Das Länderprofil wurde zuletzt im Juli 2021 aktualisiert.

Kenia bleibt treibende ökonomische Kraft in Ostafrika und auch politisch bedeutend für die Stabilität in der Region. Wegen der Corona-Pandemie musste die Regierung, um weiter liquide zu bleiben, weitere Kredite aufnehmen. Deshalb dürfte sich der Spielraum für staatliche Infrastrukturinvestitionen weiter einengen. Entscheidend wird sein, wie viel Geld die internationale Gebergemeinschaft noch bereitstellen wird. Die Bereiche Energie, Wasser/Abwasser und Transport dürften auch in Zukunft mit Zuschüssen rechnen. Vermutlich werden die Geber außerdem der besseren Ausstattung des Medizinsektors mehr Aufmerksamkeit schenken. Auch der IT-Sektor dürfte profitieren - Unternehmen investieren verstärkt in Bandbreiten sowie IT-basierte Dienstleistungen. Die in Kenia ansässigen deutschen Unternehmen stellen ihre Investitionen bislang nicht in Frage.


Hinweis

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Kenias Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest.

Daten und Fakten

GTAI

Der Africa Business Guide liefert Ihnen mit den TOP 10 der wichtigsten Wirtschaftsdaten einen ersten Länderüberblick zu Kenia.

Offizieller Name: Republik Kenia

Hauptstadt: Nairobi

Geschäftssprachen: Englisch, Kiswahili

Einwohner: 53,8 Millionen (2020)*

Durchschnittsalter: Ø 20 (2020)*

Bevölkerungswachstum: 2,2 % (2020)*

Währung & Wechselkurs (Ø März 2021): Kenia-Schilling (K.Sh.), 1 Euro = 128,735 K.Sh

BIP pro Kopf: 2.039 US$ (2020)*

BIP-Wachstum: 7,6 % (2021)*

Ausländische Direktinvestitionen: 15.74 Mrd. US$ (2019)*

Deutsche Einfuhren: 153,3 Millionen Euro (2020)*

Wichtigste deutsche Einfuhrgüter (2020*; in % der Gesamteinfuhr):

  1. Nahrungsmittel 55,7
  2. Rohstoffe (außer Brennstoffe) 37,6
  3. Textilien/Bekleidung 1,7
  4. natürl. Öle, Fette, Wachse 0,8
  5. Maschinen 0,3
  6. Nichtmetallische Mineralien 0,3
  7. Getränke/Tabak 0,2
  8. Schuhe 0,1
  9. Elektronik 0,1
  10. Mess-/Regeltech. 0,1

Deutsche Ausfuhren: 263,7 Millionen Euro (2020)*

Wichtigste deutsche Ausfuhrgüter (2020*; in % der Gesamtausfuhr):

  1. Chemische Erzeugnisse 24,7
  2. Maschinen 23,2
  3. Nahrungsmittel 17,7
  4. Kfz- und -Teile 6,8
  5. Elektrotechnik 5,5
  6. Mess-/Regeltechnik 5,0
  7. Elektronik 2,3

* Prognose/Schätzung

Quelle: Wirtschaftsdaten kompakt - Kenia von Germany Trade & Invest 

Expertenstimme zu Kenia

Maren Diale-Schellschmidt, Delegierte der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika:

Kenia ist der wirtschaftliche Hub in der East African Community (EAC) und auch für die meisten deutschen Unternehmen der Einstieg in die Region Ostafrika. Wir erleben insbesondere in den letzten Jahren ein deutlich zunehmendes Interesse aus Deutschland an einer Präsenz vor Ort. Nicht verwunderlich, denn Ostafrika ist die wichtigste Wachstumsregion auf dem Kontinent. Kenia bietet weitgehende wirtschaftliche Freiheiten beim unternehmerischen Engagement vor Ort. Dies ist auch auf Dauer so zu erwarten, denn Kenia bekennt sich zu einer liberalen Wirtschaftspolitik.

SWOT-Analyse

Germany Trade & Invest beleuchtet Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Kenias als Wirtschaftsstandort und gibt eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Großer Binnenmarkt mit circa 54 Millionen Menschen (jährlicher Zuwachs von etwa 1,2 Millionen)
  • Nairobi und Mombasa als regionale Drehscheibe
  • Fluggesellschaft Kenya Airways fliegt viele Ziele in Afrika an (derzeit kriselt die Airline)
  • Diversifizierte Privatwirtschaft


W (Weaknesses | Schwächen)

  • Derzeit mäßiges wirtschaftliches Klima (Pandemie)
  • Probleme bei der Finanzierung: Dem Privatsektor fehlt Kapital, der Staat ist hoch verschuldet
  • Hohes Maß an Korruption und staatlicher Einflussnahme

O (Opportunities | Chancen)

  • Teilhabe an Bau- und Infrastrukturprojekten mit Geberfinanzierung
  • Zulieferung für breit gefächerte Konsumgüterindustrie
  • Bedienung des lokalen Marktes mit Konsumgütern

T (Threats | Risiken)

  • Präsidentschaftswahl im Jahr 2022 beeinträchtigt Planbarkeit von Investitionen
  • Risiko von Zahlungsverzögerungen bei Geschäften mit dem Staat
  • Kriminalität, Terrorismus und politische Unruhen

Potenzialbranchen


Energiewirtschaft

In Kenia dominieren erneuerbare Energien den Strommarkt. Vor allem die Nachfrage nach eigenen Lösungen ist hoch. Zahlreiche Großabnehmer von Strom, wie Fabriken und Flughäfen, versorgen sich inzwischen über dezentrale Solaranlagen. In der Zukunft könnte Geothermie an Bedeutung gewinnen.

Bauwirtschaft

Insbesondere im Straßenbau sorgen diverse Großprojekte für einen nachhaltigen Wandel. Das am meisten beachtete Projekt ist der chinesische Bau des 27 Kilometer langen „Nairobi Expressway“, einer auf Stelzen verlaufenden privaten Mautautobahn quer durch die Stadt. Projekte im Hochbau dürften sich aufgrund von fehlendem Kapital verzögern.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftsbereich und die Aussichten sind kurzfristig überwiegend gut. Kommerzielle, auf den Export ausgerichtete Farmen für Schnittblumen, Tee, Avocados und Kaffee haben sich von dem Nachfrageeinbruch im Frühjahr 2020 erholt und konnten sogar zulegen.

Gesundheitswirtschaft

Kapital aus dem Ausland soll die medizinische Grundversorgung verbessern.  Die besten Krankenhäuser sind privat und bauen gerade ihre Kapazitäten aus. Einige Marktbeobachter erwarten Investitionen in Laboreinrichtungen. Auch deutsche Zulieferer planen in Kenia zu produzieren oder haben bereits damit begonnen, zum Beispiel B. Braun, Otto Bock und Merck.

Umwelt und Wasser

Kenia baut seine Wasserversorgung durch Großprojekte in Kisumu und Nairobi aus. Geldgeber für diese Vorhaben ist ausschließlich die internationale Gemeinschaft. 

Die Technik für die Wasserprojekte wird meist aus dem Ausland importiert. Deutsche Unternehmen, wie Fichtner, Jos Hansen (KSB) und Wilo sind in Kenias Wassersektor aktiv. Gute Geschäftschancen bestehen als Berater, Lieferanten und als Unterauftragnehmer bei technisch komplizierten Installationen. 

IT und Telekommunikation

Die Digitalisierung in Kenia wird durch die Pandemie beschleunigt. Investoren interessieren sich vor allem für die Bereiche Bildung, Gesundheit und Logistik. Davon profitieren Kooperationen zwischen kenianischen Produktentwicklern und ausländischen Start-ups. Auch deutsche Unternehmen können von dieser Entwicklung profitieren. Durch den Breitbandausbau bestehen auch Liefermöglichkeiten für technische Ausrüstung.

Der Branchencheck-Kenia enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Das Rechtssystem Kenias ist im Wesentlichen durch das britische Recht beeinflusst. Ausländische Investoren können in den meisten Sektoren investieren und über das One Stop Center der Investitionsbehörde KenInvest Unterstützung erhalten, beispielsweise beim Beantragen von Genehmigungen oder Lizenzen. Ausländer können darüber hinaus in Kenia die gleichen Gesellschaften gründen wie Inländer. Eine beliebte Rechtsform ist die Private Company Limited by Shares, die mit einer deutschen GmbH vergleichbar ist. Auch eine Zweigstelle kann gegründet werden, die dann allerdings einer höheren Körperschaftsteuer unterliegt.

Zoll- und Einfuhrregelungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Kenia sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regeln zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Arbeitsmarkt und Löhne

In Kenia sind schätzungsweise 5,3 Prozent der Bevölkerung in einem ordentlichen Beschäftigungsverhältnis. Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern konkurrieren Firmen und zahlreiche Headhunter um wenige hochqualifizierte Arbeitskräfte, die sich ihren Arbeitgeber aussuchen können. Der Abschluss von Renten- und Krankenversicherungen ist nicht verpflichtend. Dennoch sind eine gute Altersvorsorge und medizinische Zusatzleistungen wichtig, um gute Arbeitskräfte zu rekrutieren und zu binden. Arbeitnehmerrechte und die Arbeit von Gewerkschaften sind in Kenia eingeschränkt.

Einen detaillierten Überblick über die Lage am Arbeitsmarkt, Löhne und den arbeitsrechtlichen Rahmen in Kenia gibt die GTAI-Publikation Lohn- und Lohnnebenkosten Kenia

Die Qualifizierung junger Fachkräfte, die sich am Bedarf der kenianischen Wirtschaft ausrichtet, ist eine der großen Herausforderungen des Landes. iMOVE: Training – Made in Germany bietet Informationen zum kenianischen Markt der Aus-und Weiterbildung und Chancen, die sich für deutsche Bildungsanbieter ergeben.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Kenia sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der öffentlichen Hand bereit. Aus diesen geberfinanzierten Projekten resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

Einen Überblick über Geschäftschancen bei öffentlichen Aufträgen gibt Germany Trade & Invest (GTAI) im Bericht Entwicklungszusammenarbeit mit Kenia. Bei GTAI finden Sie zudem aktuelle 

Unterstützung beim Markteinstieg

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWi-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Kenia zu erleichtern.

Umwelt und Wasser

Im Rahmen des BMWi-Markterschließungsprogramms hat die Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika 2021 eine Leistungsschau zum Thema Wasser und Abwasser in Kenia durchgeführt und dazu eine Zielmarktanalyse veröffentlicht.

Energiewirtschaft

Die Exportinitiative Energie hat fünf Zielmarktanalysen zur Energieerzeugung in Kenia veröffentlicht: 

Das Kompetenzzentrum Energie und Umwelt der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika berät Unternehmen vor Ort und bietet Marktinformationen.

Erfahrungsberichte

Aus den Erfahrungen anderer Unternehmen in Afrika lernen – unter diesem Motto steht die Rubrik Erfahrungsberichte. Hier finden Sie real practices von Unternehmen in Kenia. 

IT und Telekommunikation

Logistik

Landwirtschaft

Finanzierung und Absicherung

Wasser und Umwelt 

Kontakte und weiterführende Links