Seit dem Sturz von Langzeitherrscher Omar al-Baschir 2019 befindet sich der Sudan in einer politischen Umbruchphase, die von Höhen und Tiefen geprägt ist. Der Militärputsch im Oktober 2021 stellt das bisher Erreichte wieder in Frage.

Versprochene Finanzhilfen aus dem Ausland dürften nun doch nicht so schnell fließen. Dabei benötigt der Sudan diese Mittel besonders dringend, um die maroden Staatsfinanzen und die schwierige Lage der Wirtschaft zu verbessern.

Hinweis

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Sudans Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest.


Das Länderprofil wurde zuletzt im November 2021 aktualisiert.

Daten und Fakten Sudan

Expertenstimme

Afrika-Experte Friedrich Henle

Afrika-Experte Friedrich Henle

Der Sudan steht nach einem Putsch aktuell am Scheideweg – politisch und wirtschaftlich gesehen. Ausländische Unternehmen werden ein Engagement im Land noch genauer abwägen. Und das, obwohl es viel Potenzial und Aufholbedarf in Branchen wie der Landwirtschaft, der Energie oder der Infrastruktur gäbe.

Friedrich Henle GTAI-Reisekorrespondent Nordafrika

SWOT-Analyse Sudan

S

Strengths Stärken

  • Gute landwirtschaftliche Bedingungen 
  • Grundsätzlich interessanter Binnenmarkt mit 43 Millionen Einwohnern
  • Großes Potenzial für Wasserkraft und Solarenergie
  • Reich an Bodenschätzen (Erdöl, Gold)
  • Nähe zu internationalen Handelsrouten (Rotes Meer)
W

Weaknesses Schwächen

  • Schwache industrielle Basis
  • Schwieriges Geschäftsumfeld
  • Hohe Auslandsverschuldung und geringe Devisenreserven
  • Hohe Inflation
  • Versorgungsengpässe bei Nahrungsmitteln und Kraftstoffen
O

Opportunities Chancen

  • Bessere Investitionsbedingungen durch Wirtschaftsreformen
  • Bessere Finanzierungsbedingungen durch Streichung von US-Terrorliste
  • Effizientere landwirtschaftliche Produktion
  • Stärkere Einbindung in den regionalen Handel
  • Ausbau der Infrastruktur
T

Threats Risiken

  • Scheitern der demokratischen Transitionsphase
  • Verschlechterung der Sicherheitslage
  • Konflikte in oder mit Nachbarländern (Flüchtlinge, Grenzen, Nilwasser)
  • Soziale Unruhen
  • Naturkatastrophen

Potenzialbranchen

Bauwirtschaft

Mit neuen, grenzüberschreitenden Schienen- und Straßenverbindungen soll der große Nachholbedarf in der Transportinfrastruktur angegangen werden. Für entsprechende Pläne mit den Nachbarländern Ägypten und Äthiopien haben sich unter anderem die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) und Kuwait als Finanziers gefunden.

Bergbau und Rohstoffe

Der Sudan ist nach Südafrika und Ghana der wichtigste Goldproduzent Afrikas, die weitere Professionalisierung des Sektors bleibt aber notwendig. Bergbauunternehmen und Händler können seit 2020 das Edelmetall leichter exportieren. Die gesunkene Ölförderung hat durch 27 neue Förderkonzessionen neuen Schwung erhalten. Wichtigster ausländischer Investor bleibt China.

Energiewirtschaft

Zwei Drittel der Bevölkerung sind noch an kein Stromnetz angeschlossen und Stromausfälle gehören zur Tagesordnung. Der Investitionsbedarf ist daher groß. Solarenergie wird bisher noch kaum eingesetzt, aber eine Absichtserklärung mit einem emiratischen Unternehmen über 500 MW-Solarparks soll dieser Energieerzeugungsart im Land zum Durchbruch verhelfen.

Landwirtschaft

Grundsätzlich verfügt der Sudan über gute landwirtschaftliche Bedingungen. Für eine stark wachsende Bevölkerung ist jedoch eine Produktivitätssteigerung notwendig. Agrarische Rohstoffe nehmen einen großen Stellenwert in der Exportstruktur ein. Durch den von China gebauten Hafen Haidob am Roten Meer soll der Export von lebenden Tieren ausgebaut werden.

Der Branchencheck Sudan enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Zoll- und Einfuhrregelungen

Bei der Einfuhr von Waren in den Sudan sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regeln zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

Im Sudan sind verschiedene bilaterale und multilaterale Geber aktiv. Institutionen der Europäischen Union, die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank stellen Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereit. Aus diesen geberfinanzierten Projekten resultieren Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen.

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