Das Länderprofil wurde zuletzt im März 2021 aktualisiert.

Angola ist nach Nigeria der zweitgrößte Erdölproduzent in Afrika. Die in den Jahren hoher Ölpreise reichlich fließenden Einnahmen haben nach Ende des Bürgerkrieges 2002 zu einer sehr einseitigen Ausrichtung der Wirtschaft geführt. Die Wirtschaftspolitik war in hohem Maße von Missmanagement und Korruption gekennzeichnet. Seit einigen Jahren versucht das Land gegenzusteuern und andere Sektoren zu fördern.

Investitionen in die Infrastruktur sind wichtiger Teil der Anstrengungen, haben allerdings zu einem starken Anstieg der öffentlichen Verschuldung geführt, da die Öleinnahmen infolge gesunkener Preise und stagnierender Förderung eingebrochen sind. Die Regierung in Luanda hat seit 2018 notwendige Reformen angestoßen, sieht sich aber durch die Coronakrise bei der angestrebten Neuordnung erheblichen Herausforderungen gegenüber.


Hinweis

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Angolas Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest. 

Daten und Fakten

Angola

Der Africa Business Guide liefert Ihnen mit den wichtigsten Wirtschaftsdaten einen ersten Länderüberblick zu Angola.

Offizieller Name: Republik Angola

Hauptstadt: Luanda

Geschäftssprache: Portugiesisch, gelegentlich Englisch

Einwohner: ca. 32,9 Millionen (2020)*

Durchschnittsalter: Ø 16,3 (2019)*

Bevölkerungswachstum: 3,2% (2020)*

Währung & Wechselkurs (September 2020): Kwanza (Kz) 1 Euro = 726,173 Kz

BIP pro Kopf: 2.968 US$ (2019)*

BIP-Wachstum: -4,0% (2020)*

Ausländische Direktinvestitionen: 18,62 Mrd. US$ (2019)*

Wichtigste deutsche Einfuhrgüter (2019*; in % der Gesamteinfuhr):

  1. Rohstoffe (außer Brennstoffe) 23,4
  2. Mess-/Regeltechnik 16,6
  3. Maschinen 6,7
  4. Elektronik 1,8
  5. Metallwaren 0,9
  6. Nahrungsmittel 0,6
  7. Elektrotechnik 0,6
  8. Textilien/Bekleidung 0,5
  9. Getränke/Tabak 0,1

Deutsche Ausfuhren: 127,98 Millionen Euro (2019)*

Wichtigste deutsche Ausfuhrgüter (2019*; in % der Gesamtausfuhr):

  1. Maschinen 22,9
  2. Elektronik 15,8
  3. Chemische Erzeugnisse 15,6
  4. Kfz und Kfz-Teile 7,5
  5. Nahrungsmittel 7,2
  6. Rohstoffe (außer Brennstoffe) 4,4
  7. Mess-/Regeltechnik 4,0

*Prognose/Schätzung

Quelle: Wirtschaftsdaten kompakt - Angola von Germany Trade & Invest 

Expertenstimme zu Angola

Vandré Spellmeier, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Angola:

Angola-Experte Vandré Spellmeier

Angola-Experte Vandré Spellmeier

Angola hat seit Ende des Bürgerkrieges boomende Jahre der Wirtschaft erlebt und teilweise zweistellige Wachstumsraten verzeichnet. Seit 2015 geht das Land durch eine Krise, hauptsächlich wegen des niedrigen Ölpreises, der großen Einfluss auf das BIP und den Haushalt Angolas hat. Die Wirtschaftsreformen, die seit dem Regierungswechsel vor circa drei Jahren, umgesetzt werden, sowie das neue Investitionsgesetz, tragen dazu bei, dass das Land für ausländische Investitionen wieder attraktiver wird. Geschäftspotenziale für deutsche Unternehmen gibt es in Angola weiterhin in den Branchen Nahrungsmittel, Landwirtschaft, Medizin, Bau, Infrastruktur und Energie.

SWOT-Analyse

Germany Trade & Invest beleuchtet Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Angolas als Wirtschaftsstandort und gibt eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Dringend nötige Reformen werden umgesetzt
  • Erfolge in der Korruptionsbekämpfung
  • Stabile außenwirtschaftliche Stellung
  • Ständige Erweiterung der Infrastruktur
  • Klimatisch gute Anbaubedingungen


W (Weaknesses | Schwächen)

  • Große Abhängigkeit vom Erdölsektor
  • Regionen sehr unterschiedlich entwickelt
  • Korruption sowie ineffiziente Verwaltung und Justiz
  • Auf Einfuhr von Nahrungsmitteln angewiesen

O (Opportunities | Chancen)

  • Investitionen in wenig erschlossene Mineralvorkommen
  • Ausschöpfen des großen landwirtschaftlichen Potenzials
  • Besseres Geschäftsklima durch verminderte Korruption
  • Tourismus als weitere Einnahmemöglichkeit
  • Ansiedlung verarbeitender Industrien


T (Threats | Risiken)

  • Niedrige Weltmarktpreise für Öl und Gas
  • Sinkende Erdölförderung
  • Wenig private Investitionen
  • Fehlschlagen der Reformpolitik
  • Soziale Spannungen

Potenzialbranchen


Bauwirtschaft

Eine hohe Staatsverschuldung sowie geringe Öleinnahmen bieten dem Staat wenig Spielraum für Investitionen. Begonnene oder finanzierte Vorhaben dürften jedoch umgesetzt werden. Öffentlich-private Partnerschaften werden daher umso wichtiger. Auch wenn sich oft chinesische Bauunternehmen die Generalaufträge sichern können, gibt es im Bereich Planung, Ingenieurbau und Bauüberwachung durchaus auch Chancen für deutsche Unternehmen.

Bergbau und Rohstoffe

Angola will mehr alternative Rohstoffe fördern, um sich vom Erdöl unabhängiger zu machen. Dabei stehen Diamanten und Phosphat im Vordergrund, aber auch bei Kobalt, Kupfer, Nickel und Lithium sowie Eisenerz gibt es Explorationsvorhaben. Eine neu geschaffene nationale Agentur für Mineralressourcen soll alle Aktivitäten steuern. Die Bedeutung des Ölsektors wird sich tendenziell verringern.

Chemie

Das Ölförderland will seine Raffineriekapazitäten ausbauen, da bisher nur rund 20 Prozent des inländischen Kraftstoffbedarfs gedeckt werden. Bei mehreren Projekten gibt es allerdings Verzögerungen. Mit dem beginnenden Abbau der Phosphatvorkommen kann der Grundstock für eine Düngemittelindustrie gelegt werden.

Energiewirtschaft

Derzeit sind lediglich rund 40 Prozent aller Haushalte an das Stromnetz angeschlossen. Vor allem Wasserkraft und Solarenergie sollen zusätzliche Kapazitäten schaffen. Auf dem Plan stehen auch Übertragungsleitungen und eine bessere lokale Verteilung. Seit Februar 2021 unterstützt die Weltbank die Entwicklung der Elektrizitätsversorgung mit 250 Millionen US-Dollar (US$).

Gesundheitswirtschaft

Die Regierung hat bei Covid-19 schnell reagiert und konnte so verhindern, dass das Virus sich zu stark ausbreitet. Krankenhausprojekte entstehen in verschiedenen Landesteilen. Darunter zwei Kliniken in Vororten von Luanda, aber auch in den Provinzstädten. Die Weltbank sagte im Herbst 2019 für den Ausbau des Gesundheitssektors 110 Millionen US$ zu.

Landwirtschaft

Angola hat große Flächenreserven und in vielen Landesteilen reichlich Regenfälle. Der Anbau diverser Agrarprodukte wäre möglich. Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage soll anstelle von Nahrungsmittelimporten zum einen mehr und zum anderen eine größere Produktpalette angebaut werden. Das Programm PRODESI fördert 54 Produktgruppen besonders, darunter zahlreiche Nahrungsmittel. Zu den zentralen Strategien gehört ein besserer Marktzugang durch Logistikzentren in verschiedenen Provinzen.

Nahrungsmittel

Vor dem Bürgerkrieg war Angola Exporteur zahlreicher landwirtschaftlicher Produkte. Daran will das Land wieder anknüpfen und baut in mehreren Landesteilen Wertschöpfungsketten und Logistik wieder auf. Zuletzt wurde vor allem in Vorstufen der Produktion, wie Mühlen, investiert. Das verstetigt den Nachschub für nachgelagerte Betriebe und legt die Basis für eine breit aufgestellte Nahrungsmittelverarbeitung. Das Privatisierungsprogramm der Regierung bietet Einstiegschancen.

Der Branchencheck-Angola enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen 

Zoll- und Einfuhrbestimmungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Angola sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regeln zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Angola sind verschiedene bilaterale und multilaterale Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereit. Aus diesen geberfinanzierten Projekten resultieren Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

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