Der portugiesische Mischkonzern Grupo NOV ist seit 29 Jahren in Angola und Mosambik tätig, überwiegend in der Baubranche. Auf die beiden afrikanischen Länder entfielen seit 2017 zusammen knapp 10 Prozent des Firmenumsatzes von durchschnittlich 142 Millionen Euro im Jahr, in der Bausparte waren es sogar 28 Prozent. 

Vitor Santos wurde in Angola geboren, ging später nach Portugal ins Land seiner Vorfahren und arbeitet jetzt wieder in Luanda. Dort ist er Geschäftsführer von Grupo NOV Subsariana und verantwortlich für die Märkte südlich der Sahara. Im Interview gibt er einen Einblick, wie er an Aufträge kommt, wie der Wettbewerb unter anderem aus China agiert und welche Expansionspläne er hat. 

Mosambik und Angola bringen über ein Viertel des Bauumsatzes

Herr Santos, Angola ist der Hauptmarkt von Grupo NOV in Subsahara-Afrika?

Vitor Santos, Geschäftsführer von Grupo NOV Subsariana

Vitor Santos, Geschäftsführer von Grupo NOV Subsariana

Eindeutig. In Mosambik, wo wir ebenfalls etliche Bauprojekte umgesetzt haben, hat Corona unser Geschäft fast stillgelegt. Wir machen dort mit einigen Projekten weiter und haben auch gute Aussichten für die nahe Zukunft. Als Subsahara-Zentrale unseres Unternehmens erzielen wir bisher nur in diesen beiden portugiesischsprachigen Ländern Umsätze. 

Was genau machen Sie?

In Angola arbeiten wir derzeit an acht Bauprojekten, wobei Corona auch hier viel Geschäft gestoppt hat. Zu den laufenden Vorhaben zählen drei öffentliche Projekte, die staatlich finanziert sind. Vor 2015 kamen unsere Aufträge noch überwiegend aus dem öffentlichen Sektor, so für eine 12 Millionen US-Dollar teure Bibliothek oder ein Rathaus. Mit dem Rückgang des Ölpreises wurden dort jedoch die Mittel knapper. Seither fokussieren wir uns auf private Kunden. In Angola verleihen wir außerdem Kfz und warten Fahrzeuge (Gruppenfirma TEC) und sind mit zwei Unternehmen in der Immobilienbranche vertreten.

Wer sind Ihre privaten Bau-Kunden?

Wir errichten Onshore-Logistikplattformen und Unterkünfte für Ölgesellschaften, industrielle Infrastrukturen für Produktionsbetriebe sowie Immobilien. Dabei erledigen wir die reinen Bauarbeiten mit einem Projektwert von typischerweise 3 Millionen oder 4 Millionen Euro; bei Immobilien sind die Zahlen deutlich höher. Unsere Kunden in Industrie und Ölwirtschaft sind sowohl die großen Projektbetreiber selbst als auch deren Subunternehmen. 

Teilnahme an Ausschreibungen nur in Afrika

Wie gelangen Sie an Ihre Aufträge?

Über Ausschreibungen. Die staatlichen Ausschreibungen in Angola und Mosambik werden allesamt in den Medien veröffentlicht, gegenwärtig auch auf den einschlägigen Regierungswebsites. Von den Öl- und Gaskonzernen erhalten wir manchmal eine Einladung zur Angebotsabgabe. Unsere Kontakte für die Bearbeitung von Ausschreibungen laufen allesamt in Angola, wir gehen also nicht über die Konzernzentralen der Kunden in Europa oder anderswo. 

Wie verlaufen öffentliche Ausschreibungen in Afrika?

Sehr ähnlich wie in Europa. Wie alle anderen Firmen in Angola und Mosambik beobachten wir die Tender-Plattformen eingehend. Nach genauer Analyse beantragen wir dann die Ausschreibungsunterlagen. Die Zeit zwischen dem Schließen der Angebotsabgabe und der Vertragsunterzeichnung reicht von drei oder vier Monaten bis zu einem Jahr und mehr, hier gibt es keine Grenze. Ähnlich wie in Europa nimmt sich die zuständige Kommission unterschiedlich viel Zeit, je nach Komplexität des Projekts und Anzahl der eingegangenen Angebote.

Wer sind Ihre Konkurrenten?

Bei Infrastrukturprojekten (Straßen, Wasser/Abwasser, Gesundheit, Schulen) sind es vor allem angolanische sowie andere portugiesische Bauunternehmen, manchmal auch chinesische. Spanische Baufirmen sind ebenfalls im Land aktiv. Französische Baugruppen konzentrieren sich eher auf das frankofone Afrika. 

Chinesen verabschieden sich von Billigstrategie für Afrika 

Wie sehen Sie chinesische Bauunternehmen?

Mit ihnen konkurrieren wir in Angola und Mosambik kaum. Sie bauen in den beiden Ländern selten privat finanzierte Gebäude, die europäischen Standards genügen müssen. Und in der Infrastruktur arbeiten sie meist an kapitalintensiven Projekten, die entweder von China oder anderen internationalen oder lokalen Institutionen finanziert werden. Bei Bau-Ausschreibungen der Ölbranche bieten chinesische Firmen manchmal mit, und sie haben auch schon Aufträge gewonnen. Interessanterweise haben sie sich dabei von ihrer Billigstrategie verabschiedet. Die Chinesen reichen also mitnichten immer das günstigste Angebot ein. 

Wie viele Mitarbeiter haben Sie, und was sind das für Leute?

Grupo NOV hatte im Schnitt der letzten vier Jahre 1.650 Beschäftigte. In Angola waren es zu Spitzenzeiten 600, in Mosambik 270. Zurzeit sind es etwa 380 auf unseren Baustellen in Angola und 120 in Mosambik; dies hängt natürlich von Anzahl und Umfang unserer Projekte ab. Zu Spitzenzeiten kam dabei auf vier lokale Mitarbeiter ein Ausländer. Heute sind in Angola rund 25 der 380 Mitarbeiter Portugiesen, hinzu kommen sieben Portugiesen in unserem Back Office sowie vier weitere in unserer Kfz-Firma. Im Wesentlichen sind die Portugiesen Techniker sowie Ingenieure der ersten, zweiten und manchmal auch dritten Ebene. Über 30 Prozent unserer Ingenieure in beiden Ländern sind Einheimische. 

Alle ausländischen Mitarbeiter sind Portugiesen

Beschäftigen Sie auch nichtportugiesische Ausländer?

Nein. Man kommt in Angolas und Mosambiks Geschäftsleben zwar mit Englisch durch, aber es ist doch nur Portugiesisch als europäische Sprache, in der alle Informationen zirkulieren. Die Sprache und auch die kulturelle Verbundenheit sind schon sehr wichtig. Zudem gibt es in beiden Ländern ein sehr starkes portugiesisches Netzwerk aus vielen Firmen und natürlich Menschen, die hier arbeiten und leben. Die meisten unserer portugiesischen Beschäftigten kommen übrigens tatsächlich aus Portugal selbst; manche davon sind hiergeblieben und haben Familien gegründet. Die anderen wurden, so wie ich auch, in Angola oder Mosambik geboren und haben teilweise auch die Staatsangehörigkeit dieser Länder.

Wollen Sie von Ihrer regionalen Zentrale in Angola aus auch in andere, nicht-lusophone Länder expandieren? 

Wir sind schon dabei. Erstes Ziel war ein Infrastrukturprojekt in Ghana, und dann gingen wir für ein wichtiges Vorhaben nach Tansania. Allerdings hat Corona diese Projekte vorerst auf Eis gelegt, so wie viele andere auch. Von Luanda aus sondieren wir jetzt auch andere Märkte in Subsahara-Afrika und außerdem im Nahen Osten. 

Das Interview fand im April 2021 statt.

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