Das Länderprofil wurde zuletzt im April 2021 aktualisiert.

Algerien ist als größtes Land des afrikanischen Kontinents ein bedeutender ökonomischer Akteur. Bestimmend für die Wirtschaft sind Förderung und Export von Erdöl und -gas. Angesichts stark gesunkener Einnahmen und den Folgen der Coronakrise hat sich die Haushaltslage weiter verschärft. Im Unterschied zu anderen Ländern der Region greift Algerien bisher nicht auf Hilfe von Geberinstitutionen, wie dem Internationalen Währungsfonds zurück. 

Algerien setzt auch auf mehr ausländische Investoren vor allem im Energiesektor. Die politische und wirtschaftliche Perspektive wird vor allem von der Reformbereitschaft des seit Dezember 2019 amtierenden Präsidenten Tebboune abhängen. Schnelle Fortschritte hin zu einer wirtschaftlichen Diversifizierung sind weiter dringend geboten.


Hinweis

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Algeriens Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest.

Daten und Fakten

Algerien

Der Africa Business Guide liefert Ihnen mit den wichtigsten Wirtschaftsdaten einen ersten Länderüberblick zu Algerien.

Offizieller Name: Demokratische Volksrepublik Algerien

Hauptstadt: Algier

Geschäftssprachen: Arabisch, Französisch

Einwohner:  ca. 43,9 Millionen (2020)*

Durchschnittsalter Ø 28 (2019)*

Bevölkerungswachstum: 1,8 % (2020)*

Währung & Wechselkurs (September 2020): Algerischer Dinar (DA); 1 Euro = 151,215

BIP pro Kopf: 3.898 US$ (2019)*

BIP-Wachstum: -5,5% (2020)*

Ausländische Direktinvestitionen: 31,96 Mrd in US$  (2019)*

Wichtigste deutsche Einfuhrgüter (2019*; in % der Gesamteinfuhr):

  1. Erdöl 58,5
  2. Petrochemie 33,5
  3. Chem. Erzeugnisse 5,0
  4. Nahrungsmittel 1,9
  5. Rohstoffe (außer Brennstoffe) 0,3
  6. Maschinen 0,1

Deutsche Ausfuhren: 2.037,2 Millionen Euro (2019)*

Wichtigste deutsche Ausfuhrgüter (2019*; in % der Gesamtausfuhr):

  1. Kfz und -Teile 23,3
  2. Maschinen 21,4
  3. Chemische Erzeugnisse 16,8
  4. Eisen und Stahl 6,0
  5. Elektronik 4,0
  6. Nahrungsmittel 3,7
  7. Elektrotechnik 3,3

*Prognose/Schätzung

Quelle: Wirtschaftsdaten kompakt - Algerien von Germany Trade & Invest 

Expertenstimme zu Algerien

Peter Schmitz, GTAI-Korrespondent Nordafrika:

Afrika-Experte Peter Schmitz

Afrika-Experte Peter Schmitz

Algerien ist mit rund 2 Milliarden Euro Warenwert ein wichtiger Kunde deutscher Exporteure in Nordafrika. Die Coronakrise und die niedrigeren Ölpreise senken den Spielraum der Regierung. Der politische Umbruch bringt Ungewissheit. Grundsätzlich gibt es aber Chancen: Strukturreformen, Diversifizierung, mehr Privatwirtschaft und Öffnung für ausländische Investoren sind nötig, um Perspektiven für die Bevölkerung zu schaffen. Deutsche Unternehmen sind als Partner zur Förderung der lokalen Produktion und als Techniklieferant gefragt.

SWOT-Analyse

Germany Trade & Invest beleuchtet Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Algeriens als Wirtschaftsstandort und gibt eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Geringe Außenverschuldung
  • Im Regionalvergleich großer Binnenmarkt
  • Zentrale geografische Lage zwischen Europa und Afrika
  • Bedeutende Rohstoffvorkommen (Gas, Öl, Phosphat, Eisenerz)

W (Weaknesses | Schwächen)

  • Kaum diversifizierte Industrie, schwacher Privatsektor
  • Zum Teil fragile Sicherheitslage
  • Geringe Transparenz, teilweise schwerfällige Bürokratie
  • Unsicherheit über wirtschaftspolitische Reformfähigkeit

O (Opportunities | Chancen)

  • Verbesserte Bedingungen für ausländische Investoren
  • Diversifizierung der Wirtschaft
  • Erschließung neuer Öl- und Gasfelder
  • Nachholbedarf bei der Digitalisierung

T (Threats | Risiken)

  • Hohe Abhängigkeit vom Öl- und Gassektor
  • Ausweitung des staatliches Defizits
  • Sinkende Devisenreserven
  • Hohe Jugendarbeitslosigkeit

Potenzialbranchen


Bauwirtschaft

Gesunkene Öl- und Gaseinnahmen führen dazu, dass staatlich finanzierte Projekte verschoben oder ganz gestrichen werden. Durch die Pandemie verschärft sich die Krise der Branche. Türkische und chinesische Unternehmen führen die großen Bauprojekte durch. Die Regierung will den Devisenabfluss jedoch eindämmen und algerische Bauunternehmen stärker einbeziehen.

Chemie

Neben der Petrochemie könnten die Verarbeitung von Phosphat und die Pharmaindustrie in Zukunft an Gewicht gewinnen. Inzwischen sind über 100 Pharma-Unternehmen in Algerien aktiv. Der algerische Markt für Medikamente ist zukunftsträchtig und könnte im Jahr 2021 rund 4 Milliarden US$ erreichen. Europa und andere Länder des afrikanischen Kontinents sind für den Export interessant.

Energiewirtschaft

Algerien baut sowohl die konventionelle Energieversorgung als auch die erneuerbaren Energien aus. Gemeinsam mit dem deutsch-schweizerischen Unternehmen Terra Sola soll ein Industriepark für erneuerbare Energien entstehen. Zudem will Terra Sola bis 2024 weitere Solarparks im Land installieren.

Nahrungsmittel

Die lokale Nahrungsmittelproduktion ist für Algerien wichtig, um Importe zu verringern. Vor allem der Bedarf an Maschinen und Ausrüstungsgütern dürfte weiterwachsen. Da kaum lokale Maschinenbauer existieren, sind ausländische Produzenten beim Ausbau gefragt.
Bergbau und RohstoffeAlgerien verfügt, neben den dominierenden Ressourcen an Öl und Gas, über enorme Reserven anderer Bodenschätze. Ein neues Vorhaben ist eine Zinkmine in der Nähe des Mittelmeerhafens Bejaia. In Gara Djebilet, im Südosten des Landes, gibt es zudem Pläne zum Abbau von Eisen.
Textil und BekleidungDie Textilindustrie gilt, neben dem  Öl- und Gassektor, als wichtige Wachstumsbranche. Sie ist Hoffnungsträger und soll die notwendigen Arbeitsplätze schaffen. Trotz des neuen Textilzentrums Tayal ging die Produktion der algerischen Textilindustrie 2020 im Zuge der Coronakrise um etwa 26 Prozent zurück.

Gesundheitswirtschaft

Die Absatzchancen für Medizintechnik nehmen zu. Der Markt wuchs in den letzten Jahren um mehr als zehn Prozent jährlich. Der Bedarf wird fast ausschließlich importiert. Das Gesundheitsministerium will die Digitalisierung vorantreiben und die Telemedizin weiter ausbauen.

Der Branchencheck-Algerien enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Unterstützung beim Markteinstieg

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWi-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Algerien zu erleichtern.

>> Aktuelle Veranstaltungen zum Zielmarkt Algerien

Sicherheitstechnologie

Das BMWi-Markterschließungsprogramm hat 2019 eine Geschäftsanbahnungsreise zum Thema Zivile Sicherheitstechnologien und -dienstleistungen in Algerien durchgeführt und dazu eine Zielmarktanalyse veröffentlicht.

Energiewirtschaft

Die Exportinitiative Energie hat 2018 eine Zielmarktanalyse Algerien: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Gewerbe und Landwirtschaft in Kooperation mit der Deutsch-Algerischen Industrie- und Handelskammer (AHK Algerien) veröffentlicht.

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Das Rechtssystem Algeriens ist stark an das koloniale, französische Vorbild angelehnt. Aber auch Ausprägungen von britischem und islamischem Recht sind in der algerischen Rechtsordnung zu finden. Der Einfluss der Scharia hält sich insbesondere im Wirtschaftsrecht allerdings in Grenzen. Seit 2019 ist es ausländischen Investoren, mit einigen Ausnahmen, erlaubt, bis zu 100 Prozent an algerischen Unternehmen zu halten. Die gängigsten Gesellschaftsformen in Algerien sind die „société par actions“, in etwa eine deutsche Aktiengesellschaft sowie die „société à responsabilité limitée“, die Entsprechung zur deutschen Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 

Zoll- und Einfuhrregelungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Algerien sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regeln zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Arbeitsmarkt und Löhne

Die Prognosen für die Entwicklungen am algerischen Arbeitsmarkt sind ungünstig, die Arbeitslosigkeit steigt. Dies ist nicht nur auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, sondern auch auf sinkende Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft und einer politischen Krise in 2019. Die Gehälter im öffentlichen Sektor sind höher als in der Privatwirtschaft. Allgemein steigen die Reallöhne in Algerien langsamer als das allgemeine Preisniveau.  

Einen detaillierten Überblick über die Lage am Arbeitsmarkt, Löhne und den arbeitsrechtlichen Rahmen in Algerien gibt die GTAI-Publikation Lohn- und Lohnnebenkosten Algerien
 

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Algerien sind es seitens der Geber besonders EU-Institutionen, die Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereitstellen. Darüber hinaus bieten auch viele weitere öffentliche und private Investitionsvorhaben Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. Ausschreibungen gibt es sowohl für den Einkauf von Consultingleistungen als auch für Liefer- und Bauleistungen.

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