Das deutsche Unternehmen Ottobock ist Marktführer für orthopädietechnische Komponenten in Marokko. Während der Coronakrise hat sich nicht nur der Geschäftsbetrieb für Ottobock verändert, sondern auch die staatlichen Maßnahmen im Gesundheitssystem.

Die Coronapandemie erhöht den Druck auf das marokkanische Gesundheitswesen. Immer noch sind die Gesundheitsausgaben pro Kopf vergleichweise niedrig. Die Regierung plant den Ausbau der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Was das Virus für den Vertrieb und die Fertigung von Ottobock in Marokko bedeutet und vor welchen Aufgaben das Unternehmen in dem nordafrikanischen Land steht, berichtet Houda Toufelaz im Gespräch mit Germany Trade & Invest.

Mehr Ausgaben für Gesundheit

Wie haben sich die Aktivitäten von Ottobock in Marokko entwickelt?

Ottobock ist mittlerweile der Anbieter Nummer Eins für orthopädietechnische Komponenten und Werkstatteinrichtungen in Marokko. Etwa 90 Prozent der öffentlichen Orthopädietechnikwerkstätten wurden von Ottobock ausgerüstet. Seit 2010 setzen wir mit unserer Niederlassung in Casablanca unser orthopädietechnisches Know-how ein, um Menschen mit Handicap Mobilität zurückzugeben und erhaltene Funktionen zu schützen.

Unser Fokus liegt auf patientenzentrierten Versorgungslösungen. Neben dem Vertrieb unserer Produkte fertigen wir in unserer Versorgungswerkstatt vor Ort individuell angepasste Prothesen und Orthesen. Die Lösungen zielen darauf ab, das physische Handicap unserer Patienten auszugleichen und sie wieder in ihr soziales, familiäres sowie berufliches Umfeld zu integrieren. Ottobock hat derzeit 13 Angestellte in Marokko. Unsere Hauptkunden sind öffentliche Krankenhäuser, das Militär, private Versorgungswerkstätten, Nichtregierungsorganisationen und Privatkliniken.

Welche Entwicklung erwarten Sie vom marokkanischen Medizintechnikmarkt?

Die Entwicklung des öffentlichen Sektors ist unter anderem durch den Gesundheitsplan 2025 des Ministeriums vorgegeben. Eine der drei Säulen des Plans beinhaltet die Entwicklung des öffentlichen Krankenhaussektors. Rund 14 Milliarden Dirham will Marokko in die Kapazitätserweiterung der Hospitäler investieren. Neue Krankenhäuser werden gebaut, neue Ausrüstungen beschafft und bestehende Einrichtungen renoviert.

Was sind die größten Herausforderungen für ausländische Unternehmen im marokkanischen Healthcare-Sektor?

Eine Hürde ist der Registrierungsprozess von medizintechnischen Produkten im Gesundheitsministerium durch die Direction du Médicament et de la Pharmacie (DMP). Es kann durchaus sechs bis neun Monate dauern, bis ein Produkt registriert ist und importiert werden kann. Außerdem sind die Gesundheitsausgaben pro Kopf immer noch niedrig und prothetische und orthetische Produkte und Dienstleistungen werden kaum erstattet. Eine weitere Herausforderung liegt in dem Mangel an qualifizierten Fachkräften, die in der Lage sind Menschen mit Behinderungen und eingeschränkten Funktionen adäquat zu versorgen.

Wie wirkt sich die Coronapandemie auf den Gesundheitssektor in Marokko aus? Und wie ist die Situation vor Ort für Ottobock?

Die Auswirkungen auf unser Geschäft resultieren vor allem aus dem Rückgang der Patientenbesuche in den medizinischen Zentren - sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor. Unser Betrieb musste nur für einen Monat aussetzen. Das war genügend Zeit, alle Hygienemaßnahmen einzurichten, um für die Sicherheit unserer Patienten zu sorgen. Die Regierung hat Unternehmen im Gesundheitssektor erlaubt, ihre Aktivitäten während des Lockdowns fortzusetzen. Dies unter der Prämisse, dass alle notwendigen Hygienemaßnahmen erfüllt werden. So haben wir unser Personal mit allen erforderlichen Schutzausrüstungen ausgestattet, um unsere Tätigkeit aufrecht zu erhalten.

Die Covid-19-Krise hat die Grenzen des Gesundheitssystems und die Notwendigkeit der Stärkung der Gesundheitsversorgung, der medizinischen Infrastruktur und der sozialen Gerechtigkeit aufgezeigt. Dies hat zu neuen Gesundheitsvorhaben in Marokko geführt, für ein besseres Management und für mehr Gleichbehandlung. Maßnahmen sind zum Beispiel die Erhöhung des Gesundheitshaushalts für 2021 um 5,8 Prozent und die Ausweitung des Sozialversicherungsschutzes für die gesamte Bevölkerung, die ab Januar 2021 wirksam wird und bis 2026 verlängert wird. Auch öffentlich-private Partnerschaften sollen verstärkt werden.

Das Interview fand im November 2020 statt.

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