Das Länderprofil wurde zuletzt im Oktober 2020 aktualisiert.

Angola ist nach Nigeria der zweitgrößte Erdölproduzent in Afrika. Die in den Jahren hoher Ölpreise reichlich fließenden Einnahmen haben nach Ende des Bürgerkrieges 2002 zu einer sehr einseitigen Ausrichtung der Wirtschaft geführt. Die Wirtschaftspolitik war in hohem Maße von Missmanagement und Korruption gekennzeichnet. Seit einigen Jahren versucht das Land gegenzusteuern und andere Sektoren zu fördern.

Investitionen in die Infrastruktur sind wichtiger Teil der Anstrengungen, haben allerdings zu einem starken Anstieg der öffentlichen Verschuldung geführt, da die Öleinnahmen infolge gesunkener Preise und stagnierender Förderung eingebrochen sind. Die Regierung in Luanda hat seit 2018 notwendige Reformen angestoßen, sieht sich aber durch die Coronakrise bei der angestrebten Neuordnung erheblichen Herausforderungen gegenüber.


Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Angolas Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest.

Daten und Fakten

Angola

Der Africa Business Guide liefert Ihnen mit den wichtigsten Wirtschaftsdaten einen ersten Länderüberblick zu Angola.

Offizieller Name: Republik Angola

Hauptstadt: Luanda

Geschäftssprache: Portugiesisch

Einwohner: ca. 31,8 Millionen (2019)*

Durchschnittsalter: Ø 16,3 (2019)*

Bevölkerungswachstum: 3,2% (2019)*

Währung & Wechselkurs (März 2020): Kwanza (Kz), 1 Euro = 594,414 Kz

BIP pro Kopf: 3.038 US$ (2019)*

BIP-Wachstum: -1,5% (2019)*

Ausländische Direktinvestitionen: 23,7 Mrd. US$ (2018)*

Wichtigste deutsche Einfuhrgüter (2019*; in % der Gesamteinfuhr):

  1. Rohstoffe (außer Brennstoffe) 23,4%
  2. Mess-/ Regeltechnik 16,6%
  3. Maschinen 6,7%
  4. Elektronik 1,8
  5. Metallwaren 0,9%
  6. Nahrungsmittel 0,6%
  7. Elektrotechnik 0,6%
  8. Textilien/ Bekleidung 0,5%
  9. Getränke/ Tabak 0,1%

Deutsche Ausfuhren: 127,98 Millionen Euro (2019)*

Wichtigste deutsche Ausfuhrgüter (2019*; in % der Gesamtausfuhr):

  1. Maschinen 28,2%
  2. Nahrungsmittel 14,1%
  3. Chemische Erzeugnisse 13,6%
  4. Elektronik 11,4%
  5. Kfz und Kfz-Teile 8,4%

*Prognose/Schätzung

Expertenstimme zu Angola

Vandré Spellmeier, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Angola:

Angola-Experte Vandré Spellmeier

Angola-Experte Vandré Spellmeier

Angola hat seit Ende des Bürgerkrieges boomende Jahre der Wirtschaft erlebt und teilweise zweistellige Wachstumsraten verzeichnet. Seit 2015 geht das Land durch eine Krise, hauptsächlich wegen des niedrigen Ölpreises, der großen Einfluss auf das BIP und den Haushalt Angolas hat. Die Wirtschaftsreformen, die seit dem Regierungswechsel vor circa drei Jahren, umgesetzt werden, sowie das neue Investitionsgesetz, tragen dazu bei, dass das Land für ausländische Investitionen wieder attraktiver wird. Geschäftspotenziale für deutsche Unternehmen gibt es in Angola weiterhin in den Branchen Nahrungsmittel, Landwirtschaft, Medizin, Bau, Infrastruktur und Energie.

SWOT-Analyse

Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Angolas als Wirtschaftsstandort: Eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Dringend nötige Reformen werden umgesetzt
  • Erfolge in der Korruptionsbekämpfung
  • Stabile außenwirtschaftliche Stellung
  • Ständige Erweiterung der Infrastruktur
  • Klimatisch gute Anbaubedingungen


W (Weaknesses | Schwächen)

  • Große Abhängigkeit vom Erdölsektor
  • Regionen sehr unterschiedlich entwickelt
  • Korruption sowie ineffiziente Verwaltung und Justiz
  • Auf Einfuhr von Nahrungsmitteln angewiesen

O (Opportunities | Chancen)

  • Investitionen in wenig erschlossene Mineralvorkommen
  • Ausschöpfen des großen landwirtschaftlichen Potenzials
  • Besseres Geschäftsklima durch verminderte Korruption
  • Tourismus als weitere Einnahmemöglichkeit
  • Ansiedlung verarbeitender Industrien


T (Threats | Risiken)

  • Niedrige Weltmarktpreise für Öl und Gas
  • Sinkende Erdölförderung
  • Wenig private Investitionen
  • Fehlschlagen der Reformpolitik
  • Soziale Spannungen

Potenzialbranchen


Bauwirtschaft

Knappe Staatseinnahmen und hohe Schuldenlast bremsen die Bauaktivität. Begonnene oder finanzierte Vorhaben dürften jedoch umgesetzt werden. Durch die angespannte Budgetsituation werden öffentlich-private Partnerschaften wichtiger.

Bergbau und Rohstoffe

Eine nationale Agentur für Mineralressourcen übernimmt die Steuerung der Aktivitäten. Die Öffnung des Sektors in Kombination mit kaum erschlossenen Vorkommen an Mineralien soll Angola für internationale Investoren zunehmend attraktiv machen. Mit einer institutionellen Neuordnung und Ausschreibungen neuer Felder will Angola Investitionen in die Exploration und Förderung von Erdöl anregen. Der Preissturz infolge der Coronakrise macht hierbei einen Strich durch die Rechnung.

Chemie

Das Ölförderland will seine Raffineriekapazitäten ausbauen, da bisher nur rund 20 Prozent des inländischen Kraftstoffbedarfs gedeckt werden können. Bei mehreren Projekten gibt es allerdings Verzögerungen.

Energiewirtschaft

Im Jahr 2018 waren lediglich 37 Prozent aller Haushalte an das Stromnetz angeschlossen. Vor allem in der Wasserkraft werden zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Solarenergie kommt ergänzend dazu. Auf dem Plan stehen auch Übertragungsleitungen und eine bessere lokale Verteilung.

Gesundheitswirtschaft

Es besteht hoher Bedarf an zusätzlichen Krankenhäusern, Ärzten und Medikamenten. Die Rezession der letzten Jahre hat den Gesundheitssektor jedoch stark getroffen. Die Regierung versucht gegenzusteuern und treibt in verschiedenen Landesteilen Krankenhausprojekte voran.

Landwirtschaft

Nur etwa 10 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden bewirtschaftet – Folge des Bürgerkriegs und des Ölbooms. Mit der Privatisierung staatlicher Großfarmen will Luanda die Produktion ankurbeln. Eigenversorgung ist das Ziel.

Nahrungsmittel

Angola muss einen großen Teil der benötigten Nahrungsmittel importieren. Der Ausbau der Nahrungsmittelverarbeitung hat daher Priorität. Engpässe sind eine unzureichende Infrastruktur und fehlende Fachkräfte.

Der Branchencheck-Angola enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Germany Trade & Invest informiert über alle Themen des Marktzugangs in Angola.

Rechtlicher Rahmen und Einfuhrbestimmungen

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Angola sind verschiedene bilaterale und multilaterale Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereit. Aus diesen geberfinanzierten Projekten resultieren Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

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