Das Länderprofil wurde zuletzt im Juli 2021 aktualisiert.

Namibia ist eine der kleineren Volkswirtschaften im südlichen Afrika, weist aber eine Vielzahl institutioneller Stärken auf: So sind die demokratischen Strukturen gefestigt, die Justiz arbeitet unabhängig und die Pressefreiheit gilt als vorbildlich. Eine Schwachstelle der Wirtschaft liegt in der starken Abhängigkeit vom Rohstoffsektor. Diversifizierung und Aufbau einer lokalen Industrie stehen deshalb ganz oben auf der Regierungsagenda. Bevölkerungsgruppen, die während der Apartheid benachteiligt waren, sollen stärker am Wirtschaftsleben beteiligt werden. Unklare Rahmenbedingungen dafür verunsichern Investoren.


Hinweis

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Namibias Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest.


Daten und Fakten

Die wichtigsten Wirtschaftsdaten zu Namibia auf einen Blick

Die wichtigsten Wirtschaftsdaten zu Namibia auf einen Blick

Offizieller Name & Hauptstadt: Republik Namibia, Windhuk

Geschäftssprache: Englisch

Einwohner: 2,5 Millionen (2020)*

Durchschnittsalter: Ø 21,8 Jahre (2020)*

Bevölkerungswachstum: 1,8 % (2020)*

Währung & Wechselkurs (März 2021): Namibia-Dollar (N$); 1 N$ = 100 Cents; 1 Euro = 17,503 N$

BIP: 4.175 US-Dollar pro Kopf (2020)*

Wirtschaftswachstum: 2,6 % (2021)*

Ausländische Direktinvestitionen: 6,83 Mrd. US-Dollar (2019)*

Deutsche Importe: 170,9 Millionen Euro (2020)*

Wichtigste Importgüter aus Namibia (2020*; in % der Gesamteinfuhr)

  1. Maschinen 80,4
  2. Nahrungsmittel 13,3
  3. Rohstoffe (außer Brennstoffe) 3,5
  4. Kfz und -Teile 1,0
  5. Maschinen 0,4
  6. Sonstige Fahrzeuge 0,2
  7. Leder und -waren 0,2
  8. natürl. Öle, Fette, Wachse 0,1
  9. Metallwaren 0,1

Deutsche Exporte: 45,1 Millionen Euro (2020)*

Wichtigste Exportgüter nach Namibia (2020*; in % der Gesamtausfuhr)

  1. Maschinen 25,9
  2. Nahrungsmittel 22,1
  3. Elektrotechnik 10,9
  4. Elektronik 5,6
  5. Chemische Erzeugnisse 5,5
  6. Kfz- und Teile 5,0
  7. Mess- und Regeltechnik 4,6

*Prognose/Schätzung

Quelle: Wirtschaftsdaten kompakt von Germany Trade & Invest 

Expertenstimme zu Namibia

Fausi Najjar, GTAI-Korrespondent für das südliche Afrika:

Afrika-Experte Fausi Najjar

Afrika-Experte Fausi Najjar

Mittelfristig wird die wirtschaftliche Erholung an Fahrt gewinnen. Mit einem neuen Gesetz für Öffentlich-Private-Partnerschaften gibt es schon jetzt gute Beteiligungschancen im Wassersektor sowie bei Wind- und Solarenergie. Namibias Wirtschaft muss neue Arbeitsplätze schaffen. Mit der guten Infrastruktur ist ein Plus für die notwendige Diversifizierung gegeben. Wichtig ist der Abbau der sozialen Ungleichheit. Dabei müssen Wege gefunden werden, das an sich gute Geschäftsklima nicht zu gefährden.

SWOT-Analyse

Germany Trade & Invest beleuchtet Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Namibias als Wirtschaftsstandort und gibt eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Rohstoffvorkommen
  • Guter institutioneller Rahmen
  • Logistisch im Land selbst und in der Region stark vernetzt
  • Ausgezeichnete Bedingungen für erneuerbare Energien

W (Weaknesses | Schwächen)

  • Schmale Industriebasis
  • Abhängig von Rohstoffausfuhren (Diamanten und Uran)
  • Extreme soziale Ungleichheit
  • Überbordender staatlicher Bereich

O (Opportunities | Chancen)

  • Ausbau zu einem regionalen Hub
  • Bedarf an Investitionen in die Energieversorgung
  • Aufbau von Nischenindustrien (beispielsweise Naturkosmetik, Wildfleisch)

T (Threats | Risiken)

  • Soziale Unruhen wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise
  • Schwierige wirtschaftliche Lage im benachbarten Südafrika und Angola
  • Zunehmende öffentliche Verschuldung

Potenzialbranchen


Bauwirtschaft

Anhaltende Auftragsflaute nach Abschluss von Großvorhaben wie die Husab-Uranmine. Größtes Projekt ist der SADC-Gateway Port bei Walvis Bay als Logistik Hub für das südliche Afrika.

Bergbau und Rohstoffe

Durch das Anziehen der Weltmarktpreise haben sich die Aussichten für die Uranminen deutlich gebessert. Allgemein profitiert der Bergbausektor von generell gestiegenen Metallpreisen und der hohen Nachfrage für Batterie- Elektromineralien. Bei seltenen Erden, Kobalt und Kupfer gibt es als relevant geltende Explorationen. Fortgeschrittener sind kleinere Projekte beim Graphit- und Lithiumabbau. Auch bei Zink und Zinn ist Bewegung zu verzeichnen. 

Energiewirtschaft

Namibia will den Strommarkt schrittweise liberalisieren. Die größten Profiteure sind die erneuerbaren Energien. Bis 2035 sind netzgebundene Kapazitäten bei Windkraft von 220 Megawatt sowie 149 Megawatt bei Fotovoltaik und 80 Megawatt bei Biomasse geplant. Durch den Ausbau der Erzeugungskapazitäten gewinnt der Stromexport nach Südafrika an Bedeutung.

Landwirtschaft

Experten prognostizieren der Landwirtschaft für 2021 Wachstumsraten von drei bis vier Prozent und für 2022 sogar Steigerungen bis zu fünf Prozent. Voraussetzung ist, dass das kühlere Wetter anhält. Die Viehzucht dominiert die Branche. Nach dreijähriger Dürre werden die Herden wiederaufgebaut. Der Obst- und Gemüseanbau gewinnt an Bedeutung.

Nahrungsmittel

Die beiden wichtigsten Sektoren Fischverarbeitung und Getränkeindustrie laufen schlecht. Die Fischverarbeitung leidet unter einem Korruptionsskandal und wird das Ziel, 40 Prozent des Fischs und der Meeresfrüchte lokal zu verarbeiten, weit verfehlen. Im Jahr 2020 brach die Getränkeindustrie um rund ein Viertel ein. Ursachen sind das zeitweise verhängte Alkoholverbot in Namibia und Südafrika sowie weitere Lockdown-Maßnahmen. Die Nachfrage erholt sich nur schwer, auch schuld daran ist eine neue Zusatzsteuer auf Alkohol in Südafrika.  

Wasser und Umwelt

Die Auftragslage im Wassersektor ist dank Entwicklungsfinanzierungen gut. Eine groß dimensionierte Nutzung von Meerwasserentsalzung auf Solarbasis ist in der Diskussion; ebenso die Verwertung fossiler Wasservorkommen.

Der Branchencheck-Namibia enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Namibia hat ein gemischtes Rechtssystem mit Einflüssen sowohl des britischen als auch des römisch-niederländischen Rechts, die insbesondere während der 70-jährigen südafrikanischen Verwaltung entstanden. Ausländische Investoren können in Namibia in allen Bereichen investieren, die nicht ausdrücklich namibischen Investoren vorbehalten sind. Sie benötigen für ihr Vorhaben allerdings eine Genehmigung des zuständigen Ministeriums. Das auf britischem Recht basierende Gesellschaftsrecht ermöglicht Ausländern die Gründung einer aus dem Common Law bekannten Gesellschaftsform. Auch die Gründung einer Zweigstelle ist möglich, sofern die Gesellschaftszwecke der Zweigstelle und der ausländischen Gesellschaft übereinstimmen.

Zoll- und Einfuhrregelungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Namibia sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regelungen zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Namibia sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Projekte der öffentlichen Hand bereit. Aus geberfinanzierten Vorhaben resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

Bei Germany Trade & Invest finden Sie aktuelle 

Unterstützung beim Markteinstieg

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWi-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Namibia zu erleichtern.

Wasser und Umwelt

Das BMWi-Markterschließungsprogramm hat 2019 eine Geschäftsanbahnungsreise zum Thema Wasserwirtschaft in Südafrika und Namibia durchgeführt und dazu eine Zielmarktanalyse veröffentlicht.

Mit dem Sector Brief Partnership Ready Namibia: Abfallwirtschaft informiert die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH zu den Rahmenbedingungen in Namibias Abfallwirtschaft. 

Zu den Bereichen Wasser und Umwelt unterstützen zwei Kompetenzzentren der AHK für das südliche Afrika Unternehmen in der Region:

Energiewirtschaft

Im Rahmen der Exportinitiative Energie hat die AHK für das südliche Afrika folgende Zielmarktanalysen veröffentlicht: 

Mit dem Sector Brief Partnership Ready Namibia: Erneuerbare Energien informiert die GIZ zu den Rahmenbedingungen des Strommarktes in Namibia. 

Das Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien und Energieeffizienz der AHK für das südliche Afrika berät Unternehmen in der Region und bietet Marktinformationen.

Bergbau und Rohstoffe

Das Kompetenzzentrum Bergbau und Rohstoffe der AHK für das südliche Afrika berät und unterstützt  Unternehmen in der Region. 

Landwirtschaft und Nahrungsmittel 

Für den Bereich Landwirtschaft hat die GIZ drei Sector Briefs veröffentlicht, die einen Überblick zu ausgewählten Bereichen innerhalb des Sektors bieten: 

Kompetenzzentrum für Ernährung und Landwirtschaft der AHK für das südliche Afrika berät und unterstützt  Unternehmen in der Region.

Erfahrungsberichte

Aus den Erfahrungen anderer Unternehmen in Afrika lernen – unter diesem Motto steht die Rubrik Erfahrungsberichte. Hier finden Sie real practices von Unternehmen in Namibia. 

Geschäftsanbahnung

Kontakte und weiterführende Links