Ägypten hat mit mehr als 100 Millionen Einwohnern einen großen Binnenmarkt - dessen Kaufkraft allerdings begrenzt ist. Die industrielle Basis ist relativ breit aufgestellt. Dadurch etabliert sich Ägypten zunehmend als Tor für Exporte in andere afrikanische Länder.  

Zum Wirtschaftswachstum tragen der Öl- und Gassektor sowie öffentliche Infrastrukturprojekte bei. Ägypten baut nicht nur die wirtschaftlichen Verbindungen zu seinen Nachbarn aus, sondern auch die Verkehrswege. Ein Boom in der Digitalisierung und gut ausgebildete Arbeitskräfte sorgen für weitere Dynamik.

Ägypten ist eines von zwölf afrikanischen Ländern der G20-Initiative Compact with Africa (CwA). Ziel ist es, die Bedingungen für private Investitionen in den Teilnehmerländern zu verbessern.

Das Länderprofil wurde zuletzt im Januar 2022 aktualisiert.

Daten und Fakten Ägypten

Expertenstimme

Porträtfoto: Jan Nöther

Jan Nöther

Ägypten führt seine „Gateway to Africa“-Strategie erfolgreich fort. Das Land überzeugt weiterhin mit Wachstumsraten. Diese sind vor dem Hintergrund der demografischen Herausforderungen auch notwendig: Die 100 Millionen Einwohner brauchen eine solide Zukunftsperspektive. Industrielle Lohnfertigung in der Nachbarschaft zu Europa bietet nach wie vor Potenziale. Gleichzeitig werden Themen wie Digitalisierung, Mega-City oder „ICT-Africa-Backoffice“ immer bedeutender.

Jan Nöther Geschäftsführer der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer (AHK)

SWOT-Analyse

S

Strengths Stärken

  • Großer Binnenmarkt
  • Geografisch günstige Lage
  • Große Erdgasvorkommen
  • Im regionalen Vergleich diversifizierte Wirtschaft
  • Wettbewerbsfähige Lohnkosten
W

Weaknesses Schwächen

  • Geringe Pro-Kopf-Kaufkraft
  • Bürokratische Hürden
  • Hohe Importkosten
  • Dünne Zulieferbasis
  • Fachkräftemangel auf mittlerer Qualifikationsebene 
O

Opportunities Chancen

  • Strukturelle Reformen zugunsten der Privatwirtschaft
  • Ausbau der Infrastruktur
  • Ausbau der industriellen Basis
  • Mittelfristig weitere Leitzinssenkungen
  • Nearshoring
T

Threats Risiken

  • Bevölkerungswachstum
  • Finanzierung der Infrastruktur
  • Signifikanter Teil der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze
  • Wasserknappheit
  • Klimawandel

Potenzialbranchen

Bauwirtschaft

Schwerpunkte sind Städtebauprojekte wie die neue Verwaltungshauptstadt oder New Alamein. Pro Jahr werden 500.000 neue Wohneinheiten benötigt. Entsprechend steigt der Bedarf an Verkehrsinfrastruktur.

Chemie

Die Weltmarktpreise für die wichtigen ägyptischen Exportprodukte Kunststoffe und Kunstdünger steigen weiter an. Aufgrund der Erholung des Öl- und Gassektors haben die Projektankündigungen in der Chemieindustrie 2021 deutlich zugenommen.

Energiewirtschaft

Bis 2035 soll der Anteil erneuerbarer Energien auf 40 bis 50 Prozent steigen. Vorrangig private Unternehmen sollen deren – teilweise geberfinanzierten – Ausbau durchführen. Mit Siemens hat Ägypten Pilotprojekte für die Produktion von grünem Wasserstoff vereinbart. Fotovoltaikanlagen und ein Windpark sollen dafür grünen Strom liefern.

Gesundheitswirtschaft

In Nordafrika ist Ägypten der größte Markt für die Gesundheitswirtschaft. Nachholbedarf besteht hier vor allem in puncto Infrastruktur und Finanzierung. Für Wachstum im Gesundheitssektor sorgt neben dem Bevölkerungsanstieg eine universelle Krankenversicherung. Sie soll in den nächsten 13 Jahren landesweit eingeführt werden.

Landwirtschaft

Der Klimawandel, der äthiopische Nilstaudamm und das starke Bevölkerungswachstum machen eine effiziente Wassernutzung in der ägyptischen Landwirtschaft in Zukunft immer wichtiger. Daher setzt die ägyptische Regierung auf den Ausbau von Bewässerungskanälen und die Wiederverwertung von Abwasser. Gleichzeitig gibt es Pläne für neue Anbauflächen in der Wüste. Das „New Delta“-Projekt sieht rund 4.200 Quadratmeter Nutzfläche vor, deren Bewässerung durch Grundwasser erfolgen soll.

Bergbau und Rohstoffe

In der Öl- und Gasindustrie steigen die Preise wieder an, ebenso wie Aktivitäten zu Gaserkundung und Erdölexploration.  2020 hat die Regierung die gesetzlichen Rahmenbedingungen verändert und Lizenzen für die Exploration von Gold ausgeschrieben. Ägypten verfügt über große Goldvorkommen von geschätzten 300 Tonnen.

Umwelt und Wasser

Mit grünen Staatsanleihen  von 750 Millionen US-Dollar finanzierte Ägypten bereits  drei Wasseraufbereitungsanlagen und eine Entsalzungsanlage. Bis 2037 will die ägyptische Regierung für Wasserprojekte rund 50 Milliarden US-Dollar investieren. Geplant sind weitere Entsalzungsanlagen, die Modernisierung von Bewässerungskanälen und die Wiederverwertung von Abwasser.

Der Branchencheck Ägypten enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

In der Videoreihe "Egypt it is" gibt die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer Einblicke zu Wachstumsbranchen in Ägypten.

Marktzugang

Rechtlicher Rahmen

Gewerbliche Wareneinfuhr und Zoll

Arbeitsmarkt und Löhne

Aufgrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums ist es für Ägypten wichtig, dass neue Jobs entstehen. Etwa 850.000 neue Arbeitskräfte strömen jedes Jahr auf den Markt. Höher Gebildete, insbesondere Frauen, sind öfter arbeitslos als Menschen mit einfacher Bildung. Entsprechend viele Akademiker wandern ins Ausland ab. In handwerklich-technischen Berufen beklagen Firmen mangelnde Praxiskenntnisse und qualifizieren ihre Belegschaft selbst "on the Job", zum Teil sogar mit eigenen Trainingsakademien. 

Einen detaillierten Überblick über die Lage am Arbeitsmarkt, Löhne und den arbeitsrechtlichen Rahmen in Ägypten gibt die GTAI-Publikation Lohn- und Lohnnebenkosten Ägypten

Die Qualifizierung junger Fachkräfte, die sich am Bedarf der ägyptischen Wirtschaft ausrichtet, ist eine der großen Herausforderungen des Landes. iMOVE: Training – Made in Germany bietet Informationen zum ägyptischen Markt der Aus- und Weiterbildung und Chancen, die sich für deutsche Bildungsanbieter ergeben.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Ägypten finanzieren die Weltbank, Institutionen der Europäischen Union und viele andere Geber Entwicklungsvorhaben. Bei den Neuvorhaben im Jahr 2018 waren die Sektoren Energiewirtschaft und öffentliche Verwaltung besonders stark vertreten. Schwerpunkte der deutschen bilateralen Zusammenarbeit liegen auf Energie, Wasser und nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung. Aus geberfinanzierten Vorhaben resultieren viele Aufträge. 2021 wurden neben Consultingleistungen auch Aufträge im Maschinen- und Anlagenbau und anderen Branchen international ausgeschrieben.

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Unterstützung beim Markteinstieg in Ägypten

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWK-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Ägypten zu erleichtern.

Unabhängig von der Branche und vom Zielland können Unternehmen die "Beratungsgutscheine Afrika" in Anspruch nehmen. Das Förderprogramm des BMWK unterstützt den Markteinstieg deutscher KMU in Afrika mit bis zu 75 Prozent der Kosten für maximal 15 Beratertage. 

Energiewirtschaft

Die Exportinitiative Energie hat drei Zielmarktanalysen zur Energieerzeugung in Ägypten veröffentlicht: 

Gesundheitswirtschaft

Ägypten war ein Zielland des Pilotprojektes "Gesundheitswirtschaft in Nordafrika" des Wirtschaftsnetzwerks Afrika. Im Rahmen dieses Projektes wurde 2021 eine Marktstudie veröffentlicht.

Cover Marktstudie Gesundheitswirtschaft in Nordafrika

Marktstudie Nordafrika

Marktstudie zu den Entwicklungen des Gesundheitssektors in Ägypten, Algerien, Marokko und Tunesien sowie zu Geschäftschancen für deutsche Unternehmen.

Umwelt und Wasser

Im Rahmen des Wirtschaftsnetzwerks Afrika identifiziert Dr. Peter Riad als BMWK-Branchenexperte Geschäftsmöglichkeiten im ägyptischen Wassersektor. In einem Interview erklärt er, warum sich der Markt aktuell so dynamisch entwickelt, und gibt Praxistipps, wie deutsche Unternehmen die Chancen nutzen können.

Weitere Informationen zur Wasserwirtschaft bietet die Publikation Neue Märkte - Neue Chancen - Wassersektor in der MENA-Region.

Im Rahmen des BMWK-Markterschließungsprogramms hat die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer (AHK Ägypten) 2020 eine Geschäftsanbahnungsreise zum Thema Wasserwirtschaft in Ägypten durchgeführt und dazu eine Zielmarktanalyse veröffentlicht.

Ein ausführliches Länderprofil zur Kreislauf- und Wasserwirtschaft in Ägypten haben German Retech Partnership e.V. und German Water Partnership e.V. im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) 2021 erstellt.

Infrastruktur

Im Rahmen des BMWK-Markterschließungsprogramms hat die AHK Ägypten 2019 eine Geschäftsanbahnungsreise zum Thema Eisenbahnbau, Bahntechnik und Schienenverkehr in Ägypten durchgeführt und dazu eine Zielmarktanalyse veröffentlicht.

Erfahrungsberichte aus Ägypten

Sandfiltrationsbecken in einer Wasseraufbereitungsanlage in Ägypten

Wasserwirtschaft: Branchenexperte schafft Marktzugang in Ägypten

Als Branchenexperte für Wasser identifiziert Dr. Peter Riad für das Wirtschaftsnetzwerk Afrika Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Firmen in Ägypten.

Obstvielfalt für den Import aus Ägypten

Fruchthandel: Ägypten bietet breites Sortiment für Import 

Der Hamburger Importeur Interweichert hat langjährige Erfahrungen mit Lieferanten in Ägypten gesammelt. Enrique Nebot berichtet, warum Ägypten ein interessantes Lieferland ist.

Die Infrastruktur Afrikas wird kontinuierlich ausgebaut.

Nachgebohrt: Tiefbauspezialist Bauer über seine Arbeit in Afrika

Wenn Generalunternehmen nicht alle Aufgaben selbst abdecken können, sind Spezialisten wie die Firma Bauer aus dem bayerischen Schrobenhausen gefragt.

Rechenzentrum der Data Center Group

Rechenzentren: Containerlösungen aus dem Westerwald für Afrika

Die Data Center Group aus Wallmenroth plant, baut, betreibt und wartet Rechenzentren. In Afrika hat das Unternehmen Projekte in Mosambik, Marokko und Ägypten realisiert.

Porträt eines Arbeiters auf einem Frachtschiff.

Personalsuche: Siemens bildet in Ägypten nach deutschem Vorbild aus

Für Infrastrukturprojekte in Ägypten konnte Siemens nicht genügend Fachkräfte finden. Nun investiert der Konzern in neue Ausbildungsmodelle nach deutschem Vorbild.

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