Mit der Firma Amalitech führt Martin Hecker IT-Nachwuchs aus Ghana mit europäischen Unternehmen zusammen. Im Interview erzählt er, wie er Kandidaten findet, weiterbildet und vermittelt.


In vielen Ländern Afrikas sind Jobs und ein gutes Einkommen rar, auch für gut ausgebildete IT-Fachkräfte. In Europa hingegen fehlen Arbeitskräfte mit genau diesem Profil. Martin Hecker, Gründer und Geschäftsführer von Amalitech, entwickelte ein Geschäftsmodell mit doppeltem Nutzen: Amalitech sorgt für die Schulung von IT-Expertinnen und Experten in Ghana und führt sie mit europäischen Unternehmen zusammen.

IT-Ausbildungsprogramm in Ghana bietet Perspektiven für junge Fachkräfte

Martin Hecker, Gründer und Geschäftsführer Amalitech

Martin Hecker, Amalitech

Herr Hecker, was hat Sie nach Ghana verschlagen?

Nach meinem Studium tourte ich durch mehrere afrikanische Länder und war von dem Kontinent begeistert. Allerdings schlug mein Weg erstmal eine andere Richtung ein: Fast 25 Jahre lang arbeitete ich im Bereich Technik und Digitalisierung, unter anderem in New York und Miami. In Lateinamerika baute ich ein IT-Unternehmen mit 1.400 Angestellten auf.

Doch meine Affinität für Afrika blieb; ich wollte mich stärker auf dem Kontinent engagieren. 2019 gründete ich dann Amalitech, ein IT-Serviceunternehmen, das mit Beschäftigten aus Ghana für internationale Firmen und Softwarehäuser arbeitet. Als gemeinnütziges Unternehmen stecken wir alle Gewinne in den weiteren Ausbau und in Sozialprojekte für die Menschen vor Ort.

Wie genau finden Sie die IT-Fachkräfte für Amalitech?

Wir suchen mit einem aufwendigen Auswahlprozess junge Menschen, die ihr Studium im IT-Bereich abgeschlossen haben. In einem sechsmonatigen Trainingsprogramm verfeinern sie ihre technischen Kompetenzen und lernen mehr über Projektmanagement. Zudem beschäftigen sie sich mit Soft Skills wie Kommunikation und Teamwork. Im Anschluss beginnen sie ihre Arbeit in einem Servicecenter, in dem sie für europäische Unternehmen neue Software entwickeln und testen.

Unsere ersten IT-Talente begannen ihr Training im Dezember 2019. Mitte 2020 geht die Arbeit in unserem ersten Servicecenter in Takoradi los. Bei der Auswahl des passenden Standorts hat uns Stefanie Simon tatkräftig unterstützt, die als ExperTS Fachkraft an der Auslandshandelskammer Ghana tätig ist. Ein zweites Center in Ghana soll bald folgen, sowie ein Standort in Ostafrika. Jedes Center soll um die 500 IT-Fachkräfte beschäftigen.

Wie stemmen Sie diese Aufgaben von der Auswahl über Ausbildung bis hin zur Beschäftigung Ihrer Fachkräfte?

Wir arbeiten in einem erweiterten Netzwerk. Um unsere ghanaischen Trainerinnen und Trainer fit zu machen, nutzen wir Input aus amerikanischen und kanadischen Universitäten sowie Online-Seminare mit amerikanischen und deutschen Professorinnen und Professoren.

Außerdem hat uns die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) von Anfang an über die Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung unterstützt – sowohl finanziell als auch mit regionalem Know-how. Ohne die Kontakte, die uns die GIZ vermittelte, hätte sich uns das Land nicht so erschlossen.

Unsere Ansprechpartner dort geben uns auch viel im Bereich Inklusion und Gleichberechtigung an die Hand. Wir wollen bei Amalitech gerne barrierefrei arbeiten und irgendwann ebenso viele Frauen wie Männer beschäftigen. Da hilft uns die Kooperation mit der Entwicklungszusammenarbeit enorm.

Können Sie sich auch Kooperationen mit kleineren Unternehmen vorstellen?

Ja, über unseren Verein Digital Skill Accelerator Africa, kurz DSAA e. V., den wir Ende 2019 zusammen mit den Technologieunternehmen Majorel und getINNOtized gründeten. Hier teilen Fachleute ihr Wissen und wir initiieren größere Trainingsprogramme für digitale Themen. Die Sonderinitiative, die unter der Marke Invest for Jobs auftritt, unterstützt den Verein mit dem Ziel, Jobs im digitalen Bereich in Afrika zu schaffen. Interessenten sind herzlich willkommen!

Gibt es neben diesen Kooperationen weitere Erfolgsfaktoren?

Eine jahrelange Vorbereitung war essentiell. Trotzdem gab es Herausforderungen, die wir nicht antizipieren konnten. Die kulturellen Unterschiede sind enorm und man kann Strukturen aus Deutschland oder den USA nicht einfach in Ghana kopieren. Da brauchten wir ghanaische Mitarbeitende, die die Umstände vor Ort gut kannten und auf die wir uns verlassen konnten. Ohne unser lokales Team wären wir heute nicht da, wo wir jetzt sind.

Das Interview fand im März 2020 statt.


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