Solaranlagen in Afrika

Solaranlagen in Afrika

Die Kombination ist der Schlüssel zum Erfolg. Am Anfang standen erneuerbare Energien, die Expansion von Deutschland mit ersten Projekten zunächst nach Südafrika: Biokraftstoffe, Biogas, Beratung. Seit 2003 sammelt Peter Schrum, Mehrheitseigner von SUNfarming und Präsident des Bundesverbandes Regenerative Mobilität (BRM), Erfahrungen auf dem afrikanischen Kontinent. Im Jahr 2013 war es dann so weit, Startschuss für das Programm "Food & Energy" in Südafrika mit dem ersten Training-Center.

Jobs durch den Verkauf von Strom und Gemüse

In Südafrika erfolgt einjährige Ausbildung

Denn eine gute Ausbildung ist zentraler Teil des Modells. SUNfarming investiert selbst zunächst in Fotovoltaikanlagen. Diese befinden sich auf dem Dach von Gewächshäusern, in denen einheimische Arbeitskräfte auf eigene Rechnung Gemüse anbauen. "Durch den Verkauf von Strom und Gemüse bringen die Anlagen gleich zweifach Ertrag. Und: Es entstehen Jobs", erläutert Schrum. "Durch moderne Tröpfchenbewässerung wird bis zu 90 Prozent weniger Wasser verbraucht als beim herkömmlichen Feldbau. Die Fotovoltaikmodule auf dem Dach sorgen zudem für eine Teilbeschattung und schützen die Pflanzen so vor zu starker Sonneneinstrahlung."

Partner in dem Projekt ist die North West University (NWU) in Potchefstroom. In Zusammenarbeit mit der Universität lernen die Auszubildenden, Studenten und Schüler vor Ort Techniken im Pflanzenanbau, der Bewässerung und der Vermarktung der Produkte, zusätzlich werden die Fachkräfte für den Betrieb und die Instandhaltung der Fotovoltaikanlagen ausgebildet.

"Jedes Jahr können  pro 1 Megawatt "Food & Energy" mit circa 1,8 Hektar Anbaufläche etwa 50 Jobs geschaffen werden", sagt Peter Schrum von SUNfarming. Nach einem Jahr erhalten die Auszubildenden ein Zertifikat und können sich entweder mit den neu erworbenen Kenntnissen selbstständig machen oder werden weiter auf der Anlage beschäftigt.

Franchisenehmer werden für "Food & Energy"

Dabei steht ihnen das Know-how von SUNfarming zur Verfügung, wenn sie als Franchise-Partner ebensolche "Food & Energy"-Projekte umsetzen, sei es zum Anbau oder im Falle der besten Absolventen, um ihrerseits die Ausbildung von Fachkräften in die Hand zu nehmen. Als Franchisenehmer bleiben sie Partner im System und erhalten von SUNfarming Technik sowie Hydroponiks (Hydrokulturausrüstungen). Anschließend können sie die Waren unter der Marke SUNfarming als Prime-Produkte vermarkten. Dies geschieht zum größten Teil auf dem lokalen Markt, wobei auf hohe Qualitätsstandards etwa als Biogemüse und bei der hygienischen Handhabung geachtet wird.

Neben der Partner-Universität im Gastland sind Institutionen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit an Bord, die DEG (Deutsche Entwicklungsgesellschaft, Teil der KfW Bankengruppe) hilft bei der Finanzierung der Anlagen, die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) unterstützt die Berufsausbildung auch nach Ablauf des PPP (Public-private-Partnership)-Projekts durch eigene Schulungsprogramme.

Wichtig ist für Schrum aber, dass auch SUNfarming als privater Investor dabei ist und bleibt. So werden die Fotovoltaikanlagen zum Beispiel zentral von Deutschland überwacht, um eine reibungslose Funktion zu gewährleisten und Wartungskräfte gegebenenfalls gezielt auf Probleme hinweisen zu können. Die Komponenten der Anlagen werden in Deutschland beschafft, rund 100 deutsche Unternehmen sind damit als Zulieferer dabei. Rendite lässt sich mit den Investitionen zunächst aus dem Verkauf des Stroms erzielen. Ab der ersten Ernte kommen dann die Erträge aus dem Anbau hinzu und tragen zur Finanzierung der Ausbildung bei.

Weiter nach Mauritius, Kenia, Namibia und Uganda…

Nach dem Start in Südafrika stehen etliche weitere Länder auf dem Programm. Etwa drei bis fünf Jahre veranschlagt Schrum für die Umsetzung von der Planung zum Betrieb. Zentral ist dabei wie am Kap ein kompetenter Partner, idealerweise eine lokale Universität mit Bezug zur Privatwirtschaft und entsprechendem Verständnis für die praxisorientierte Ausbildung. Gedacht ist an eine Größenordnung von 20 bis 50 Megawatt und die entsprechenden Anbauflächen als "Food & Energy" pro Land. "Wenn wir im Jahr 100 Megawatt installieren, ist das super," sagt Schrum.

Durch die Verquickung von Entwicklungsimpulsen und privatwirtschaftlicher Initiative mit direkt sichtbaren Resultaten vor Ort ist das Interesse lokaler Akteure in verschiedenen Ländern hoch. Konkrete Gespräche laufen derzeit etwa auf Mauritius und Sansibar. In Madagaskar ist die lokale Firmengründung bereits vollzogen, geplant sind Projekte an drei Standorten. Auch in Kenia ist die Umsetzung in der Vorbereitung. Ebenso dabei sind Senegal, Namibia und Uganda. Die Ausbilder für die neuen Standorte werden zunächst an der NWU in Südafrika geschult.

Außerdem ist eine zusätzliche Nutzung der Gelände denkbar: Auf dem gesicherten Terrain ließen sich neben den Gewächshäusern mit den PV-Anlagen und den Betriebsgebäuden beispielsweise gut noch weitere Ausbildungswerkstätten unterbringen, die sich mittelfristig zu lokalen Zulieferern entwickeln können. Für Ideen aus dem Handwerk und neue Partner über die Handwerkskammer zeigt sich Schrum offen.

Das Interview führte Dr. Marcus Knupp von Germany Trade & Invest im Februar 2019. 

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