Namibia ist eine der kleineren Volkswirtschaften im südlichen Afrika, hat aber eine Vielzahl institutioneller Stärken: Die demokratischen Strukturen sind gefestigt, die Justiz arbeitet unabhängig und die Pressefreiheit gilt als vorbildlich.

Eine Schwachstelle der namibischen Wirtschaft ist die starke Abhängigkeit vom Rohstoffsektor. Diversifizierung und Aufbau einer lokalen Industrie stehen deshalb ganz oben auf der Regierungsagenda. Bevölkerungsgruppen, die während der Apartheid benachteiligt waren, sollen stärker am Wirtschaftsleben beteiligt werden. Unklare Rahmenbedingungen dafür führen allerdings bei Investoren zu Verunsicherung.

Hinweis

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Namibias Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest.


Das Länderprofil wurde zuletzt im Juli 2021 aktualisiert.

Daten und Fakten Namibia

Expertenstimme

Afrika-Experte Fausi Najjar

Afrika-Experte Fausi Najjar

Mittelfristig wird Namibias wirtschaftliche Erholung an Fahrt gewinnen. Ein neues Gesetz für Öffentlich-Private-Partnerschaften schafft schon jetzt Beteiligungschancen im Wassersektor sowie bei Wind- und Solarenergie. Mit der guten Infrastruktur ist ein Plus für die notwendige Diversifizierung gegeben. Wichtig ist der Abbau der sozialen Ungleichheit.

Fausi Najjar GTAI-Korrespondent für das südliche Afrika

SWOT-Analyse

S

Strengths Stärken

  • Rohstoffvorkommen
  • Guter institutioneller Rahmen
  • Logistisch im Land selbst und in der Region stark vernetzt
  • Ausgezeichnete Bedingungen für erneuerbare Energien
W

Weaknesses Schwächen

  • Schmale Industriebasis
  • Abhängig von Rohstoffausfuhren (Diamanten und Uran)
  • Extreme soziale Ungleichheit
  • Überbordender staatlicher Bereich
O

Opportunities Chancen

  • Ausbau zu einem regionalen Hub
  • Bedarf an Investitionen in die Energieversorgung
  • Aufbau von Nischenindustrien (beispielsweise Naturkosmetik, Wildfleisch)
T

Threats Risiken

  • Soziale Unruhen wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise
  • Schwierige wirtschaftliche Lage im benachbarten Südafrika und Angola
  • Zunehmende öffentliche Verschuldung

Potenzialbranchen

Bauwirtschaft

Anhaltende Auftragsflaute nach Abschluss von Großvorhaben wie die Husab-Uranmine. Größtes Projekt ist der SADC-Gateway Port bei Walvis Bay als Logistik Hub für das südliche Afrika.

Bergbau und Rohstoffe

Durch das Anziehen der Weltmarktpreise haben sich die Aussichten für die Uranminen deutlich gebessert. Allgemein profitiert der Bergbausektor von generell gestiegenen Metallpreisen und der hohen Nachfrage für Batterie- Elektromineralien. Bei seltenen Erden, Kobalt und Kupfer gibt es als relevant geltende Explorationen. Fortgeschrittener sind kleinere Projekte beim Graphit- und Lithiumabbau. Auch bei Zink und Zinn ist Bewegung zu verzeichnen. 

Energiewirtschaft

Namibia will den Strommarkt schrittweise liberalisieren. Die größten Profiteure sind die erneuerbaren Energien. Bis 2035 sind netzgebundene Kapazitäten bei Windkraft von 220 Megawatt sowie 149 Megawatt bei Fotovoltaik und 80 Megawatt bei Biomasse geplant. Durch den Ausbau der Erzeugungskapazitäten gewinnt der Stromexport nach Südafrika an Bedeutung.

Landwirtschaft

Experten prognostizieren der Landwirtschaft für 2021 Wachstumsraten von drei bis vier Prozent und für 2022 sogar Steigerungen bis zu fünf Prozent. Voraussetzung ist, dass das kühlere Wetter anhält. Die Viehzucht dominiert die Branche. Nach dreijähriger Dürre werden die Herden wiederaufgebaut. Der Obst- und Gemüseanbau gewinnt an Bedeutung.

Nahrungsmittel

Die beiden wichtigsten Sektoren Fischverarbeitung und Getränkeindustrie laufen schlecht. Die Fischverarbeitung leidet unter einem Korruptionsskandal und wird das Ziel, 40 Prozent des Fischs und der Meeresfrüchte lokal zu verarbeiten, weit verfehlen. Im Jahr 2020 brach die Getränkeindustrie um rund ein Viertel ein. Ursachen sind das zeitweise verhängte Alkoholverbot in Namibia und Südafrika sowie weitere Lockdown-Maßnahmen. Die Nachfrage erholt sich nur schwer, auch schuld daran ist eine neue Zusatzsteuer auf Alkohol in Südafrika.  

Wasser und Umwelt

Die Auftragslage im Wassersektor ist dank Entwicklungsfinanzierungen gut. Eine groß dimensionierte Nutzung von Meerwasserentsalzung auf Solarbasis ist in der Diskussion; ebenso die Verwertung fossiler Wasservorkommen.

Der Branchencheck-Namibia enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Namibia hat ein gemischtes Rechtssystem mit Einflüssen sowohl des britischen als auch des römisch-niederländischen Rechts, die insbesondere während der 70-jährigen südafrikanischen Verwaltung entstanden. Ausländische Investoren können in Namibia in allen Bereichen investieren, die nicht ausdrücklich namibischen Investoren vorbehalten sind. Sie benötigen für ihr Vorhaben allerdings eine Genehmigung des zuständigen Ministeriums. Das auf britischem Recht basierende Gesellschaftsrecht ermöglicht Ausländern die Gründung einer aus dem Common Law bekannten Gesellschaftsform. Auch die Gründung einer Zweigstelle ist möglich, sofern die Gesellschaftszwecke der Zweigstelle und der ausländischen Gesellschaft übereinstimmen.

Zoll- und Einfuhrregelungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Namibia sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regelungen zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Namibia sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Projekte der öffentlichen Hand bereit. Aus geberfinanzierten Vorhaben resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

Bei Germany Trade & Invest finden Sie aktuelle 

Unterstützung beim Markteinstieg in Namibia

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWi-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Namibia zu erleichtern.

Wasser und Umwelt

Das BMWi-Markterschließungsprogramm hat 2019 eine Geschäftsanbahnungsreise zum Thema Wasserwirtschaft in Südafrika und Namibia durchgeführt und dazu eine Zielmarktanalyse veröffentlicht.

Mit dem Sector Brief Partnership Ready Namibia: Abfallwirtschaft informiert die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH zu den Rahmenbedingungen in Namibias Abfallwirtschaft. 

Zu den Bereichen Wasser und Umwelt unterstützen zwei Kompetenzzentren der AHK für das südliche Afrika Unternehmen in der Region:

Energiewirtschaft

Im Rahmen der Exportinitiative Energie hat die AHK für das südliche Afrika folgende Zielmarktanalysen veröffentlicht: 

Das Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien und Energieeffizienz der AHK für das südliche Afrika berät Unternehmen in der Region und bietet Marktinformationen.

Bergbau und Rohstoffe

Das Kompetenzzentrum Bergbau und Rohstoffe der AHK für das südliche Afrika berät und unterstützt  Unternehmen in der Region. 

Landwirtschaft und Nahrungsmittel 

Für den Bereich Landwirtschaft hat die GIZ drei Sector Briefs veröffentlicht, die einen Überblick zu ausgewählten Bereichen innerhalb des Sektors bieten: 

Kompetenzzentrum für Ernährung und Landwirtschaft der AHK für das südliche Afrika berät und unterstützt  Unternehmen in der Region.

Erfahrungsberichte

Aus den Erfahrungen anderer Unternehmen in Afrika lernen – unter diesem Motto steht die Rubrik Erfahrungsberichte. Hier finden Sie real practices von Unternehmen in Namibia.

global office Agent in Windhuk, Namibia

Kundendialog: Dienstleistungen für Namibia

Der Telefondienstleister global office bietet Dialoglösungen für private und öffentliche Auftraggeber. Seit Juli 2021 baut das Unternehmen ein Dialogcenter in Namibia auf.

Runflat-Systeme für das südliche Afrika von Europlast Nycast

Zivile Sicherheit: Runflat-Systeme für das südliche Afrika

Europlast-Nycast stellt Reifen-Notlaufsysteme für geschützte Fahrzeuge her. So bereitet sich das Unternehmen auf den Markteinstieg in Südafrika und Namibia vor.

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