Erste lokale Trainer qualifizieren Akteure

Bei grünem Wasserstoff schlagen die Herzen für die Zukunft höher – aber der Strom muss im Hier und Jetzt erst einmal zuverlässig durchs Netz fließen. Wie weit sind der Stromsektor und die IT-Landschaft in Mauretanien heutzutage wirklich? Wie können sich deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung beteiligen? René Zarske und Sibylle Albrecht von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in Mauretanien geben Antworten. 

Herr Zarske, welche Unterstützung kann die GIZ deutschen Elektrotechnik-Unternehmen bieten, die in Mauretaniens Stromwirtschaft Fuß fassen wollen? Sehen Sie sich dabei eher als Navigator oder als Türöffner vor Ort?

René Zarske René Zarske - ProH2 René Zarske

Beides. Wobei unsere größte Stärke darin liegt, die richtigen Akteure zusammenzubringen. Wir kennen die institutionellen Strukturen, die politischen Prioritäten und die konkreten Herausforderungen des mauretanischen Energiesektors. Dieses Wissen hilft deutschen Unternehmen, Marktchancen realistisch einzuschätzen und relevante Ansprechpartner zu identifizieren.

Der Bedarf ist erheblich: Netzausbau, Integration erneuerbarer Energien, Speichertechnologien und technische Qualifizierung bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für deutsche Unternehmen. Über unsere Projekte und Netzwerke können wir den fachlichen Austausch mit Ministerien, öffentlichen Unternehmen und der lokalen Privatwirtschaft erleichtern. Wir ersetzen keine klassische Außenwirtschaftsförderung, können aber wertvolle Brücken zwischen Entwicklungszusammenarbeit und Wirtschaft schlagen.

René Zarske leitet seit Februar 2025 das GIZ-Vorhaben ProH2 in Mauretanien, das die politischen, regulatorischen und institutionellen Grundlagen für eine nachhaltige grüne Wasserstoffwirtschaft stärkt.

Frau Albrecht, neben der Energie ist die Digitalisierung ein zweites großes Zukunftsthema im Land. Wie greift die GIZ deutschen Tech-Firmen hier unter die Arme, um Angebot und Nachfrage passgenau zusammenzubringen?

Sibylle Albrecht Sibylle Albrecht - ProH2 Sibylle Albrecht

Es stimmt, Mauretanien investiert hier massiv und setzt auf Digitalisierung, um staatliche Dienste zu verbessern und die Wirtschaft anzukurbeln. Dabei entstehen bereits innovative Lösungen, etwa bei der digitalen Identität und im FinTech-Bereich. Die GIZ arbeitet eng mit der Regierung zusammen, um digitale Angebote nutzerfreundlich zu gestalten und internationale Standards zu fördern. Gleichzeitig unterstützen wir mauretanische IT-Unternehmen mit Finanzierung, Qualifizierung und internationalen Kontakten. 

Daraus ergeben sich konkrete Chancen für deutsche Firmen: Wir kennen die lokalen Bedürfnisse, bringen passende Akteure zusammen und fördern Kooperationen. So gewinnen mauretanische Unternehmen Zugang zu Know-how und neuen Partnern, während deutsche Firmen den Markt besser kennenlernen und Geschäftsmöglichkeiten erschließen können. Entscheidend ist, dass die Lösungen vor Ort funktionieren und langfristig genutzt werden können.

Sibylle Albrecht leitet seit September 2024 das GIZ-Vorhaben DIGITAL-Y in Mauretanien, das digitale Regierungsführung und innovatives Unternehmertum fördert - mit einem speziellen Fokus auf den Aufbau lokaler Kompetenzen und Lösungen im Bereich künstliche Intelligenz.

Wäre die lokale IT-Szene bereits so weit aufgestellt, dass deutsche Firmen mauretanische Entwicklerinnen und Entwickler mit anspruchsvollen Software-Aufgaben betrauen könnten?

René Zarske: Mauretanien bietet große Potenziale, steht beim Ausbau seiner Infrastruktur aber noch vor erheblichen Herausforderungen. Landesweit hatte 2024 erst gut die Hälfte der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität. Auch in den Städten sind Stromausfälle und Schwankungen in der Internetqualität weiterhin Realität. Gleichzeitig wird in den Ausbau der Energie- und digitalen Infrastruktur investiert.

Entscheidend ist weniger die Frage, ob das Talent vorhanden ist, sondern wie wir dieses Talent durch Ausbildung, internationale Kooperationen und praktische Projekterfahrung weiterentwickeln.

Sibylle Albrecht: Dem stimme ich zu, gerade im KI-Zeitalter zählt nicht mehr nur, wie viele Jahre jemand schon programmiert, sondern wie gut man neue Technologien beherrscht und für neue Anforderungen nutzbar macht. Genau hier setzt die GIZ an: Wir bauen lokale IT-Kompetenzen und fördern Lösungen, die zu den Bedingungen vor Ort passen – etwa KI-Modelle, die auch bei begrenzter Stromversorgung funktionieren.

Aber wer heute nach IT-Talenten und neuen Innovationspartnern sucht, sollte Mauretanien auf dem Radar haben. Hier gibt es viele praxistaugliche Innovationen zu entdecken und neue Märkte zu erschließen.

Das Interview führte Ullrich Umann von Germany Trade & Invest im Oktober 2026.

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