Algerien ist als flächenmäßig größtes Land des afrikanischen Kontinents ein bedeutender ökonomischer Akteur. Bestimmend für die Wirtschaft sind die Förderung und der Export von Erdöl und -gas.

Angesichts stark gesunkener Einnahmen und in Folge der Coronakrise hat sich die Haushaltslage zuletzt weiter verschärft. Im Unterschied zu anderen Ländern der Region greift Algerien bisher nicht auf Hilfe von Geberinstitutionen, wie dem Internationalen Währungsfonds, zurück. Das Land muss seine Wirtschaft dringend diversifizieren und hofft auf ausländische Investoren, vor allem im Energiesektor. Die politische und wirtschaftliche Perspektive des Landes wird vor allem von der Reformbereitschaft des seit Dezember 2019 amtierenden Präsidenten Tebboune abhängen.

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Algeriens Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest.



Das Länderprofil wurde zuletzt im Juni 2021 aktualisiert.

Daten und Fakten Algerien

Expertenstimme

Porträt Monika Erath - Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Algerien

Monika Erath - Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Algerien

Algerien treibt den Aufbau der inländischen Wertschöpfung stark voran. Ehrgeizige Großprojekte wie der Hafenbau in Cherchell, mit dem bis 2025 einer der größten Container-Seehäfen weltweit geplant ist, sollen die Braubranche und den Dienstleistungssektor ankurbeln. Insbesondere Maschinen und technische Anlagen sind gefragt. Für deutsche Unternehmen ergeben sich auch durch die Abschaffung der 49/51 Prozent-Regel, und damit des seit 2009 geltenden Joint-Venture-Zwangs, interessante Chancen. Dafür bedarf es einer klaren Rechtssicherheit.

Dr. Monika Erath Geschäftsführerin der Deutsch-Algerischen Industrie- und Handelskammer

SWOT-Analyse

S

Strengths Stärken

  • Großer Binnenmarkt mit mehr als 43 Millionen Einwohnern
  • Ergiebige Rohstoffvorkommen (Öl, Gas, Phosphat, Eisenerz)
  • Geografische Nähe zu Europa
  • Geringe Außenverschuldung
W

Weaknesses Schwächen

  • Hohe externe Abhängigkeit von Exporten bei Öl und Gas sowie bei Nahrungsmittel- und Ausrüstungsgüterimporten
  • Kaum diversifizierte Industrie, schwacher Privatsektor
  • Politische Intervention, schwerfällige Verwaltung
  • Hohe Jugendarbeitslosigkeit
O

Opportunities Chancen

  • Verbesserte Investitionsbedingungen für ausländische Unternehmen
  • Erschließung neuer Öl- und Gasfelder
  • Großes Potenzial für erneuerbare Energien und Tourismus
  • Diversifizierung der Wirtschaft
  • Nachholbedarf bei der Digitalisierung
T

Threats Risiken

  • Wieder aufflammende Demonstrationen
  • Abhängigkeit von Weltmarktpreisen für Rohstoffe
  • Ausweitung des staatlichen Defizits
  • Zum Teil fragile Sicherheitslage
  • Volatile politische Lage

Potenzialbranchen

Bauwirtschaft

Gesunkene Öl- und Gaseinnahmen führen dazu, dass staatlich finanzierte Projekte verschoben oder ganz gestrichen werden. Durch die Pandemie verschärft sich die Krise der Branche. Türkische und chinesische Unternehmen führen die großen Bauprojekte durch. Die Regierung will den Devisenabfluss jedoch eindämmen und algerische Bauunternehmen stärker einbeziehen.

Chemie

Neben der Petrochemie könnten die Verarbeitung von Phosphat und die Pharmaindustrie in Zukunft an Gewicht gewinnen. Inzwischen sind über 100 Pharma-Unternehmen in Algerien aktiv. Der algerische Markt für Medikamente ist zukunftsträchtig. Europa und andere Länder des afrikanischen Kontinents sind für den Export interessant.

Energiewirtschaft

Algerien baut sowohl die konventionelle Energieversorgung als auch die erneuerbaren Energien aus. Gemeinsam mit dem deutsch-schweizerischen Unternehmen Terra Sola soll ein Industriepark für erneuerbare Energien entstehen. Zudem will Terra Sola bis 2024 weitere Solarparks im Land installieren.

Nahrungsmittel

Die lokale Nahrungsmittelproduktion ist für Algerien wichtig, um Importe zu verringern. Vor allem der Bedarf an Maschinen und Ausrüstungsgütern dürfte weiterwachsen. Da kaum lokale Maschinenbauer existieren, sind ausländische Produzenten beim Ausbau gefragt.

Bergbau und Rohstoffe

Algerien verfügt, neben den dominierenden Ressourcen an Öl und Gas, über enorme Reserven anderer Bodenschätze. Ein neues Vorhaben ist eine Zinkmine in der Nähe des Mittelmeerhafens Bejaia. In Gara Djebilet, im Südosten des Landes, gibt es zudem Pläne zum Abbau von Eisen.

Textil und Bekleidung

Die Textilindustrie gilt, neben dem  Öl- und Gassektor, als wichtige Wachstumsbranche. Sie ist Hoffnungsträger und soll die notwendigen Arbeitsplätze schaffen.

Gesundheitswirtschaft

Die Absatzchancen für Medizintechnik nehmen zu. Der Markt wuchs in den letzten Jahren um mehr als zehn Prozent jährlich. Der Bedarf wird fast ausschließlich importiert. Das Gesundheitsministerium will die Digitalisierung vorantreiben und die Telemedizin weiter ausbauen.

Der Branchencheck-Algerien enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtlicher Rahmen

Gewerbliche Wareneinfuhr und Zoll

Arbeitsmarkt und Löhne

Die Prognosen für die Entwicklungen am algerischen Arbeitsmarkt sind ungünstig, die Arbeitslosigkeit steigt. Dies ist nicht nur auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, sondern auch auf sinkende Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft und einer politischen Krise in 2019. Die Gehälter im öffentlichen Sektor sind höher als in der Privatwirtschaft. Allgemein steigen die Reallöhne in Algerien langsamer als das allgemeine Preisniveau.  

Einen detaillierten Überblick über die Lage am Arbeitsmarkt, Löhne und den arbeitsrechtlichen Rahmen in Algerien gibt die GTAI-Publikation Lohn- und Lohnnebenkosten Algerien
 

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Algerien sind es seitens der Geber besonders EU-Institutionen, die Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereitstellen. Darüber hinaus bieten auch viele weitere öffentliche und private Investitionsvorhaben Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. Ausschreibungen gibt es sowohl für den Einkauf von Consultingleistungen als auch für Liefer- und Bauleistungen.

Einen Überblick über Geschäftschancen bei öffentlichen Aufträgen gibt Germany Trade & Invest (GTAI) im Bericht Entwicklungszusammenarbeit mit Algerien. Bei GTAI finden Sie zudem aktuelle

Unterstützung beim Markteinstieg in Algerien

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWK-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Algerien zu erleichtern.

Unabhängig von der Branche und vom Zielland können Unternehmen die "Beratungsgutscheine Afrika" in Anspruch nehmen. Das Förderprogramm des BMWK unterstützt den Markteinstieg deutscher KMU in Afrika mit bis zu 75 Prozent der Kosten für maximal 15 Beratertage. 

Energiewirtschaft

Die Exportinitiative Energie hat 2018 eine Zielmarktanalyse Algerien: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Gewerbe und Landwirtschaft veröffentlicht. Herausgeber ist die AHK Algerien.

Gesundheitswirtschaft

Algerien war ein Zielland des Pilotprojektes "Gesundheitswirtschaft in Nordafrika" des Wirtschaftsnetzwerks Afrika. Im Rahmen dieses Projektes wurde 2021 eine Marktstudie veröffentlicht.

Cover Marktstudie Gesundheitswirtschaft in Nordafrika

Marktstudie Nordafrika

Marktstudie zu den Entwicklungen des Gesundheitssektors in Ägypten, Algerien, Marokko und Tunesien sowie zu Geschäftschancen für deutsche Unternehmen.

Sicherheitstechnologie

Im Rahmen des BMWK-Markterschließungsprogramms hat die Deutsch-Algerische Industrie- und Handelskammer (AHK Algerien) 2019 eine Geschäftsanbahnungsreise zum Thema Zivile Sicherheitstechnologien und -dienstleistungen in Algerien durchgeführt und dazu eine Zielmarktanalyse veröffentlicht.

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