Produktionsmitarbeiterin von Limbua in Kenia

Produktionsmitarbeiterin Limbua Kenia

Gemeinsam mit 5.000 kenianischen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern produziert und verkauft Limbua Bio-Macadamia-Nüsse in alle Welt. Im Jahr 2009 gründete Matti Spiecker das deutsch-kenianische Unternehmen Limbua. Damals startete der Vertrieb mit nur wenigen landwirtschaftlichen Betrieben. Heute ist Limbua einer der führenden Macadamia-Produzenten weltweit. Mit Unterstützung des AfricaConnect Programmes der DEG baut das Unternehmen jetzt eine Avocado-Ölproduktion auf.

Hand in Hand zum ökologischen Anbau in Kenia

Herr Spiecker, wie begann die Reise von Limbua?

Matti Spieker, Gründer von Limbua Limbua Matti Spieker, Gründer von Limbua

Mit einer Weltreise: Ich besuchte 2006 rund 40 Unternehmen in 25 Ländern, darunter auch viele mit Bio-, Fair Trade- und Bildungsinitiativen. Ich wollte das Beste aus diesen Projekten vereinen und ein sinnstiftendes Unternehmen gründen, mit dem ich mich identifizieren konnte. Um das richtige Kerngeschäft auszuwählen, betrachtete ich verschiedene Produkte und entschied mich für den Vertrieb der Macadamia-Nuss: Der Baum ist ökologisch spannend, die Nuss lange haltbar, das Produkt gesund. In Kenia wird die Macadamia-Nuss vorwiegend von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern angebaut, allerdings verdienen sie trotz harter Arbeit nicht immer ausreichend. Das war für mich Grund genug, Limbua zu gründen.

Wie produziert Limbua heute?

Wir haben heute Verträge mit mehr als 5.000 kenianischen Bäuerinnen und Bauern. Sie erhalten regelmäßig Schulungen, um den Bio-Status auf ihren Mischfarmen zu erreichen. Dabei lernen sie unter anderem, wie sie auf synthetischen Dünger verzichten und biologische Pestizide herstellen. Nach der Bio-Zertifizierung kaufen wir ihnen die hochwertigen Nüsse zu fairen Preisen ab und verkaufen sie an Kunden in aller Welt.

Ohne Zwischenhändler und damit verbundene Herausforderungen können wir eine exzellente Qualität zu einem guten Preis anbieten. In allen Prozessen investierten wir früh in Digitalisierung: Wir steckten viele Ressourcen in die Entwicklung guter Software und zahlen unsere Farmer schnell und direkt mit sogenanntem "mobile payment". Als erstes Unternehmen weltweit nutzen wir vollständig digitalisierte Bio-Zertifizierungsprozesse.

Erlebten Sie als deutscher Unternehmer in Kenia viele Überraschungen? Welche Faktoren waren ausschlaggebend für Ihren Erfolg?

Ich denke, dass Vertrauen und Respekt im Team wichtig sind. Wenn man der Kultur seines Gegenübers auf Augenhöhe begegnet, kann man von den jeweiligen Stärken profitieren. Ich habe gelernt, mich auf meine kenianischen Teammitglieder zu verlassen, die oft pragmatische Lösungen finden, während ich mich in komplizierte Überlegungen verstricke. Wir ergänzen und vertrauen uns – das ist fast wichtiger als fachliche Kompetenz und kann auch nicht mit Geld aufgewogen werden.

Doch es braucht Zeit. Die Bevölkerung in Kenia hat schon viele ausländische Firmen kommen und gehen sehen und ist skeptisch. Man sollte sein Geschäft deshalb langfristig ausrichten und Geduld haben. Mittlerweile zeigen mir die Menschen hier, wie fleißig und hartnäckig, ambitioniert und erfolgshungrig sie sind. Man erntet quasi, was man sät – ein Rezept für unseren Erfolg.

Hat sich auch Ihre Kooperation mit der Entwicklungszusammenarbeit gelohnt?

Wir starteten erst vor ein paar Monaten ein AfricaConnect Projekt mit der DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft. Die Zusammenarbeit wurde uns von Simone Iltgen empfohlen, die als EZ-Scout im Auftrag des Entwicklungsministeriums an die IHK Reutlingen entsandt ist und dort zu Themen rund um die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) berät. Sie erläuterte mir verschiedene Kooperationsmöglichkeiten und wir filterten AfricaConnect als passendes Instrument heraus.

Obwohl wir erst seit wenigen Monaten zusammenarbeiten, haben wir bereits viele gute Erfahrungen gemacht: Wir erhalten eine finanzielle Förderung, die zu einer Hälfte in die Verbesserung unserer Macadamia-Produktion fließt und zur anderen in eine neue Avocado-Ölpresse. Wir profitieren von Beratungen der DEG, sie vermitteln uns interessante Kontakte und laden uns zu Konferenzen ein. Die Zusammenarbeit läuft nun mindestens sechs Jahre lang und so können wir gemeinsam unsere Avocado-Ölproduktion aufbauen und im nächsten Jahr die erste Ernte einfahren, hoffentlich wieder unserem Namen entsprechend: "Limbua" ist Suaheli für "gute Ernte".


Logobanner Limbua, KfW DEG und BMZ Logobanner Limbua, KfW DEG und BMZ

Weitere Informationen

Das Interview fand im Rahmen des EZ-Scout Programms (seit 2021: Business Scouts for Development) im Mai 2020 statt. 

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