Als ressourcenreiches Schwellenland ist Südafrika der am weitesten entwickelte Industriestandort auf dem Kontinent. Die Kaprepublik verfügt über eine diversifizierte, teils hochmoderne Industrie und eine breit aufgestellte, aber sanierungsbedürftige Infrastruktur.

Südafrika ist eines der wichtigsten afrikanischen Wirtschaftszentren und logistische Drehscheibe. Das Land am Kap ist der größte Automobilbauer des Kontinents. Der Bergbau bildet eine tragende wirtschaftliche Säule. Auch die Chemiebranche, insbesondere die Petrochemie, spielt eine wichtige Rolle. Südafrika verfügt außerdem über einen eigenen, wenn auch kleinen, Maschinenbausektor. Die Landwirtschaft sowie Getränke- und Nahrungsmittelindustrie arbeiten produktiv. Das Banken- und Finanzsystem, aber auch der Tourismus gelten als hoch entwickelt. 

Prägend für die südafrikanische Wirtschaft ist zum einen eine national orientierte Industriepolitik, zum anderen die Förderung der wirtschaftlichen Beteiligung von historisch diskriminierten Bevölkerungsgruppen. Südafrika gehört zu den Ländern mit der höchsten Ungleichverteilung und Arbeitslosigkeit weltweit.

Großes Potenzial haben Sektoren wie Telekommunikation und IT. Im Land wächst eine dynamische Start-up-Szene heran. Im Zuge der angestrebten Dekarbonisierung in Industrie, Bergbau und Energie ist mit zunehmenden privaten Investitionen in erneuerbare Energien, Wasserstoffprojekte, Elektromobilität und CO₂-mindernden Verfahren zu rechnen. 

Das Länderprofil wurde zuletzt im August 2023 aktualisiert.

Südafrika ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands auf dem afrikanischen Kontinent. Nahezu 600 deutsche Firmen sind vor Ort tätig. Schwerpunkte sind der Automobilbau sowie die Zulieferindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau und die Chemieindustrie. Gute Entwicklungsmöglichkeiten bieten der Energiesektor und die Nahrungsmittelverarbeitung. Auch im Bereich "Green Economy" und in der Abfallwirtschaft eröffnen sich zunehmend Kooperationschancen zwischen deutschen und südafrikanischen Firmen.

Matthias Boddenberg Geschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK)

Drei Fragen zu ... Südafrika

Fausi Najjar, GTAI-Korrespondent in Südafrika, beantwortet drei Fragen zu seinem Gastland.

Drei Fragen an... Fausi Najjar, GTAI-Korrespondent in Südafrika (Stand: November 2022)


Daten und Fakten Südafrika

SWOT-Analyse

S

Strengths Stärken

  • Fortsetzung des Reformkurses
  • Diversifizierte, teils hochmoderne Industrie
  • Rohstoffvorkommen (Platin, Mangan, Gold und Kohle)
  • Im afrikanischen Vergleich gute Infrastruktur (Straßen, Häfen, Schienenverkehr)
  • Freie Presse und unabhängige Justiz
W

Weaknesses Schwächen

  • Ineffiziente und personell überbesetzte Verwaltung und Staatsbetriebe
  • Große gesellschaftliche Ungleichheit
  • Hohe Kriminalität mit Folgekosten für die Wirtschaft
  • Gravierende Defizite bei schulischer und beruflicher Ausbildung
  • Auflagen schrecken Investoren ab
O

Opportunities Chancen

  • Hoher Importbedarf bei Konsumgütern und Hightech-Produkten
  • Gute naturräumliche Voraussetzungen für erneuerbare Energien (Solar und Wind)
  • Standort für den afrikaweiten Markteinstieg mit eigenem großem Absatzmarkt
T

Threats Risiken

  • Kräfte innerhalb der Regierungspartei ANC sabotieren Reformen
  • Soziale Unruhen
  • Stromausfälle

Potenzialbranchen in Südafrika

Automobil

Europa gilt als Hauptzielmarkt für die südafrikanische Kfz-Industrie, die verstärkt auf E-Mobilität setzt. Investitionen in die Herstellung von Elektroautos haben daher Priorität. BMW Südafrika, beispielsweise, will über 200 Millionen Euro in die Produktion von Elektrofahrzeugen investieren. Obwohl sich der heimische Absatzmarkt noch entwickeln muss, verfügt Südafrika bei der grünen Mobilität über Standortvorteile: Das Land am Kap ist der wichtigste Produzent von Platinmetallen. Diese werden bei der Herstellung von Brennstoffzellen benötigt.

Bergbau und Rohstoffe

Ob Gold, Eisenerz, Metalle der Platingruppe, Chrom, Mangan oder Kohle: Südafrikas geologische Ausstattung birgt ein beträchtliches Potenzial. Das Land ist reich an Bodenschätzen, die in der modernen Industriewelt dringend benötigt werden, etwa für die Wasserstoff- und Batterietechnik. Die größten Hemmschuhe für ein noch dynamischeres Wachstum sind Energieknappheit und Logistikschwierigkeiten. Großen Bedarf im Bergbau gibt es bei der Sicherheitstechnik und bei Anwendung der Industrie 4.0. 

Gesundheitswirtschaft

Bei der Produktion von Medikamenten und Impfstoffen will der afrikanische Kontinent unabhängiger werden. Südafrika hat sich hierfür bereits als Pharmastandort etabliert: Rund 275 pharmazeutische beziehungsweise biotechnisch tätige Unternehmen sind in eine innovative Forschungslandschaft integriert. Besonders bei Digital-Health-Lösungen und diagnostischer Bildgebung gibt es Absatzchancen für deutsche Unternehmen. 

Chemie

Die Chemieindustrie in Südafrika ist stark kohlebasiert. Aus der Umstellung auf eine emissionsarme Produktion ergeben sich Geschäftschancen. Der Chemiekonzern Sasol setzt mit deutscher Beteiligung schrittweise Gas als Ersatz für Kohle ein und entwickelt mit deutschen Partnern eine grüne Wasserstoffproduktion. Beim Chemieunternehmen Omnia gibt es Pläne, mit deutscher Beteiligung die Ammoniakherstellung um nachhaltige Produktionseinheiten zu erweitern.

Landwirtschaft

Südafrikas Agrarsektor ist der mit Abstand am weitesten entwickelte auf dem afrikanischen Kontinent. Die Agrarausfuhren stellen rund zehn Prozent der Exporteinnahmen. Der Sektor ist bedeutender Abnehmer von Maschinen und Düngemitteln sowie Zulieferer für die lokale Nahrungsmittelverarbeitung. Die Getränke-, Genuss- und Nahrungsmittelindustrie ist eng mit der lokalen Landwirtschaft, der Verpackungssparte sowie dem Groß- und Einzelhandel verflochten. 

Mehr Brancheninfos

Germany Trade & Invest (GTAI) bietet weitergehende Informationen zu aussichtsreichen Branchen in Südafrika

Die Analysen beleuchten neben der Marktentwicklung auch politische Rahmenbedingungen, aktuelle und geplante Projekte sowie Geschäftschancen für deutsche Unternehmen.

Marktzugang

Rechtlicher Rahmen

Gewerbliche Wareneinfuhr und Zoll

Arbeitsmarkt und Löhne

Südafrika verfügt im afrikanischen Vergleich über einen großen Pool an Fachkräften. Dieser kann jedoch den Bedarf der teils hochmodernen Wirtschaft nicht decken. Die Reallöhne sind über die letzten Jahre gesunken, wodurch Fachkräfte abwandern. Ausnahmen bei der Lohnentwicklung bilden der Bergbau- und Automobilsektor sowie der öffentliche Sektor. Hier spielen Südafrikas Gewerkschaften eine wichtige politische, wirtschaftliche und historische Rolle. Die Rekrutierung ausländischer Mitarbeiter ist aufgrund strenger Einwanderungsgesetze schwierig. Deshalb müssen sich Unternehmen oftmals selbst um die Fort- und Weiterbildung von Personal kümmern. 

Einen detaillierten Überblick über die Lage am Arbeitsmarkt, Löhne und den arbeitsrechtlichen Rahmen in Südafrika gibt die GTAI-Publikation Lohn- und Lohnnebenkosten Südafrika.

Die Qualifizierung junger Fachkräfte, die sich am Bedarf der südafrikanischen Wirtschaft ausrichtet, ist eine der großen Herausforderungen des Landes. iMOVE: Training – Made in Germany bietet Informationen zum südafrikanischen Markt der Aus- und Weiterbildung und Chancen, die sich für deutsche Bildungsanbieter ergeben.

Das Kompetenzzentrum Training (Aus- und Weiterbildung) der AHK Südliches Afrika (Skills Experts Programm) bietet deutschen und lokalen Unternehmen sowie Bildungsanbietern Informationen und Beratung rund um das Thema Berufsbildung.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Südafrika sind verschiedene bilaterale und multilaterale Geber aktiv. Unter anderem die KfW Entwicklungsbank, Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank stellen Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereit. Aus diesen geberfinanzierten Projekten resultieren Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen.

Bei Germany Trade & Invest finden Sie aktuelle 

Unterstützung beim Markteinstieg in Südafrika

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Südafrika zu erleichtern.

Beratungsgutscheine Afrika

Das BMWK unterstützt den Markteinstieg deutscher KMU in Afrika. Unternehmen erhalten bis zu 85 Prozent der Kosten für maximal 15 Beratungstage.

Branchenexperte Kreislaufwirtschaft

Als Branchenexperte identifiziert Rishel Dharmapall Geschäftschancen für deutsche Unternehmen in Südafrikas Kreislaufwirtschaft.

BMWK-Markterschließungsprogramm Neues Fenster zu "BMWK-Markterschließungsprogramm".

Das Markterschließungsprogramm (MEP) erleichtert kleinen und mittleren Unternehmen den Einstieg in ausländische Märkte und bietet aktuell Maßnahmen für Südafrika an.

Investitionsgarantien des Bundes Neues Fenster zu "Investitionsgarantien des Bundes".

Die Investitionsgarantien sichern Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Südafrika gegen politische Risiken ab und unterstützten Projekte vor Ort.

Export­kredit­versicherungen für Privatwirtschaft Neues Fenster zu "Export­kredit­versicherungen für Privatwirtschaft".

Die Hermesdeckungen schützen Exporteure und Banken bei Geschäften mit südafrikanischen Handelspartnern vor wirtschaftlich und politisch bedingten Zahlungsausfällen.

Kompetenzzentrum Sourcing südliches Afrika Neues Fenster zu "Kompetenzzentrum Sourcing südliches Afrika".

Das Kompetenzzentrum der AHK Südliches Afrika vernetzt europäische Unternehmen unterschiedlicher Branchen mit geeigneten Zulieferern aus dem südlichen Afrika.

Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien und Energieeffizienz Neues Fenster zu "Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien und Energieeffizienz".

Das Kompetenzzentrum der AHK Südliches Afrika in Kapstadt berät Unternehmen vor Ort und bietet Marktinformationen zur Energiewirtschaft.

Kompetenzzentrum Corporate Social Responsibility Neues Fenster zu "Kompetenzzentrum Corporate Social Responsibility ".

Das Kompetenzzentrum der AHK Südliches Afrika bietet Unternehmen eine Plattform für den Informations- und Erfahrungsaustausch rund um CSR-Themen.

Kompetenzzentrum Wassermanagement Neues Fenster zu "Kompetenzzentrum Wassermanagement ".

Das Kompetenzzentrum der AHK Südliches Afrika fördert den Austausch zwischen Unternehmen aus Deutschland und dem südlichen Afrika rund um das Thema Wasserwirtschaft.

Kompetenzzentrum Industrie Neues Fenster zu "Kompetenzzentrum Industrie".

Das Kompetenzzentrum der AHK Südliches Afrika unterstützt den Markteinstieg von Unternehmen in der Branche Industrie- und Konsumgüter.

Kompetenzzentrum Landtechnik und Lebensmittel Neues Fenster zu "Kompetenzzentrum Landtechnik und Lebensmittel".

Das Kompetenzzentrum der AHK Südliches Afrika ist Anlaufstelle für Unternehmen, die vor Ort im Bereich Landtechnik und Verarbeitung von Lebensmitteln tätig sind.

Komptenzzentrum berufliche Bildung Neues Fenster zu "Komptenzzentrum berufliche Bildung".

Mit dem Skills Experts Programm unterstützt das Kompetenzzentrum der AHK Südliches Afrika Unternehmen und Bildungsanbieter.

Kontakte und weiterführende Links

Beratung für Ihr Südafrika-Geschäft

Ansprechpartner vor Ort

Bastian Lidzba

Kompetenzstelle für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika

E-Mail schreiben

Kontakt Rishel Dharmapall

Branchenexperte für Kreislaufwirtschaft in Südafrika Geschäftsstelle Wirtschaftsnetzwerk Afrika

E-Mail schreiben

Kontakt Deutsche Botschaft Pretoria

Südafrika +27 12 427 8900

E-Mail schreiben

Weiterführende Informationen

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