Weichen und Gleisverbindungen im Nürnberger Rangierbahnhof

Als Komplettdienstleister erbringt die DB E.C.O. Group Ingenieur-, Beratungs- und Betreiberdienstleistungen für Mobilitäts- und Transportlösungen. Die DB International Operations, Teil der DB E.C.O. Group, hat Ende 2022 einen Milliardenauftrag für den Betrieb und die Instandhaltung des ersten Hochgeschwindigkeitsnetzes in Ägypten erhalten. Das geplante Streckennetz von 2000 Kilometern mit drei Linien und circa 60 Stationen wird das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbinden. Nach dem Auftrag in Ghana der Thelo DB – einem Joint Venture der DB Engineering & Consulting in Südafrika – ist dies das zweite Vorhaben der Deutschen Bahn auf dem afrikanischen Kontinent. Im Interview berichtet Niko Warbanoff, CEO der DB E.C.O. Group, über die beiden Leuchtturmprojekte der Deutschen Bahn in Afrika.

Mit Bahn-Expertise Aufträge in Afrika gewinnen

Herr Warbanoff, welche Rolle spielt der afrikanische Markt für Ihr Unternehmen?

Niko Warbanoff, CEO der DB E.C.O. Group Hans-Christian Plambeck Dies ist ein eingebettetes Bild

Wir sehen im afrikanischen Markt – Ägypten außen vorgelassen – sehr viel Potential. Afrika braucht Lösungen, um den vielen Menschen in den Ballungsgebieten und darüber hinaus Mobilität zu gewährleisten. Wir sind davon überzeugt, dass in Afrika im Bahnsektor noch mehr Geschäft möglich ist.

Unsere Strategie ist es, für unsere internationalen Kunden als Komplettdienstleister da zu sein. Wir können von der Machbarkeitsstudie, über die Planung, den Bau der Infrastruktur sowie der Realisierung eines Bahnsystems ein breites Spektrum anbieten.

Wie ist die DB International Operations an den Auftrag für den Betrieb und die Instandhaltung des ersten Hochgeschwindigkeitsnetzes in Ägypten gekommen?

Im Wesentlichen waren es vier Faktoren, die zum Erfolg geführt haben:

Erstens haben wir weltweit bereits zahlreiche Projekte erfolgreich umgesetzt. Das hat sich herumgesprochen.

Hochgeschwindigkeitsnetz in Ägypten Deutsche Bahn AG 11/2022 Dies ist ein eingebettetes Bild

Zweitens beherrschen wir aufgrund unserer Expertise in Deutschland die gesamte Klaviatur des Bahnsystems: Hochgeschwindigkeit, Güterverkehr, Regionalverkehr und die dazugehörige Infrastruktur. Das können nur wenige Unternehmen. In vielen Ländern gibt es etwa gar keinen Mischverkehr, wie beispielsweise in Frankreich.

Drittens war es hilfreich, dass mit Siemens bereits ein deutsches Unternehmen Vertragspartner der Ägypter war. Danach hatten die Ägypter auch Interesse an unserer Arbeit. Sie waren auf der Suche nach einem Partner, der den optimalen Betrieb umsetzen kann. Das umfasst auch die Qualifizierung des Bahnpersonals.

Last but not least hatten wir politischen Rückenwind: Die Bundesregierung hatte großes Interesse daran, dass sich deutsche Unternehmen im Wettbewerb mit anderen, insbesondere chinesischen Unternehmen, durchsetzen. Wir konnten zunächst im November 2021 eine erste Absichtserklärung mit dem ägyptischen Verkehrsministerium unterzeichnen. Ein Jahr später wurden schließlich die Verträge unterzeichnet.

Erfolg im Ausland zieht internationale Fachkräfte an

Welche Folgen hat der Auftrag für das Geschäft in Deutschland?

Das internationale Geschäft wirkt sich äußert positiv auf die Rekrutierung aus: Wir haben im Jahr 2022 so viele Ingenieurinnen und Ingenieure einstellen können, wie nie zuvor, insbesondere im Planungsbereich.  Rund 90 Prozent stehen für deutsche Projekte zur Verfügung.

Ohne das internationale Geschäft wären wir als Unternehmen weniger attraktiv. Es ist für uns ein großes Plus, unseren Mitarbeitenden die Möglichkeit anbieten zu können, ins Ausland zu gehen. Durch das internationale Geschäft haben wir außerdem auch lokale Standorte in anderen Ländern aufgebaut, etwa in Rumänien und Indien. Dort befinden sich unsere beiden Design Center mit Ingenieur:innen, die schwerpunktmäßig an Projekten in Deutschland mitarbeiten. In Bukarest und Bangalore arbeiten inzwischen mehrere hundert Mitarbeiter an der Planung von Projekten in der deutschen Infrastruktur.

Zurück zu Ägypten. Der große Teil der Belegschaft wird lokal rekrutiert und qualifiziert. Wir wollen aber auch unsere internationalen Standorte vermehrt nutzen, damit Fachkräfte aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, um hier zu arbeiten.

Wo sind Sie noch in Afrika aktiv?

Thelo DB – ein Joint Venture der DB Engineering & Consulting in Südafrika – hat eine Vereinbarung mit der ghanaischen Regierung unterzeichnet. Insgesamt sollen bei dem Projekt – der Modernisierung der Western Railway Line - 3,2 Milliarden US-Dollar investiert werden. Thelo DB ist an der Planung beteiligt und berät den Auftraggeber, wie die Eisenbahninfrastruktur modernisiert werden kann.

Die Erfahrung ist, dass man im Bahnsektor einen langen Atem von der Idee bis zur Unterschrift benötigt. Wir haben mehrere Eisen im Feuer. Vieles hängt von politischen Entscheidungen ab.

Wir konzentrieren uns jetzt zunächst auf Ägypten. Wenn das Projekt fertig ist, wird das in Afrika wahrgenommen werden. Dann werden wir unsere Aktivitäten ausweiten können.

Das Interview führte Michael Monnerjahn im Februar 2023.

Erfahrungsberichte zu Transport und Logistik in Afrika

Lobito-Bahn: Gateway für Rohstoffe in Zentralafrika?

Rohstoffe sollen künftig verstärkt per Zug aus der DR Kongo zum Hafen in Angola transportiert werden. Für den strategisch wichtigen Lobito-Korridor fehlt aber noch Kapital.

Vision auf Schienen: Neue Bahnlinien für Afrika

Eine neue Bahnverbindung für Afrikas Hauptstädte und Wirtschaftszentren? Der Vorsitzende der Trans Africa Railway Corporation erläutert sein Vorhaben und die Suche nach Kapital.

Verkehr auf grün: Deutsche Software für Elektrobusse in Afrika

Intelligentes Lademanagement für die erste Elektrobusflotte Afrikas - das Softwareunternehmen CarMedialab berichtet von seinen Erfahrungen beim Markteintritt.

Ghana: Lösungen für unternehmerische Sorgfaltspflichten

Das Lieferkettensorgfaltspflichten-gesetz verpflichtet Unternehmen zur Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards in ihren Lieferketten. Welche Lösungen gibt es in Ghana?

Hafenlogistik: Schnellere Zollabwicklung in Lagos Freizone

BASF nutzt die Lagos Free Zone in Nigeria als Lagerhaus - und verkürzt so die Lieferzeiten für seine Produkte, weil logistische Hürden entfallen. Wie funktioniert das genau?

Schutzschirm: MAN sichert Afrika-Geschäfte mit Exportkreditgarantien des Bundes

Das Münchener Unternehmen MAN Truck & Bus verkauft seit mehr als 30 Jahren Lkw auf dem afrikanischen Markt, vor allem schwere Lkw-Reihen und Lkw-Bausätze.

Logistik: Kleinstaat Dschibuti wirbt mit großer Freihandelszone

In der Freizone von Dschibuti gibt es noch viel Platz, wie der Geschäftsführer im Interview berichtet. Auch ein deutsches Unternehmen hat sich bereits dort angesiedelt.

Herausfordernd: Logistik und Freihandel in Afrika

Der innerafrikanische Freihandel macht nur langsam Fortschritte. Sabine Dall´Omo von Siemens Subsahara-Afrika gibt einen Überblick zu Fortschritten und Herausforderungen.

Afrikas Häfen: Jeder will ein Stück vom Kuchen

HPC Hamburg Port Consulting hilft afrikanischen Behörden, ihre Interessen gegenüber externen Parteien zu wahren: Von Guinea-Bissau über Port Sudan bis Somalia.

Hafenausbau: DP World aus Dubai investiert in Somaliland

Der emiratische Hafenbetreiber DP World nahm 2021 in Somaliland einen Containerterminal in Betrieb. Hier surren auch deutsche Kräne.

Somaliland: Logistikdrehscheibe für Märkte in Ostafrika

Der Hafen Berbera in Somaliland hat ein neues Containerterminal bekommen und wird er über einen Straßenkorridor mit Äthiopien verbunden. Weitere Ausbauprojekte sind in Planung.

Coole Pläne: Logistik für Gemüse- und Obstexporte aus Äthiopien

Die Ethiopian Horticulture Association will neben Blumen auch Obst und Gemüse exportieren. Warum die richtige Kühlkette dabei für den Erfolg entscheidend ist.