Schuhfabrik in Kapstadt

Schuhfabrik in Kapstadt

Chinesen finden chinesische Maschinen erneuerungsbedürftig – das ist doch eigentlich eine interessante Nachricht für deutsche Maschinenbauer. Zumal sich das Ganze in Afrika abspielt, wo sich chinesische Firmen mit ihren riesigen Investitionen in den letzten Jahren zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor entwickelt haben. Und mitunter zu potenziell wichtigen Partnern deutscher Firmen – die an die neue Kundengruppe aber nicht so richtig herankommen.

Hier erzählt Tony Kao, zweiter Geschäftsführer des chinesischen Stoffherstellers JP Textile, warum er für sein kommendes Investitionsprojekt Textilmaschinen gerade nicht made in China beschaffen will. Die Maschinen müssen sozusagen auch im Betrieb im äthiopischen Hawassa vor allen Dingen gut sein - auch wenn sich die Investoren aus Asien im fernen Afrika sonst durchaus ein Stück Heimat schaffen, wie sich bei einem Gang durch die Firma zeigt.

Herausforderungen und Chancen für den Absatz von Textilmaschinen in Äthiopien

Wie beschafft JP Textile Maschinen?

Zu unserer Gründung hat unsere Muttergesellschaft Wuxi Jinmao alle Maschinen in China beschafft. Wir fingen damals ja erst an hier und hatten keine Erfahrungen vor Ort. Bei den allermeisten Anlagen handelt es sich um Neugeräte chinesischer Hersteller. Ausnahmen sind die 120 japanischen Webmaschinen, ein italienischer Trockner und zwei Schweizer Maschinen in der Webereivorbereitung

Und wer entscheidet heute im laufenden Betrieb über solche Beschaffungen?

Nach wie vor unsere Mutterfirma in China. Wir hier in Hawassa geben aber unser Statement ab, basierend auf eigenen Erfahrungen und den Anregungen unserer Kunden. Und das wird auch gehört, die Zentrale in Wuxi meldet sich dann bei uns zurück.

Ein Beispiel?

Unsere Webmaschinen haben sich bewährt. Bei den nächsten 48 Airjet-Webmaschinen für die laufende Erweiterung unserer Stoffherstellung werden wir uns also voraussichtlich wieder für dieselbe Marke entscheiden. Dies gilt auch für den italienischen Trockner.

Welche Erfahrungen machen Sie mit chinesischen Anlagen?

Die großen und generell kapitalintensiven Anlagen zur Ausrüstung der Stoffe werden  wir wahrscheinlich schon in drei oder vier Jahren ersetzen müssen. Und das, obwohl solche Maschinen normalerweise etliche Jahre im Einsatz sind; wir hatten sie damals neu gekauft und sie werden dann gerade mal so fünf, sechs Jahre alt sein. Das sind allesamt chinesische Maschinen. Die Spannrahmen zum Beispiel, sagt der Abteilungsleiter, selbst ein Chinese, kämen von der Technik her aus den 80er-Jahren. Wir werden also für andere Marken plädieren.

Weitere Informationen

Das Interview führte Ulrich Binkert von Germany Trade & Invest im August 2019. 

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