Angola ist nach Nigeria der zweitgrößte Erdölproduzent in Afrika. Die Regierung in Luanda arbeitet an der Diversifizierung der Industrie und hat seit 2018 notwendige Reformen angestoßen. Die Coronakrise stellt sie jedoch bei der angestrebten Neuordnung vor enorme Herausforderungen.

Die in den Jahren hoher Ölpreise reichlich fließenden Einnahmen haben nach Ende des Bürgerkrieges 2002 zu einer sehr einseitigen Ausrichtung der Wirtschaft geführt. Die Wirtschaftspolitik war in hohem Maße von Missmanagement und Korruption gekennzeichnet. Seit einigen Jahren versucht Angola gegenzusteuern und andere Sektoren zu fördern. Investitionen in die Infrastruktur sind wichtiger Teil der Maßnahmen, haben allerdings zu einem starken Anstieg der öffentlichen Verschuldung geführt.

Hinweis

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Angolas Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest. 


Das Länderprofil wurde zuletzt im Juni 2021 aktualisiert.

Daten und Fakten Angola

Expertenstimme

Angola-Experte Vandré Spellmeier

Angola-Experte Vandré Spellmeier

Angola hat boomende Jahre mit teilweise zweistelligen Wachstumsraten erlebt. Seit 2015 geht das Land durch eine Krise, hauptsächlich wegen des niedrigen Ölpreises. Die Wirtschaftsreformen, die seit circa drei Jahren umgesetzt werden, sowie das neue Investitionsgesetz machen das Land für ausländische Investoren wieder attraktiver. Geschäftschancen für deutsche Unternehmen gibt es weiterhin in den Branchen Nahrungsmittel, Landwirtschaft, Medizin, Bau und Energie.

Vandré Spellmeier Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Angola

SWOT-Analyse

Germany Trade & Invest beleuchtet Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Angolas als Wirtschaftsstandort und gibt eine Orientierungshilfe.


S

Strengths Stärken

  • Dringend nötige Reformen werden umgesetzt
  • Erfolge in der Korruptionsbekämpfung
  • Solide außenwirtschaftliche Position
  • Stetiger Ausbau der Infrastruktur 
  • Klimatisch gute Anbaubedingungen


W

Weaknesses Schwächen

  • Starke Abhängigkeit vom Erdölsektor
  • Korruption sowie ineffiziente Verwaltung und Justiz
  • Hohe öffentliche Verschuldung
  • Große räumliche Disparitäten
  • Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten
O

Opportunities Chancen

  • Investitionen in kaum erschlossene Mineralvorkommen
  • Nutzung des großen landwirtschaftlichen Potenzials
  • Reduzierte Korruption verbessert Geschäftsklima
  • Tourismus als zusätzliche Einnahmequelle
  • Aufbau verarbeitender Industrien


T

Threats Risiken

  • Niedrige Weltmarktpreise für Öl und Gas
  • Fallende Erdölförderung
  • Geringe private Investitionen
  • Scheitern der Reformpolitik
  • Soziale Konflikte

Potenzialbranchen

Bauwirtschaft

Eine hohe Staatsverschuldung sowie geringe Öleinnahmen bieten dem Staat wenig Spielraum für Investitionen. Begonnene oder finanzierte Vorhaben dürften jedoch umgesetzt werden. Öffentlich-private Partnerschaften werden daher umso wichtiger. Auch wenn sich oft chinesische Bauunternehmen die Generalaufträge sichern können, gibt es im Bereich Planung, Ingenieurbau und Bauüberwachung durchaus auch Chancen für deutsche Unternehmen.

Bergbau und Rohstoffe

Angola will mehr alternative Rohstoffe fördern, um sich vom Erdöl unabhängiger zu machen. Dabei stehen Diamanten und Phosphat im Vordergrund, aber auch bei Kobalt, Kupfer, Nickel und Lithium sowie Eisenerz gibt es Explorationsvorhaben. Eine neu geschaffene nationale Agentur für Mineralressourcen soll alle Aktivitäten steuern. Die Bedeutung des Ölsektors wird sich tendenziell verringern.

Chemie

Das Ölförderland will seine Raffineriekapazitäten ausbauen, da bisher nur rund 20 Prozent des inländischen Kraftstoffbedarfs gedeckt werden. Bei mehreren Projekten gibt es allerdings Verzögerungen. Mit dem beginnenden Abbau der Phosphatvorkommen kann der Grundstock für eine Düngemittelindustrie gelegt werden.

Energiewirtschaft

Derzeit sind lediglich rund 40 Prozent aller Haushalte an das Stromnetz angeschlossen. Vor allem Wasserkraft und Solarenergie sollen zusätzliche Kapazitäten schaffen. Auf dem Plan stehen auch Übertragungsleitungen und eine bessere lokale Verteilung. Seit Februar 2021 unterstützt die Weltbank die Entwicklung der Elektrizitätsversorgung mit 250 Millionen US-Dollar (US$).

Gesundheitswirtschaft

Die Regierung hat bei Covid-19 schnell reagiert und konnte so verhindern, dass das Virus sich zu stark ausbreitet. Krankenhausprojekte entstehen in verschiedenen Landesteilen. Darunter zwei Kliniken in Vororten von Luanda, aber auch in den Provinzstädten. Die Weltbank sagte im Herbst 2019 für den Ausbau des Gesundheitssektors 110 Millionen US$ zu.

Landwirtschaft

Angola hat große Flächenreserven und in vielen Landesteilen reichlich Regenfälle. Der Anbau diverser Agrarprodukte wäre möglich. Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage soll anstelle von Nahrungsmittelimporten zum einen mehr und zum anderen eine größere Produktpalette angebaut werden. Das Programm PRODESI fördert 54 Produktgruppen besonders, darunter zahlreiche Nahrungsmittel. Zu den zentralen Strategien gehört ein besserer Marktzugang durch Logistikzentren in verschiedenen Provinzen.

Nahrungsmittel

Vor dem Bürgerkrieg war Angola Exporteur zahlreicher landwirtschaftlicher Produkte. Daran will das Land wieder anknüpfen und baut in mehreren Landesteilen Wertschöpfungsketten und Logistik wieder auf. Zuletzt wurde vor allem in Vorstufen der Produktion, wie Mühlen, investiert. Das verstetigt den Nachschub für nachgelagerte Betriebe und legt die Basis für eine breit aufgestellte Nahrungsmittelverarbeitung. Das Privatisierungsprogramm der Regierung bietet Einstiegschancen.

Der Branchencheck-Angola enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen 

Zoll- und Einfuhrbestimmungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Angola sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regeln zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Angola sind verschiedene bilaterale und multilaterale Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereit. Aus diesen geberfinanzierten Projekten resultieren Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

Bei Germany Trade & Invest finden Sie aktuelle

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