Das wirtschaftliche Potenzial Libyens ist enorm. Mit den größten Erdölreserven Afrikas verfügt das Land über die nötige Finanzkraft, um den Wiederaufbau nach den mehr oder weniger verlorenen Jahren seit 2011 einzuleiten.

Mit der Rückkehr politischer Stabilität stünde einem dauerhaften Aufschwung nichts im Weg. Allerdings ist der Frieden im Land labil. Anfang 2021 einigten sich die konkurrierenden Kräfte im Westen und Osten nach heftigen Gefechten 2020 („Sturm auf Tripolis“) unter Anleitung der Vereinten Nationen auf eine neue Regierung der Nationalen Einheit. Diese muss ihre Dauerhaftigkeit erst noch beweisen.

Insbesondere bei der libyschen Infrastruktur besteht erheblicher Nachholbedarf. Die einst gut funktionierende Elektrizitäts- und Wasserversorgung braucht dringend Investitionen - für die Rehabilitierung bestehender Anlagen aber auch für Kapazitätserweiterungen. 

Hinweis

Die Partner des Wirtschaftsnetzwerks Afrika bieten deutschen Unternehmen Informationen zu den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie in Afrika.


Das Länderprofil wurde zuletzt im Juni 2021 aktualisiert.

Daten und Fakten

Libyen GTAI Der Africa Business Guide liefert Ihnen mit den wichtigsten Wirtschaftsdaten einen ersten Länderüberblick zu Libyen.

Offizieller Name: Staat Libyen

Hauptstadt: Tripolis

Geschäftssprache: Arabisch, Englisch

Einwohner: 6,7 Millionen (2020)*

Durchschnittsalter: Ø 25,8 (2020)*

Bevölkerungswachstum: 1,2 % (2021)*

Währung & Wechselkurs (Dezember 2020): Libyscher Dinar (LD.); 1 Euro = 1,647 LD

BIP pro Kopf: 3.281 US$ (2020)*

BIP-Wachstum: 131 % (2020)*

Ausländische Direktinvestitionen: 18,462 Mrd. US$ (2019)*

Deutsche Einfuhren: 700 Millionen Euro (2020)*

Wichtigste deutsche Einfuhrgüter (2020*; in % der Gesamteinfuhr):

  1. Erdöl 97,4
  2. Petrochemie 2,4
  3. Rohstoffe (außer Brennstoffe) 0,2

Deutsche Ausfuhren: 400 Millionen Euro (2020)*

Wichtigste deutsche Ausfuhrgüter (2020*; in % der Gesamtausfuhr):

  1. Maschinen 23,1
  2. Chem. Erzeugnisse 18,1
  3. Nahrungsmittel 15,3
  4. Mess- und Regeltechnik 10,5
  5. Kfz und -Teile 10,4
  6. Elektrotechnik 4,0
  7. Petrochemie 3,1

* Prognose/Schätzung

Quelle: Wirtschaftsdaten kompakt - Libyen von Germany Trade & Invest  

Expertenstimme

Reisekorrespondent Afrika/Nahost Christian Glosauer

GTAI-Reisekorrespondent Afrika/Nahost

Die Blicke gehen wieder nach Libyen. Die neue Regierung lässt auf die dringend notwendige Rückkehr zu politischer Stabilität hoffen. In den Konzernzentralen der Welt werden alte Projektpläne abgestaubt und erste Unternehmerdelegationen wurden schon in Tripolis gesichtet. Erfolgreich dürfte sein, wer politischen Einfluss bei der Förderung seiner großen nationalen Projektentwickler im Bereich Infrastruktur geltend machen kann. Diese Kunst beherrschen asiatische Akteure am besten. Südkorea etwa kann auf ein langes Projektgeschäft in Libyen verweisen („Great Man Made River“). Neue Akteure wie die Türkei oder Ägypten wollen auch ein Stück vom Kuchen und positionieren sich. Aber auch als Subunternehmer und Zulieferer bei Großprojekten tun sich bei anhaltender Stabilisierung gute Geschäftschancen auf.

Christian Glosauer GTAI-Reisekorrespondent für Nordafrika/Nahost

SWOT-Analyse Libyen

S

Strengths Stärken

  • Flächenstaat mit kleiner Bevölkerung
  • Größte Erdölreserven Afrikas
  • Erhebliche Gasvorkommen 
  • Fossiles Wasser


W

Weaknesses Schwächen

  • Politische Instabilität
  • Stammesgesellschaft, wenig Integration
  • Wird von den Vereinten Nationen sanktioniert
  • Ordnungsrahmen schwach und infrage gestellt
O

Opportunities Chancen

  • Fast unbegrenztes Potenzial für erneuerbare Energien
  • Bei Stabilisierung großer Nachholbedarf bei Infrastruktur und Industrie
T

Threats Risiken

  • Durchgangsstation für Zuwanderer aus Subsahara-Afrika
  • Labilität des Staates weckt Begehrlichkeiten bei Nachbarländern und anderen Akteuren (Türkei)

Potenzialbranchen

Tourismus

Mit fast 1.800 Kilometern Mittelmeerküste und interessanten Altertümern bis zurück in die römische und sogar prähistorische Zeit (Höhlen- und Felsmalereien im Süden des Landes) hat Libyen theoretisch großes Potenzial für Tourismus. Dies bleibt zwar zunächst eine mittelfristige Perspektive, Unternehmen sollten die Branche aber im Auge behalten.

Bauwirtschaft

Sämtliche Rohstoffe für die Bauwirtschaft (zum Beispiel Kalkstein oder Gips) sind im Land reichlich vorhanden, entsprechende Verarbeitungskapazitäten (Zementwerke, Stahlwerk) ebenfalls. Die Frage aus libyscher Sicht dürfte künftig sein, wie lokale Erzeuger vor dem enormen Importdruck, etwa bei Zement, von Erzeugern mit Überkapazitäten (unter anderem aus Ägypten) geschützt werden können.

Energiewirtschaft

Als Flächenstaat bietet Libyen gewaltiges Potenzial für erneuerbare Energien. Große Kapazitäten können leicht über das geografisch nahe Italien an das europäische Elektrizitätsnetz angeschlossen werden. Dies gilt besonders für Fotovoltaik, aber auch für Windenergie mit hohen durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten, vor allem im Süden des Landes.

Bergbau und Rohstoffe

Libyen besitzt die größten, nachgewiesenen Ölreserven Afrikas. Nach zurückliegenden Einbrüchen bei der Erdölförderung, stabilisiert sich die Fördermenge seit Jahresbeginn mit 1,2 bis 1,3 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Ausländische Unternehmen sehen die Geschäftschancen im Wiederaufbau des Landes und positionieren sich für neue Projekte im Öl- und Gasbereich. Die Anzahl der Delegationsbesuche hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen.

  

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Zoll- und Einfuhrregelungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Libyen sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regeln zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Libyen sind nur wenige internationale Geber aktiv. Projekte führen unter anderem das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) durch. Auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet in Libyen.

Einen Überblick über Geschäftschancen bei öffentlichen Aufträgen gibt Germany Trade & Invest (GTAI) im Bericht Entwicklungszusammenarbeit mit Libyen. Bei GTAI finden Sie zudem aktuelle 

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