Das Länderprofil wurde zuletzt im Juni 2021 aktualisiert.

Nigeria ist mit mittlerweile mehr als 200 Millionen Einwohnern bei Weitem das bevölkerungsreichste Land Afrikas und konnte bezüglich der Wirtschaftsleistung vor einigen Jahren sogar an Südafrika vorbeiziehen. Für Deutschland rangiert es an zweiter Stelle der wichtigsten Exportpartner in Subsahara-Afrika. Allerdings setzte mit dem Ölpreisverfall 2016 eine wirtschaftliche Krise ein, die sich bis in die Gegenwart auswirkt. Die Coronakrise setzt dem Land nun zusätzlich schwer zu. 


Hinweis

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Nigerias Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest.

Daten und Fakten

Die wichtigsten Wirtschaftsdaten zu Nigeria auf einen Blick

Die wichtigsten Wirtschaftsdaten zu Nigeria auf einen Blick

Offizieller Name & Hauptstadt: Bundesrepublik Nigeria, Abuja

Geschäftssprache: Englisch

Einwohner: 206,1 Millionen (2020)*

Durchschnittsalter: Ø 18,6 (2020)*

Bevölkerungswachstum: 2,5 % (2020)*

Währung & Wechselkurs (März 2021): Naira (N); 1 Euro = 445,626 N

BIP: 2.083 US-Dollar pro Kopf (2020)*

Wirtschaftswachstum: 2,5 % (2021)*

Ausländische Direktinvestitionen: 98,62 Mrd. US-Dollar (2019)*

Deutsche Importe: 1,6 Mrd. Euro (2020)*

Wichtigste deutsche Importgüter (2020*; in % der Gesamteinfuhr)

  1. Erdöl 83,2
  2. Nahrungsmittel 11,2
  3. Petrochemie 2,7
  4. Rohstoffe (außer Brennstoffe) 2,6
  5. Nichtmetallische Mineralien 0,1;

Deutsche Exporte: 0,9 Mrd. Euro (2020)*

Wichtigste deutsche Exportgüter (2020*; in % der Gesamtausfuhr)

  1. Maschinen 27,8
  2. Nahrungsmittel 19,6
  3. Chemische Erzeugnisse 18,8
  4. Kfz und Kfz-Teile 8,9
  5. Elektrotechnik 3,0
  6. Elektronik 3,0
  7. Mess- und Regeltechnik 2,8

*vorläufige Angabe, Prognose/Schätzung

Quelle: Wirtschaftsdaten kompakt - Nigeria von Germany Trade & Invest 

Expertenstimme zu Nigeria

Katharina Felgenhauer, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Nigeria:

Katharina Felgenhauer, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Nigeria

Nigeria-Expertin Katharina Felgenhauer

Trotz – oder gerade wegen – der Corona-Krise bleibt Nigeria ein attraktiver Zielmarkt: In dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas mit über 200 Millionen Einwohnern wird die Nachfrage nach Konsumgütern weiter steigen. Potenzial sehen wir zudem in Agrarwirtschaft, Gesundheitswirtschaft, e-Commerce und Infrastrukturvorhaben. Verstärkt werden Anstrengungen unternommen, lokale Wertschöpfung und Weiterverarbeitung aufzubauen und die Wirtschaft zu diversifizieren. Hier sind auch Zulieferer und Know-How aus Deutschland gefragt.

SWOT-Analyse

Germany Trade & Invest beleuchtet Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Nigerias als Wirtschaftsstandort und gibt eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Reichtum an Öl und Gas
  • Größter Konsumgütermarkt Afrikas mit mehr als 200 Mio. Einwohnern
  • Im afrikanischen Vergleich breit aufgestellte Industrie in Lagos
  • Großer Pool an motivierten Arbeitskräften

W (Weaknesses | Schwächen)

  • Schlechte Infrastruktur (Energie, Transport, Wasser)
  • Korruption und Vetternwirtschaft in der öffentlichen Verwaltung
  • Hohe Standortkosten
  • Rückläufige Kaufkraft bei einem Großteil der Bevölkerung

O (Opportunities | Chancen)

  • Hoher Bedarf an Infrastruktur (Energieerzeugung, Transport, Wohnen, Telekommunikation)
  • Großes Potenzial in der Landwirtschaft und Nahrungsmittelverarbeitung
  • ECOWAS und neue panafrikanische Freihandelszone 

T (Threats | Risiken)

  • Latenter Abwertungsdruck auf Währung Naira
  • Stark schwankender Ölpreis
  • Sicherheitsrisiken in vielen Teilen des Landes
  • Steigende Arbeitslosigkeit und Armut
  • Zunehmende ethnische und religiöse Spannungen

Potenzialbranchen


Chemie

Dangotes Mega-Ölraffinerie soll 2021 fertig gestellt werden. Künftig sollen dort Benzin, Diesel, Kerosin, Polypropylen, Propan, Schwefel sowie Düngemittel hergestellt werden. Die Indorama-Gruppe aus Singapur plant bis 2025 Investitionen in Milliardenhöhe und könnte zum größten Hersteller von Petrochemikalien und Düngemittel in Afrika werden.

Energiewirtschaft

Die Regierung fördert dezentrale Energielösungen wie Mininetze und netzunabhängige Solarsysteme. Mit Siemens als Partner soll das Stromnetz modernisiert und bis 2023 Kapazitäten von 11 Gigawatt aufgebaut werden.

Bauwirtschaft

Die Politik investiert stärker in Infrastruktur und sorgt dadurch dafür, dass die Baubranche sich nach einer langen Flaute erholt. Es stehen einige Großprojekte an, wie der Ausbau des Straßen- und Bahnnetzes oder des Tiefseehafens Lekki.

Landwirtschaft

Die Branche verzeichnet in der Corona-Pandemie kaum Einbußen. Der Staat ist der größte Käufer von Landmaschinen. Private Investitionen fließen in den Anbau von Gemüse, Reis, Zuckerrohr, Kassava und Tomaten sowie in den Aufbau von Geflügelfarmen.

Nahrungsmittel

Der Staat fördert die lokale Produktion durch staatliche Programme. Zudem fließen mehr private Investitionen in die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Hier sind die Untersegmente Milchprodukte, Cerealien, Snacks und Getränke besonders vielversprechend.

Bergbau und Rohstoffe

Nicht nur die Coronakrise führt zu Verzögerungen bei vielen Ölprojekten. Ein neuer Gesetzentwurf (Petroleum Industry Bill) sorgt für Verunsicherung. Das Ziel ist es den Sektor umzustrukturieren und Anreize für Investoren zu schaffen. Erdgas gewinnt an Bedeutung.

Maschinen- und Anlagenbau

Nigeria bleibt für deutsche Maschinenbauer der wichtigste Markt in der Region, allerdings nimmt die Konkurrenz aus China und Indien zu. Exportpotenzial für deutsche Unternehmen gibt es bei Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sowie bei Druck- und Papiermaschinen. Oftmals ist der Import von Maschinen und Anlagen von einem Einfuhrzoll befreit.

Der Branchencheck-Nigeria enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Das Rechtssystem Nigeria folgt dem angelsächsischen Common Law. Auch heute noch wird englische Rechtsprechung zur Auslegung des Rechts herangezogen. Nigeria ist eine Bundesrepublik, in der die einzelnen Bundesstaaten in einigen Bereichen eigene Rechtssetzungskompetenzen haben. Ausländische Investoren können grundsätzlich in allen Bereichen investieren. Lediglich einige explizit genannte Wirtschaftsbereiche sind beschränkt. Bei der Gründung einer Gesellschaft stehen die im Common Law üblichen Rechtsformen zur Verfügung.

Zoll- und Einfuhrregelungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Nigeria sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regelungen zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden. 

Arbeitsmarkt und Löhne

Löhne und Gehälter variieren in Nigeria je nach Branche und Position. Vor allem ausländische Unternehmen sind beliebt und machen die Mehrzahl der Arbeitgeber aus. In allen Branchen gilt ein gesetzlicher Mindestlohn. Freiwillige Zusatzleistungen, sogenannte Allowances, spielen eine wichtige Rolle, um Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Die häufigsten Zusatzleistungen sind Mietzuschüsse, Zuschüsse zum ÖPNV sowie Urlaubszulagen.

Einen detaillierten Überblick über die Lage am Arbeitsmarkt, Löhne und den arbeitsrechtlichen Rahmen in Nigeria gibt die GTAI-Publikation Lohnkosten und Lohnnebenkosten Nigeria.

Die Qualifizierung junger Fachkräfte, die sich am Bedarf der nigeranischen Wirtschaft ausrichtet, ist eine der großen Herausforderungen des Landes. iMOVE: Training – Made in Germany bietet Informationen zum nigeranischen Markt der Aus- und Weiterbildung und Chancen, die sich für deutsche Bildungsanbieter ergeben.

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Nigeria sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der nigerianischen Regierung bereit. Aus geberfinanzierten Vorhaben resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.

Bei Germany Trade & Invest finden Sie aktuelle 

Unterstützung beim Markteinstieg

Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika, das BMWi-Markterschließungsprogramm und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Nigeria zu erleichtern.

Nahrungsmittel

Ein BMWi-Branchenexperte identifiziert Geschäftsmöglichkeiten in der Lebensmittelverarbeitungstechnik in Ghana für interessierte Unternehmen.

Nigeria gehört zu den Zielländern des Projektes "Lebensmittelverarbeitungstechnik und -logistik in Westafrika" des Wirtschaftsnetzwerks Afrika.

Cover der Marktstudie Lebensmittelverarbeitungstechnik und -logistik in Westafrika

Marktstudie Lebensmittelverarbeitungstechnik und -logistik in Westafrika

Das Projekt umfasst verschiedene Module, u.a.

Energiewirtschaft

Die Exportinitiative Energie hat 2020 zwei Zielmarktanalysen zur Energieversorgung und zum Strommarkt in Nigeria veröffentlicht: 

Das Kompetenzzentrum Energie und Umwelt der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Nigeria informiert und unterstützt Unternehmen vor Ort zu den Themen Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Umwelttechnologie.

Landwirtschaft 

Das Kompetenzzentrum Agrarwirtschaft der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Nigeria informiert und unterstützt Unternehmen vor Ort.

Erfahrungsberichte


Aus den Erfahrungen anderer Unternehmen in Afrika lernen – unter diesem Motto steht unsere Rubrik Erfahrungsberichte. Hier finden Sie "real practices" von Unternehmen in Nigeria.

Nahrungsmittel

Kontakte und weiterführende Links