Angola ist nach Nigeria der zweitgrößte Erdölproduzent in Afrika. Über 80 Prozent der angolanischen Exporte entfallen auf Rohöl. Der Staatshaushalt hängt wesentlich von den Öleinnahmen und damit den globalen Preisentwicklungen ab. Nach Jahren mit sinkendem Wirtschaftswachstum sorgt ein steigender Ölpreis seit Anfang 2022 für Entlastung. Die Diversifizierung der angolanischen Wirtschaft bleibt jedoch die zentrale Zukunftsaufgabe. 

Gute landwirtschaftliche Bedingungen bieten vielversprechende Voraussetzungen für die Nahrungsmittelproduktion. Durch den Abbau alternativer Rohstoffe könnten weitere Mittel für den dringend notwendigen Ausbau der Infrastruktur gewonnen werden. Der Tourismus hat großes Potenzial. Eine lange Küstenlinie mit mehreren Häfen, fruchtbare Böden mit ausreichend Niederschlag wie auch touristische Highlights bieten gute Bedingungen, dass sich neue Wirtschaftszweige entwickeln können.

Das Länderprofil wurde zuletzt im Juli 2022 aktualisiert.

Angola-Experte Vandré Spellmeier

Angola-Experte Vandré Spellmeier

Nach fünf Jahren Krise kam 2021 die Trendwende; in den kommenden Jahren soll die angolanische Wirtschaft zwischen 3 und 4 Prozent jährlich wachsen. Zwar hat der gestiegene Ölpreis kurzfristig zum Wirtschaftswachstum beigetragen, doch sind es die eingeführten und in Gang gesetzten Reformen, die mittel- und langfristig zur Stabilisierung und Diversifizierung der Wirtschaft beitragen werden. Chancen gibt es unter anderem im Energiesektor, der durch das Potenzial für die Produktion von grünem Wasserstoff und das Deutsch-Angolanische Wasserstoffbüro (H2-diplo) an Bedeutung gewinnt.

Vandré Spellmeier Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Angola

Daten und Fakten Angola

SWOT-Analyse

S

Strengths Stärken

  • Dringend nötige Reformen werden umgesetzt
  • Erfolge in der Korruptionsbekämpfung
  • Solide außenwirtschaftliche Position
  • Stetiger Ausbau der Infrastruktur 
  • Klimatisch gute Anbaubedingungen
W

Weaknesses Schwächen

  • Starke Abhängigkeit vom Erdölsektor
  • Korruption sowie ineffiziente Verwaltung und Justiz
  • Hohe öffentliche Verschuldung
  • Große räumliche Disparitäten
  • Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten
O

Opportunities Chancen

  • Investitionen in kaum erschlossene Mineralvorkommen
  • Nutzung des großen landwirtschaftlichen Potenzials
  • Reduzierte Korruption verbessert Geschäftsklima
  • Tourismus als zusätzliche Einnahmequelle
  • Aufbau verarbeitender Industrien
T

Threats Risiken

  • Niedrige Weltmarktpreise für Öl und Gas
  • Fallende Erdölförderung
  • Geringe private Investitionen
  • Scheitern der Reformpolitik
  • Soziale Konflikte

Potenzialbranchen

Bauwirtschaft

Eine hohe Staatsverschuldung bieten dem Staat wenig Spielraum für Investitionen. Begonnene oder finanzierte Vorhaben dürften jedoch umgesetzt werden. Öffentlich-private Partnerschaften werden wichtiger. Auch wenn sich oft chinesische Bauunternehmen die Generalaufträge sichern können, gibt es im Bereich Planung, Ingenieurbau und Bauüberwachung durchaus auch Chancen für deutsche Unternehmen.

Bergbau und Rohstoffe

Angola will mehr alternative Rohstoffe fördern, um sich vom Erdöl unabhängiger zu machen. Dabei stehen Diamanten und Phosphat im Vordergrund, aber auch bei Kobalt, Kupfer, Nickel und Lithium sowie Eisenerz gibt es Explorationsvorhaben. Eine neu geschaffene nationale Agentur für Mineralressourcen soll alle Aktivitäten steuern. Die Bedeutung des Ölsektors wird sich tendenziell verringern.

Chemie

Das Ölförderland will seine Raffineriekapazitäten ausbauen, da bisher nur rund 20 Prozent des inländischen Kraftstoffbedarfs gedeckt werden. Bei mehreren Projekten gibt es allerdings Verzögerungen. Mit dem beginnenden Abbau der Phosphatvorkommen kann der Grundstock für eine Düngemittelindustrie gelegt werden.

Energiewirtschaft

Derzeit sind lediglich rund 40 Prozent aller Haushalte an das Stromnetz angeschlossen. Vor allem Wasserkraft und Solarenergie sollen zusätzliche Kapazitäten schaffen. Auf dem Plan stehen auch Übertragungsleitungen und eine bessere lokale Verteilung. Seit Februar 2021 unterstützt die Weltbank die Entwicklung der Elektrizitätsversorgung mit 250 Millionen US-Dollar (US$).

Gesundheitswirtschaft

Die Weltbank sagte im Herbst 2019 für den Ausbau des Gesundheitssektors 110 Millionen US$ zu. Landesweit entstehen neue Krankenhausprojekte, darunter große Vorhaben mit rund 200 Betten.

Landwirtschaft

Um die Abhängigkeit von Nahrungsmitteln zu verringern, hat die Regierung 2019 eine Liste mit 54 Produkten veröffentlicht, die lokal beschafft werden sollen(PRODESI). Zudem werden Logistikzentren in verschiedenen Provinzen aufgebaut, um den Marktzugang für Kleinbauern zu verbessern.

Nahrungsmittel

Vor dem Bürgerkrieg war Angola Exporteur zahlreicher landwirtschaftlicher Produkte. Daran will das Land wieder anknüpfen und baut in mehreren Landesteilen Wertschöpfungsketten und Logistik wieder auf. Zuletzt wurde vor allem in Vorstufen der Produktion, wie Mühlen, investiert. Das verstetigt den Nachschub für nachgelagerte Betriebe und legt die Basis für eine breit aufgestellte Nahrungsmittelverarbeitung. Das Privatisierungsprogramm der Regierung bietet Einstiegschancen.

Der Branchencheck-Angola enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtlicher Rahmen

Gewerbliche Wareneinfuhr und Zoll

 

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Angola sind verschiedene bilaterale und multilaterale Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereit. Aus diesen geberfinanzierten Projekten resultieren Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

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Unterstützung beim Markteinstieg in Angola

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWK-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Angola zu erleichtern.

Unabhängig von der Branche und vom Zielland können Unternehmen die "Beratungsgutscheine Afrika" in Anspruch nehmen. Das Förderprogramm des BMWK unterstützt den Markteinstieg deutscher KMU in Afrika mit bis zu 75 Prozent der Kosten für maximal 15 Beratertage. 

Wasser und Umwelt

Angola gehört zu den Zielländern des Projektes "Abfallwirtschaft im südlichen Afrika" des Wirtschaftsnetzwerks Afrika. Am 31.03.2022 gibt es eine digitale Informationsveranstaltung zum Projekt. Zudem können Unternehmen im Rahmen des Projektes bis zu 40 Stunden kostenloser Beratung in Anspruch nehmen. Weitere Informationen gibt es im Infoletter oder bei der Geschäftsstelle des Wirtschaftsnetzwerks Afrika

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