Das Länderprofil wurde zuletzt im August 2020 aktualisiert.

Algerien ist als größtes Land des afrikanischen Kontinents ein bedeutender ökonomischer Akteur. Bestimmend für die Wirtschaft sind Förderung und Export von Erdöl und -gas. Angesichts stark gesunkener Einnahmen und den Folgen der Coronakrise hat sich die Haushaltslage weiter verschärft. Im Unterschied zu anderen Ländern der Region greift Algerien bisher nicht auf Hilfe von Geberinstitutionen, wie dem Internationalen Währungsfonds zurück. 

Algerien setzt auch auf mehr ausländische Investoren vor allem im Energiesektor. Die politische und wirtschaftliche Perspektive wird vor allem von der Reformbereitschaft des seit Dezember 2019 amtierenden Präsidenten Tebboune abhängen. Schnelle Fortschritte hin zu einer wirtschaftlichen Diversifizierung sind weiter dringend geboten.


Hinweis

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Algeriens Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest.

Daten und Fakten

Algerien

Der Africa Business Guide liefert Ihnen mit den wichtigsten Wirtschaftsdaten einen ersten Länderüberblick zu Algerien.

Offizieller Name: Demokratische Volksrepublik Algerien

Hauptstadt: Algier

Geschäftssprachen: Arabisch, Französisch

Einwohner:  ca. 43,1 Millionen (2019)*

Durchschnittsalter Ø 28 (2019)*

Bevölkerungswachstum: 1,5 % (2020)*

Währung & Wechselkurs (März 2020): Algerischer Dinar (DA), 1 Euro = 136,872 DA

BIP pro Kopf: 3.980 US$ (2019)*

BIP-Wachstum: 0,7 % (2019)*

Ausländische Direktinvestitionen: 31,6 Mrd in US$  (2018)*

Wichtigste deutsche Einfuhrgüter (2019*; in % der Gesamteinfuhr):

  1. Erdöl 58,6
  2. Petrochemie 33,6
  3. Chemische Erzeugnisse 5,0
  4. Nahrungsmittel 3,7
  5. Rohstoffe (außer Brennstoffe) 0,3
  6. Maschinen 0,1

Deutsche Ausfuhren: 2.037,24 Millionen Euro (2019)*

Wichtigste deutsche Ausfuhrgüter (2019*; in % der Gesamtausfuhr):

  1. Kfz und -Teile 23,3
  2. Maschinen 21,4
  3. Chemische Erzeugnisse 16,8
  4. Eisen und Stahl 6,0
  5. Elektronik 4,0
  6. Nahrungsmittel 3,7
  7. Elektrotechnik 3,3

*Prognose/Schätzung

Expertenstimme zu Algerien

Peter Schmitz, GTAI-Korrespondent Nordafrika:

Afrika-Experte Peter Schmitz

Afrika-Experte Peter Schmitz

Algerien ist mit rund 2 Milliarden Euro Warenwert ein wichtiger Kunde deutscher Exporteure in Nordafrika. Die Coronakrise und die niedrigeren Ölpreise senken den Spielraum der Regierung. Der politische Umbruch bringt Ungewissheit. Grundsätzlich gibt es aber Chancen: Strukturreformen, Diversifizierung, mehr Privatwirtschaft und Öffnung für ausländische Investoren sind nötig, um Perspektiven für die Bevölkerung zu schaffen. Deutsche Unternehmen sind als Partner zur Förderung der lokalen Produktion und als Techniklieferant gefragt.

SWOT-Analyse

Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Algeriens als Wirtschaftsstandort: Eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Geringe Außenverschuldung
  • Im Regionalvergleich großer Binnenmarkt
  • Zentrale geografische Lage zwischen Europa und Afrika
  • Bedeutende Rohstoffvorkommen (Gas, Öl, Phosphat, Eisenerz)

W (Weaknesses | Schwächen)

  • Kaum diversifizierte Industrie, schwacher Privatsektor
  • Zum Teil fragile Sicherheitslage
  • Geringe Transparenz, teilweise schwerfällige Bürokratie
  • Unsicherheit über wirtschaftspolitische Reformfähigkeit

O (Opportunities | Chancen)

  • Verbesserte Bedingungen für ausländische Investoren
  • Diversifizierung der Wirtschaft
  • Erschließung neuer Öl- und Gasfelder
  • Nachholbedarf bei der Digitalisierung

T (Threats | Risiken)

  • Hohe Abhängigkeit vom Öl- und Gassektor
  • Ausweitung des staatliches Defizits
  • Sinkende Devisenreserven
  • Hohe Jugendarbeitslosigkeit

Potenzialbranchen


Bauwirtschaft

Gesunkene Öl- und Gaseinnahmen führen dazu, dass staatlich finanzierte Projekte verschoben oder ganz gestrichen werden. Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums muss dennoch weiter in Wohnungsbau und in Infrastruktur investiert werden. Bis Ende 2024 sollen 1,5 Millionen neue Wohnungen gebaut werden.

Chemie

In der Phosphatindustrie sticht der geplante Phosphatkomplex in Tébessa mit Kosten von rund 6 Milliarden US-Dollar (US$) als zentrales Projekt hervor. Der algerische Markt für Medikamente ist zukunftsträchtig und könnte im Jahr 2021 rund 4 Milliarden US$ erreichen. Etliche ausländische Hersteller produzieren bereits im Land.

Energiewirtschaft

Das große Potenzial der erneuerbaren Energien soll besser genutzt und die installierte Kapazität an Solarenergie bis 2024 um 4 Gigawatt gesteigert werden. Aktuell sind es laut der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) erst 423 Megawatt. Bisher beruht die Elektrizitätsgewinnung zu 98 Prozent auf der Verbrennung von Gas. Das Land könnte durch die bessere Nutzung der Solarenergie mehr Gaskapazitäten für den Export generieren. 

Automobil

Positiv zu vermerken ist, dass der Joint-Venture-Zwang bei einer Kfz-Produktion im Land entfallen ist. Die algerische Regierung hat mit den Finanzgesetzen 2020 aber das bisherige Regime zur begünstigten Einfuhr von Kfz-Montagekits abgeschafft. Die bereits eröffneten sowie geplanten Montagewerke ausländischer Hersteller müssen sich auf neue Regeln einstellen, die einen steigenden Grad an lokaler Wertschöpfung festlegen.

Nahrungsmittel

Maßnahmen, wie die Errichtung von regionalen Agrarzentren oder Zuschüsse und Kredite für Investoren, sollen die Entwicklung der Branche unterstützen. Zudem verlangt eine stark wachsende Bevölkerung nach einem immer größeren Angebot an Nahrungsmitteln. Die Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungsgütern dürfte weiter anziehen. Ausländische Hersteller spielen eine große Rolle, da die Konkurrenz durch lokale Maschinenbauer gering ist. 

Bergbau und Rohstoffe

Das seit langem erwartete neue Kohlenwasserstoffgesetz ist am 1. Januar 2020 in Kraft getreten. Wichtigste Punkte sind mehr mögliche Vertragstypen mit dem staatlichen Öl- und Gaskonzern SONATRACH sowie eine niedrigere Besteuerung. Dies soll dringend benötigte Investitionen ausländischer Unternehmen ankurbeln, um den Trend zurückgehender Exporteinnahmen aufzuhalten.

Der Branchencheck-Algerien enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Informationen zum Wirtschaftsrecht finden Sie in der GTAI-Publikation Recht kompakt Algerien.

Zoll- und Einfuhrregelungen

Einen ersten Überblick über die bezüglich der Wareneinfuhr in Algerien zu beachtenden Vorschriften finden Sie in der Publikation Zoll und Einfuhr kompakt Algerien.

Arbeitsmarkt und Löhne

Die Prognosen für die Entwicklungen am algerischen Arbeitsmarkt sind ungünstig, die Arbeitslosigkeit steigt. Dies ist nicht nur auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, sondern auch auf sinkende Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft und einer politischen Krise in 2019. Die Gehälter im öffentlichen Sektor sind höher als in der Privatwirtschaft. Allgemein steigen die Reallöhne in Algerien langsamer als das allgemeine Preisniveau.  

Einen detaillierten Überblick über die Lage am Arbeitsmarkt, Löhne und den arbeitsrechtlichen Rahmen in Algerien gibt die GTAI-Publikation Lohn- und Lohnnebenkosten Algerien
 

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Algerien sind es seitens der Geber besonders EU-Institutionen, die Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereitstellen. Darüber hinaus bieten auch viele weitere öffentliche und private Investitionsvorhaben Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. Ausschreibungen gibt es sowohl für den Einkauf von Consultingleistungen als auch für Liefer- und Bauleistungen.

Bei Germany Trade & Invest finden Sie aktuelle

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