Arbeiter in einem Industriepark (Symbolbild)

Die chinesisch investierte Eastern Industry Zone nahe der Hauptstadt Addis Abeba war der erste einer Reihe von Industrieparks, mit deren Hilfe Äthiopien ab 2007 seine Entwicklung zu forcieren versucht. In der Zone haben sich vielfach kleinere Betriebe aus einem breiten Branchenspektrum angesiedelt, während andere äthiopische Industrieparks von großen Bekleidungsfabriken geprägt sind. Bei einem Besuch im Mai 2022 macht die Anlage einen geschäftigen, aufgeräumten Eindruck. Dong Lingpei von der Parkverwaltung begleitet den Besucher zu einigen Unternehmen und vermittelt im kurzen Interview Hintergründe zur Entwicklung der Zone.

Industriezone konstant ausgelastet

Haben Sie in Ihrem Park noch Platz frei für weitere Investoren?

Es gibt noch Raum für einzelne Erweiterungen wie bei einer Druckerei, mit der wir im Gespräch für die Nutzung von weiteren Produktionshallen sind. Ansonsten jedoch ist unser Park seit 2018 komplett belegt. Hier arbeiten 132 Firmen mit rund 20.000 Beschäftigten. Die meisten Firmen kamen ab 2016.

Beobachten Sie ein reges Kommen und Gehen unter den Firmen?

Überhaupt nicht. Seit Eröffnung des Parks haben uns insgesamt nur sechs Firmen den Rücken gekehrt. Auch Covid brachte keinen Einbruch. Die Zahl der Beschäftigten insgesamt blieb durchweg konstant; wir sahen während der Pandemie auch keinen Rückgang des Stromverbrauchs.

Woher kommen die Firmen im Park?

Zu über 90 Prozent aus China, und zwar ganz überwiegend aus Jiangsu und Zhejiang, das sind die beiden Provinzen bei Shanghai. Bei unserem Park handelt es sich um die private Investition einer Firma aus Suzhou, einer Millionenstadt bei Shanghai.

Äthiopische Erfolge sprechen sich in China schnell herum

Wie haben Sie Investoren für die Ansiedlung in der Zone gewonnen?

Zwei oder drei Firmen gehören Bekannten des Parkeigners. Er hatte sie zu einem Besuch eingeladen, worauf sie sich recht schnell für die Investition hier entschieden. Das Potenzial des Marktes in Äthiopien war ihnen sofort klargeworden. Nähere Marktanalysen erstellten sie meines Wissens erst später oder auch gar nicht. Die meisten anderen Firmen kamen über Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Wenn etwas gut läuft, dann macht das die Runde in Chinas einschlägigen Kreisen. Sehr viel läuft da in Gruppen auf Wechat, dem Messenger-Dienst, den in China jeder verwendet.

Gab es Subventionen für Aufbau und Betrieb des Parks?

Nein, aber politische Unterstützung. Die Regierung nahm die Eastern Industry Zone als Modell für die Entwicklung weiterer solcher Industriezonen in Äthiopien. Sehr hilfreich für die Vermarktung in China war auch 2014 der Besuch des damaligen chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang und die Tatsache, dass das chinesische Fernsehen darüber berichtet hat.

Was sehen Sie als größtes Problem im Industriepark?

Diebstahl. Und wenn es da zum Schwur kommt, haben die äthiopischen Behörden schon sehr die Seite der Beschäftigten im Auge. Wir haben eine Arbeiterin wegen Diebstahls entlassen. Sie klagte, wir legten vor Gericht Videoaufnahmen vor, die den Diebstahl klar dokumentierten. Der Richter erkannte dieses Beweismittel aber nicht an und verlangte zusätzlich die Aussage von Zeugen. Damit konnten wir natürlich nicht dienen.

Weiterer Ausbau auch für Inlandsmarkt erhofft

Gibt es Streiks?

Vereinzelt kommt es außerhalb des Parks zu Ansammlungen von Menschen. Dem haben sich schon Beschäftigte des Parks angeschlossen, wofür sie die Arbeit niederlegten. Streiks gab es vor Covid etliche, seit Beginn der Pandemie aber keinen einzigen mehr. Vermutlich haben die Leute Angst, den Job zu verlieren.

Der Park ist voll – gibt es Ausbaupläne?

Ja. Allerdings möchte die äthiopische Zentralregierung den Investoren dafür vorschreiben, die komplette Produktion zu exportieren, und das schreckt Interessenten ab. Den Start dieser zweiten Phase wollen wir als Betreiber des Parks selbst initiieren: mit einer Exportproduktion von Jeans und der Montage von elektrischen Ausrüstungen für den Bedarf im Land. Äthiopien hat eine große Nachfrage nach Produkten rund um das Thema Stromversorgung und muss sie importieren. Wir haben hier eine eigene Strom- und Wasserversorgung in unserem Industriepark und mussten dafür selber viele Devisen aufwenden.

Weiterführende Informationen

Das Interview führte Ulrich Binkert von Germany Trade & Invest im Mai 2022. 

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