Nomen scheint Omen zu sein: Das Unternehmen Ganzer Technology bietet in Marokkos Agrarsektor Komplettlösungen an. Brunnenbau, Bewässerung, Agrarinvestment sowie Farmmanagement hat das deutsche, inhabergeführte, marokkanische Unternehmen im Angebot. Nationale und internationale Kunden werden vom Landerwerb beziehungsweise -pacht bis zur Übergabe des landwirtschaftlichen Produktionsbetriebes betreut. Ganzer Technology ist ein beim Ministerium für Landwirtschaft und Meeresfischerei des Königreichs Marokko zertifiziertes Unternehmen und kann somit unabhängig die Angebotspalette aus eigener Hand stemmen. Der Firmensitz ist in Chichaoua, rund 70 Kilometer westlich von Marrakesch entfernt.

 

Der Agrarsektor wird auch in Zukunft das Herzstück der marokkanischen Wirtschaft bleiben, und vor dem Hintergrund des Klimawandels stehen nachhaltige und intelligente Bewässerungssysteme sehr hoch im Kurs.

 

Interview mit Dr. Christoph Ganzer, Gründer und Inhaber von Ganzer Technology S.A.R.L. A.U.

 

Seit wann stecken Sie Ihre ganze Energie in den marokkanischen Agrarsektor?

Im August 2011 machte ich eine erste Scoutingreise für ein deutsches Unternehmen nach Marokko. Es ging darum, Brunnen zu bohren, aber es war nicht möglich, Investoren zu finden. Dies ist auch heute noch schwierig, selbst wenn zuvor ein Businessplan alle Risiken beleuchtet. Ich war jedoch bereits damals von dem Markt überzeugt. Seit April 2014 bin ich mit Ganzer Technology als Generalunternehmen für die Installation von landwirtschaftlichen Bewässerungssystemen mit eigenem Unternehmen registriert.

 

Wie sieht es aktuell aus?

Heute installieren wir nicht nur Bewässerungssysteme, sondern bieten auch die Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe und den Betrieb solcher an. Im Prinzip decken wir in Kooperation mit regionalen Subkontraktoren ein Portfolio von fünf Geschäftsbereichen ab: Bau von Bewässerungsbrunnen, Installation von Brunnenpumpen mit Solaranlagen, Auslegung und Installation von Bewässerungssystemen, Handel mit ausgewählten Produkten der Bewässerungstechnik sowie allgemeines Farmmanagement.

 

Welche Rolle spielt Smart Farming in Marokko ?

Die Affinität zu digitalen Lösungen ist in Marokko in vielen Bereichen erkennbar. Die junge Generation ist von derartigen intelligenten Lösungen begeistert, aber bislang ist das noch die Minderheit. Großbetriebe mit elektrohydraulischer Ventilsteuerung der Bewässerungsanlage nutzen computergestützte Prozessteuerung. Diese Betriebe sind für Smart Farming zugänglich. Es ist sicher ein Geschäftszweig, auf den man in Zukunft, aber heute noch nicht bauen kann. Die kleinen und mittleren Betriebe betreiben ihre Bewässerungsanlagen noch manuell. Zurzeit ersetzen diese Betriebe mehr und mehr die mechanisch angetriebenen Brunnenpumpen durch Solarpumpen. Ich bin überzeugt, dass der Umgang mit der Solartechnik sehr schnell weitere technische Aufrüstung der Betriebe initiieren wird.

 

Mit welchen Herausforderungen kämpfen Sie in Marokko?

Ein großes Problem ist der Mangel an Liquidität für neue Projekte. Nach Geschäftsabschlüssen fehlt es bisweilen an der gewünschten Verbindlichkeit. Die mangelnde Ausbildung der Landwirte und ihre teils starke, kulturelle Einbindung wirken tendenziell innovationshemmend. Allerdings wird ihre Handlungsfähigkeit auch durch das islamische Erbrecht eingegrenzt, das die Betriebe immer mehr schrumpfen lässt. Hier fördert der Staat den Zusammenschluss von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben zu produktiveren Genossenschaften. Einer unserer aktuellen Bewässerungskunden ist eine Genossenschaft von 70 Kleinbauern, die eine 75 Hektar große Olivenplantage bewirtschaften werden. Diese Projekte sind sehr zeit- und beratungsintensiv, fördern aber die Kundenbeziehung und bieten eine vertrauensvolle und nachhaltige Zusammenarbeit.

 

Was macht für Sie die Lukrativität des Marktes aus?

Für ein Schwellenland verfügt Marokko über ein hohes wirtschaftliches Potenzial. Organisation und Strukturen sowie infrastrukturelle Voraussetzungen bieten einen Zugang zum Markt. Für ein deutsches Unternehmen, wo der Chef in allen Projektphasen präsent ist, ist die Wertschätzung sehr hoch. Das staatliche landwirtschaftliche Förderprogramm „Plan Maroc Vert“ zählte auch zu den Gründen, warum ich nach Marokko gekommen bin, denn diese Strategie der Regierung hilft vielen Landwirten, mit der knappen Ressource „Wasser“ zu haushalten und ihre landwirtschaftlichen Erträge zu steigern. Nicht zuletzt sind dadurch Geschäftschancen auch für ausländische Unternehmen entstanden.

 

Und die persönlichen Kontakte?

Ein sehr positiver Faktor ist die Gastfreundschaft der Marokkaner und ihr Vertrauen in mein Unternehmen. Dies gilt sowohl für meine Kunden auf dem Land als auch für die Investoren aus den Städten. Mit meinem heutigen Businessportfolio biete ich den Landwirten und Investoren eine „Alles-Aus-Einer-Hand Lösung“ an. Dieses Alleinstellungsmerkmal wird von den Kunden sehr geschätzt, denn meine Gesamtverantwortung für die Umsetzung des Projektes garantiert dem Kunden einen funktionierenden Betrieb.

 

Interview: Michael Sauermost, GTAI-Korrespondent in Casablanca (November 2019)



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