Das wirtschaftliche Potenzial Libyens ist enorm. Mit den größten Erdölreserven Afrikas verfügt das Land theoretisch über die nötige Finanzkraft, um den Wiederaufbau nach dem Bürgerkrieg seit 2011 einzuleiten.

Insbesondere bei der Infrastruktur besteht erheblicher Nachholbedarf. Die einst gut funktionierende Elektrizitäts- und Wasserversorgung braucht dringend Investitionen - für die Rehabilitierung bestehender Anlagen, aber auch für Kapazitätserweiterungen.
Für einen nachhaltigen Aufschwung fehlt allerdings weiterhin die politische Stabilität. Im Dezember 2021 angesetzte Wahlen sind auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Konkurrierende Kräfte ringen um die Macht. Der Frieden im Land ist immer noch labil.

Das Länderprofil wurde zuletzt im November 2022 aktualisiert.

Afrika-Experte Friedrich Henle

Afrika-Experte Friedrich Henle

Die relativ hohen Weltmarktpreise für Öl und Gas verschaffen Libyen momentan stabile Exporteinnahmen. Lässt sich das politische Patt lösen, könnten lang aufgeschobene Projekte auch im Infrastrukturbereich für große Geschäftsmöglichkeiten sorgen. Ausländische Akteure bringen sich bereits in Stellung. Besonders aktiv sind hier die Türkei und Italien. Traditionell sind aber auch deutsche Technologie und Know-how gefragt.

Friedrich Henle GTAI-Reisekorrespondent für Nordafrika/Nahost

Daten und Fakten Libyen

SWOT-Analyse

S

Strengths Stärken

  • Größte Erdölreserven Afrikas
  • Erhebliche Gasvorkommen 
  • Geografische Nähe zu Europa
W

Weaknesses Schwächen

  • Kleiner Binnenmarkt mit 7 Millionen Einwohnern
  • Politische Instabilität
  • Schwache Institutionen
O

Opportunities Chancen

  • Ausweitung der Öl- und Gasförderung
  • Fast unbegrenztes Potenzial für erneuerbare Energien
  • Großer Nachholbedarf bei Infrastruktur und Industrie
T

Threats Risiken

  • Verschlechterung der Sicherheitslage, bewaffnete Auseinandersetzungen
  • Zunehmende Einflussnahme durch andere Staaten
  • Volatilität der Weltmarktpreise für Energierohstoffe

Potenzialbranchen

Tourismus

Mit fast 1.800 Kilometern Mittelmeerküste und interessanten Altertümern bis zurück in die römische und sogar prähistorische Zeit (Höhlen- und Felsmalereien im Süden des Landes) hat Libyen theoretisch großes Potenzial für Tourismus. Dies bleibt zwar zunächst eine mittelfristige Perspektive, Unternehmen sollten die Branche aber im Auge behalten.

Bauwirtschaft

Sämtliche Rohstoffe für die Bauwirtschaft (zum Beispiel Kalkstein oder Gips) sind im Land reichlich vorhanden, entsprechende Verarbeitungskapazitäten (Zementwerke, Stahlwerk) ebenfalls. Die Frage aus libyscher Sicht dürfte künftig sein, wie lokale Erzeuger vor dem enormen Importdruck, etwa bei Zement, von Erzeugern mit Überkapazitäten (unter anderem aus Ägypten) geschützt werden können.

Energiewirtschaft

Als Flächenstaat bietet Libyen gewaltiges Potenzial für erneuerbare Energien. Große Kapazitäten können leicht über das geografisch nahe Italien an das europäische Elektrizitätsnetz angeschlossen werden. Dies gilt besonders für Fotovoltaik, aber auch für Windenergie mit hohen durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten, vor allem im Süden des Landes.

Bergbau und Rohstoffe

Libyen besitzt die größten, nachgewiesenen Ölreserven Afrikas. Ausländische Unternehmen sehen die Geschäftschancen im Wiederaufbau des Landes und positionieren sich für neue Projekte im Öl- und Gasbereich. 

  

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Zoll- und Einfuhrregelungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Libyen sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regeln zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Libyen sind nur wenige internationale Geber aktiv. Projekte führen unter anderem das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) durch. Auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet in Libyen.

Einen Überblick über Geschäftschancen bei öffentlichen Aufträgen gibt Germany Trade & Invest (GTAI) im Bericht Entwicklungszusammenarbeit mit Libyen. Bei GTAI finden Sie zudem aktuelle 

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