeur Interweichert hat langjährige Erfahrungen mit Lieferanten in Ägypten gesammelt. Im Interview berichtet Enrique Nebot, worauf es dabei ankommt und warum Ägypten ein interessantes Lieferland ist.

Qualität und Logistik von Obst und Gemüse aus Ägypten überzeugen

Herr Nebot, warum kauft Interweichert als internationaler Fruchtimporteur in Ägypten ein?

Interweichert arbeitet bereits sehr lange mit Produzenten vom afrikanischen Kontinent zusammen. Bereits in den 70er Jahren haben wir unter anderem aus Kenia und Ägypten frisches Obst und Gemüse importiert. Bananen und Ananas sind unsere Hauptprodukte, aber seit Jahren erweitern wir regelmäßig unser Angebot, und Ägypten gehört zu unseren bevorzugten Lieferländern. Wir haben bereits grüne Bohnen, Zuckererbsen, Mangos und vieles mehr aus Ägypten in unser Sortiment aufgenommen. Aktuell sind es vor allem Süßkartoffeln.

Das ausschlaggebende Argument für uns ist die Qualität der Produkte und die reibungslose Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Die geographische Lage und das Klima Ägyptens schaffen gute Rahmenbedingungen für den Handel. Das heißt konkret: Ägypten bietet eine große Vielfalt an Agrarprodukten, und die räumliche Nähe des nordafrikanischen Landes zu Europa und eine gut funktionierende Logistik vereinfachen den Import ägyptischer Produkte.

Was schätzen Sie an Ihren ägyptischen Handelspartnern?

Wie gesagt, die Qualität muss stimmen. Mit unserem Partner für Süßkartoffeln in Ägypten, ITC, arbeiten wir seit 2019 zusammen. Wir haben ITC auf der internationalen Fachmesse „Fruit Logistica“ in Berlin kennengelernt. Den Kontakt hat das Import Promotion Desk vermittelt, eine Initiative zur Importförderung, die Unternehmen beim Sourcing in Entwicklungs- und Schwellenländern unterstützt.

ITC hat die Produktqualität kontinuierlich verbessert, in moderne Reiferäume und Lagermöglichkeiten investiert und sich sehr gezielt an Qualitätsstandards orientiert. Wir haben das gleiche Verständnis von Qualität. Das ist die Grundlage für eine nachhaltige Zusammenarbeit.

Ägypten ist besser als sein Ruf. Was sagen Sie zu dem Vorwurf geringer Produktqualität? 

Selbstverständlich gibt es Exporteure – aber nicht nur in Ägypten – die bei der Weiterverarbeitung und Verpackung zu wenig auf Qualität achten, „alles“ verpacken, was in die Kategorie passt. Das Unternehmen ITC ist dagegen ein gutes Beispiel, dass es auch anders geht. Auch ITC setzt noch sehr viel auf Handarbeit, wie viele ägyptische Unternehmen, und selektioniert per Hand, aber die Qualität überzeugt. 

Früher haben wir viel Pionierarbeit geleistet und kleinen und mittelständischen Unternehmen unter die Arme gegriffen. Das schaffen wir heute nicht mehr. Die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit ist eine gewisse Professionalität unserer Partner. Hier hilft die Vorauswahl des Import Promotion Desk und die Prüfung auf Kriterien wie Produktqualität, Exportfähigkeit und -kapazität. 

Welche Bedeutung haben Zertifizierungen beim Import und bei der Vermarktung ägyptischer Produkte auf dem europäischen Markt?

Zertifizierungen sind eine regulative Notwendigkeit geworden, die der Handel einfordert beziehungsweise weiterentwickelt. Der Flut an Zertifizierungen stehe ich jedoch auch etwas kritisch gegenüber, da sich für kleine und mittelständische Erzeuger mit überwiegend saisonalen kleinen Mengen der finanzielle Aufwand kaum lohnt. Meist sind sie eine weitere Hürde beim Import aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Bei aller Skepsis schaffen viele Zertifizierungen aber natürlich auch Anreize, die Produktion zu optimieren, sie fairer und nachhaltiger zu gestalten.

Welche drei Tipps würden Sie deutschen Unternehmen geben, die mit ägyptischen Unternehmen zusammenarbeiten wollen?

Ägypten bietet insbesondere für Importeure von frischem Obst und Gemüse große Chancen, aber Unternehmen sollten Zeit für die neue Kooperation einplanen und viel Geduld und einen langen Atem haben. Auf jeden Fall sollten sich Interessierte selbst ein Bild machen und sich vor Ort das Unternehmen, zum Beispiel die Packstation, im Regelbetrieb anschauen. Zu guter Letzt sollten Unternehmen bei der Logistik jeweils die beste Option für die Produkte – das ist nicht immer die günstigste – auswählen. Dann kann die Kooperation für beide Seiten zum Erfolg werden.

Das Interview fand im April 2021 statt.

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