Die Teilnehmer werden auf die WorldSkills 2023 vorbereitet, unterstützt durch Christiani Africa.

Vorbereitung der Teilnehmer auf die Worldskills 2023 mit Unterstützung von Christiani Africa

Die duale Ausbildung nach deutschen Standards erfreut sich weltweit großer Beliebtheit, und auch in Afrika steigt die Nachfrage. Christiani bietet seit knapp 90 Jahren Produkte und Dienstleistungen für die technische Ausbildung an – von der dualen Ausbildung bis hin zu digitalen Lösungen wie E-Learning und Virtual Reality in Prüfungen. Das Unternehmen unterstützt umfassend Bildungseinrichtungen und hat bereits erfolgreich Projekte in Ländern wie Südafrika, Namibia, Mosambik, Botsuana, Äthiopien und Ägypten abgewickelt. Für die Zukunft plant Christiani den Aufbau eines Hubs in Südafrika, um von dort aus maßgeschneiderte Lösungen für die technische Ausbildung weltweit anzubieten. Im Interview gewährt Harald Fleischmann, Geschäftsführer Christiani Africa in Johannesburg, Einblicke in den Bildungssektor sowie die Vermarktung der Produkte und Dienstleistungen.

Lokales Interesse an Dualausbildung nach deutschen Standards steigt

Harald Fleischmann, Geschäftsführer Christiani Africa Christiani Harald Fleischmann, Geschäftsführer Christiani Africa

Herr Fleischmann, welche Produkte und Dienstleistungen bietet Christiani Africa im Bereich der dualen Ausbildung an?

Unsere Kernkompetenz liegt in der umfassenden Unterstützung von technischen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen wie Universitäten, Fachhochschulen und Berufsschulen. Hier reicht unser Angebot vom Lehrmaterial bis zur kompletten Ausstattung – dazu zählen E-Learning und Virtual Reality-Lösungen genauso wie Werkzeuge, Bücher und Übungsstände. Um sicherzustellen, dass unsere Systeme optimal genutzt werden, entwickeln wir spezifische Prüfungsaufgaben und -konzepte. Auch schulen wir Lehrer und Trainees. 

Wie groß ist das Interesse an der dualen Ausbildung nach deutschen Standards?

Unsere Niederlassungen in Europa, Asien und neuerdings auch in Afrika belegen den hervorragenden Ruf, den die duale Ausbildung nach deutschen Standards im Ausland genießt. Es sind nicht nur die deutschen Unternehmen vor Ort, die diesen Standard zur Qualifizierung ihrer Mitarbeiter schätzen, sondern auch lokale Universitäten und Berufsschulen. Diese Institutionen zeigen verstärkt Interesse daran, die bewährten Ausbildungsmethoden in ihre Programme zu integrieren. Und wir sind gerne bereit, sie dabei zu unterstützen.

Wie sind Sie nach Afrika gekommen? 

Ich selbst habe 1995 als Student mit einem Auslandspraktikum in Südafrika angefangen. Ursprünglich hatte ich nicht vor, dort zu bleiben, aber aus diesem Praktikum entstand meine Diplomarbeit und letztendlich eine Anstellung als Ingenieur. Im Jahr 2016 gründete ich mein eigenes Unternehmen in Südafrika, mit Fokus auf virtuelle, projektbasierte Lernmaterialien und Bildungsprojekte. Im Jahr 2022 haben wir mit Christiani unsere Ressourcen in Afrika gebündelt und uns auf digitale, maßgeschneiderte Materialien für die afrikanischen Bildungsmärkte konzentriert. Die Niederlassung in Johannesburg wurde im Oktober 2022 gegründet, und mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team aus vier erfahrenen Mitgliedern.

Kundenerlebnis: Lehrsysteme, Workshops und Schulungen

Welche Vorteile bietet die lokale Niederlassung in Südafrika?

Die lokale Präsenz ist für unsere Kunden von großer Bedeutung. So bekommen sie die Möglichkeit, verschiedene Lehrsysteme hautnah zu erleben und sich direkt von der Vermittlung technischer Lerninhalte durch unsere Lehrmittel zu überzeugen. Zusätzlich bieten wir Workshops und Trainerschulungen an, um sicherzustellen, dass unsere Kunden aktiv eingebunden werden und unsere Softwarelösungen optimal nutzen können.

Wie finden Sie Ihre Kunden und Geschäftspartner?

Seit über 20 Jahren bin ich in dieser Branche in Südafrika aktiv und habe im Laufe der Zeit ein enges Netzwerk erfahrener Experten aufgebaut, auf das ich regelmäßig zurückgreife. Trotzdem ist es wichtig, offen für neue Erfahrungen zu sein und sich aktiv umzuschauen. 

Was bedeutet das genau?

Wir haben beispielsweise an Geschäftsanbahnungsreisen der AHK Südliches Afrika nach Botsuana und Sambia teilgenommen. Das können wir jedem empfehlen, der nach Geschäftspartnern sucht. Nützlich ist auch die Präsenz auf branchenspezifischen Messen vor Ort, insbesondere als Teil des deutschen Gemeinschaftsstandes. Hier können sich interessante Geschäftsmöglichkeiten ergeben. Ein gutes Beispiel dafür war unsere Teilnahme an der eLearning Africa in Senegal im Mai 2022. Dort konnten wir direkt mit potenziellen Kunden in Kontakt treten. Darüber hinaus war es hilfreich, sich beim IHK-Netzwerkbüro Afrika (INA) über aktuelle Fördermöglichkeiten zu informieren. Mit den Ansprechpartnern im Wirtschaftsnetzwerk Afrika bleiben wir auf dem Laufenden über das Afrikageschäft. 

Südafrika als Hub für hochwertige Ausbildungsprodukte

Können Sie uns ein konkretes Projektbeispiel geben? 

Was uns wirklich stolz macht, ist das Trainingssystem für Hochvolttechnik in der Elektromobilität für die Nelson-Mandela-Universität. Dieses Projekt ist eines der ersten seiner Art in Südafrika und verbessert die Ausbildung in der Hochvolttechnik für Kraftfahrzeuge erheblich. Die Studierenden erhalten dadurch Zugang zu den neuesten Kenntnissen und Fähigkeiten und werden so auf die Herausforderungen in den Bereichen Ingenieurwesen und Technik vorbereitet. Wir haben auch Experten aus Deutschland für das gemeinsame “Train the Trainer”-Programm eingeladen. Dieses internationale Fachwissen hat es den Lehrkräften der Nelson-Mandela-Universität ermöglicht, mit unseren Lernsystemen optimale Schulungen durchzuführen.

Welche strategischen Schritte plant Christiani Africa für die Zukunft? 

Unser Ziel ist es, den Standort Südafrika als Zentrum für hochwertige digitale Produkte in der technischen Ausbildung zu etablieren, sowohl für lokale Anforderungen als auch für den deutschen Markt. In Afrika besteht eine große Nachfrage nach digitalen Lösungen, das Interesse an Hardware ist eher begrenzt. Deshalb setzen wir auf E-Learning. Wir experimentieren mit neuen Ansätzen, wie beispielsweise mit der Integration virtueller Realität in Prüfungen. Diese Flexibilität ermöglicht es uns, Dinge auszuprobieren, die in Deutschland vielleicht schwieriger wären. 

Aufbau der Geschäfte dank Netzwerk und Perspektivenwechsel

Was steht noch auf dem Plan?

Im kommenden Jahr werden wir uns auch verstärkt auf Beratungsdienstleistungen konzentrieren. Das bietet uns die Möglichkeit, die internen Systeme von Unternehmen genauer kennenzulernen – was wiederum eine wichtige Grundlage dafür ist, um später Produkte erfolgreich zu vermarkten. 

Was raten Sie anderen Unternehmen, die über einen Markteintritt auf dem afrikanischen Kontinent nachdenken? 

Beim Markteintritt ist ein starkes Netzwerk von entscheidender Bedeutung. Die Erfahrungen anderer zu nutzen hilft dabei, Fehler zu vermeiden. Ebenso wichtig ist ein Perspektivenwechsel, insbesondere bei der Anpassung von Produkten an verschiedene Märkte. Die Vielfalt der Märkte in Afrika macht es schwierig, ein Produkt zu finden, das in allen Ländern dort funktioniert. Überlegung und Anpassungsfähigkeit sind erforderlich, um erfolgreich zu sein. Und letztlich ist Offenheit ein entscheidender Faktor. Es ist wichtig, sich nicht nur auf die Expat-Gemeinschaft zu beschränken, sondern sich auch in die Kultur des jeweiligen Landes einzufühlen. Diese Erfahrung hat mir beim Aufbau meines eigenen Geschäfts enorm geholfen.

Das Interview führte Lisa Sidorova vom IHK-Netzwerkbüro Afrika (INA) im Dezember 2023.

Erfahrungsberichte zur Aus- und Weiterbildung in Afrika

Verkehr auf grün: Deutsche Software für Elektrobusse in Afrika

Intelligentes Lademanagement für die erste Elektrobusflotte Afrikas - das Softwareunternehmen CarMedialab berichtet von seinen Erfahrungen beim Markteintritt.

Qualität: Deutsche Tests für Trinkwasser in Afrika

Das Kölner Unternehmen Letztest erklärt, worauf es bei ihrer Produktentwicklung für Afrika ankommt und wie sie das Testen von Trinkwasser erleichtern.

Afrikanische Diaspora: Türöffner für den ghanaischen Markt?

Daniel Kwaku Merki vom Diaspora Investment Desk Ghana teilt seine Gedanken zur afrikanischen Diaspora und wie sie zu deutsch-afrikanischen Handelsbeziehungen beitragen kann.

Recruiting: nexum AG setzt auf IT-Talente aus Ghana und Ruanda

Bei Projekten der Digitalagentur nexum AG sind vermehrt Fachkräfte aus Ghana und Ruanda im Einsatz. Bei der Umsetzung geht nexum neue Wege, die über Outsourcing hinausgehen.

Südafrika: Solarunternehmen profitieren von der Stromkrise

In Südafrika stößt die Energiekrise den Solarmarkt an. Dinesh van der Haar von TAGEX Energy berichtet von neuen Chancen, sieht aber auch Hindernisse für den Bau von Solaranlagen.

Sprungbrett Ägypten: Deutsche Bahn expandiert nach Afrika

Die Deutsche Bahn hat 2022 einen Milliardenauftrag für das erste Hochgeschwindigkeitsnetz in Ägypten erhalten. Davon soll auch das Unternehmen in Deutschland profitieren.

Mehr Fachkräfte für Afrika: Internationale Geber finanzieren berufliche Bildung

Die Lucas-Nülle GmbH produziert Lehrgeräte und Software für die technische Ausbildung. In Afrika sieht sie großes Potenzial - der Bedarf dort ist riesig.

Heißes Eisen: Schweißtechnikfirma will über Marokko nach Westafrika

Der hessische Schweißtechnikhersteller Abicor Binzel hat in Marokko eine Niederlassung eröffnet. Denn auch bei diesem Mittelständler gilt das Land als Tor nach Westafrika.

Digital Hub: Deutsche IT-Ausbildung in Ruanda

Das International Software Quality Institute (iSQI) qualifiziert im Bereich IT und Softwareentwicklung und ist seit 10 Jahren in Afrika aktiv. Nun auch in Ruanda.

Solarindustrie: Mehr Fachkräfte für einen wachsenden Markt

Die GREEN Solar Academy qualifiziert seit 10 Jahren Fachpersonal für die Solarwirtschaft, um neue Märkte in Afrika zu erschließen.

Neuorientierung: Exportgeschäft von ROHDE wandert von Asien nach Afrika

Die Rohde KG ist Spezialist für Wandbeschichtungen und war international vor allem in Asien engagiert. Nun hat sie sich für den Markteintritt in Südafrika und Kenia entschieden.