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Bauingenieure, technische Fachkräfte und IT-Spezialisten für erfolgreiche Projekte in Afrika brauchen Unternehmen qualifiziertes Personal vor Ort. Doch in vielen afrikanischen Ländern fehlt es an gut ausgebildeten Fachkräften.

Eigentlich sehen die Zahlen gut aus. Laut einer Studie der Weltbank strömen jährlich allein in Subsahara-Afrika circa 11 Millionen junge Afrikaner und Afrikannerinnen auf den Arbeitsmarkt. Interessierte Bewerber gibt es damit genug. Trotzdem finden viele Firmen, die nach Auszubildenden und Fachkräften suchen, kein passendes Personal. Zu groß ist die Diskrepanz zwischen der schulischen Ausbildung und den Bedürfnissen der Wirtschaft. Internationale Unternehmen, die vor Ort tätig sind oder es werden wollen, stellt die Suche nach geeignetem Personal daher vor große Herausforderungen.

Quelle: African Center for Economic Transformation

Hochschulabsolvierende entsprechen mit ihren Qualifikationen häufig nicht den Anforderungen der Unternehmen. Das führt dazu, dass auch heute noch ein Großteil der Studierten im informellen Sektor arbeitet.

Staatliche Investitionen in Bildung

Durchschnittlich 5 Prozent ihres BIP geben die afrikanischen Länder für Bildung aus. Dabei gibt es starke regionale Unterschiede. Länder wie Simbabwe, Eswatini und Senegal erreichen sogar 6 Prozent. Während der Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, Guinea-Bissau, Uganda und Madagaskar hinter der Zielsetzung des Weltbildungsforums  von 4 bis 6 Prozent mit nur 2,5 Prozent ihres BIP zurückbleiben. Vielerorts fehlt es an geeigneter Ausstattung von Universitäten und praxisnahen Bildungsplänen. Das heißt der Kontinent braucht vor allem langfristige Investitionen in Bildungssysteme, die darauf ausgelegt sind Kompetenzen zu vermitteln anstatt sich ausschließlich auf Abschlüsse zu fokussieren.

Erfolgreiche Initiativen zur Aus- und Weiterbildung

Mit zahlreichen Initiativen engagieren sich deutsche Unternehmen, Institutionen und bildungspolitische Akteure auf dem Gebiet der Aus- und Weiterbildung in Afrika. Ziel ist es Modelle zur Förderung dualer Bildungssysteme nach deutschem Vorbild zu etablieren. Denn die Berufsausbildung im klassischen Sinne wird in Afrika immer noch häufig als zweitklassiger Bildungspfad empfunden.

  • Die Auslandshandelskammern vor Ort unterstützen Firmen bei der konkreten Organisation dualer Ausbildungen, etwa in Tunesien, Südafrika und Nigeria.
  • Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)  hat in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern in Botsuana, Kenia und Nigeria die Initiative Fachkräfte für Afrika gegründet. Der Fokus liegt auf Berufen in der Industriemechanik, Elektronik und Mechatronik.
  • Das Stipendienprogramm Afrika kommt bildet seit 2008 junge Führungskräfte aus Afrika in Deutschland aus. 12 Monate lang schauen die Stipendiaten Managern über die Schulter und erhalten so einen Einblick in die Arbeitsabläufe deutscher Unternehmen. Durchführer des Programmes ist die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
  • Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)  unterstützt mit der Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung europäische und afrikanische Unternehmen bei ihrem Engagement in Afrika. Ziel ist es Wirtschaftsstandorte und Branchen zu fördern, Investitionen sowie den Mittelstand zu stärken.

Gehälter sind in Afrika Verhandlungssache

Qualifizierte Arbeitskräfte haben ihren Preis. Vor allem dort, wo sie derzeit noch vielerorts fehlen, schießen Personalkosten schnell in die Höhe. So können etwa Ingenieure in Nigeria ein ähnliches Gehalt verlangen wie in Deutschland. Auch in Marokko gleichen sich die Löhne für Personal in Führungspositionen zunehmend dem europäischen Niveau an. In Südafrika verdienen Topmanager mitunter mehr als ihre Kollegen im Vereinigten Königreich oder in den USA. Bei den wenigen Festanstellungen variieren die Gehälter stark, auch innerhalb eines Betriebs. Ausschlaggebend ist hierbei das Verhandlungsgeschick eines jeden Angestellten. Insgesamt betrachtet liegen die Lohnkosten in den Ländern Afrikas weit unter dem Niveau Europas. Damit ist der Kontinent ein interessanter Produktionsstandort, der sich zunehmend als eine Alternative zu Fernost entwickelt.

Auch wenn sich der Start durch die Corona-Pandemie noch verzögert, so sehnen viele die afrikanische Freihandelszone herbei. Neben der Begünstigung des innerafrikanischen Warenverkehrs, ermöglicht sie vor allem qualifizierten jungen Afrikanern und Afrikannerinnen, sich grenzübergreifend nach Arbeitsplätzen umzusehen.

Beschäftigte in Afrika auf Dauer binden

Personal zu finden ist eine Herausforderung, die besten Talente möglichst lange im Betrieb zu halten, eine weitere. Nicht immer zahlen sich die Investitionen in die Ausbildung der Belegschaft aus. Das Abwerben von innerbetrieblich geschulten Fachkräften ist in Afrika weit verbreitet. Viele Angestellte ziehen weiter, sobald sie bei einem anderen Arbeitgeber ein besseres Gesamtpaket finden. Doppelte oder sogar dreifache Gehälter machen den Wechsel besonders attraktiv. Wichtig ist es daher herauszufinden, was sich Mitarbeitende wünschen.

Freiwillige Zusatzleistungen sind ein gutes Argument, um Arbeitskräfte zu halten und neue anzulocken. In vielen Fällen gehören Beschäftigte nicht automatisch einer Krankenkasse an, sodass Firmen entweder für eine Vertragsklinik oder private Krankenversicherung zahlen. In Ländern ohne nennenswerte Rentenversicherung ist eine gute Altersvorsorge ebenfalls ein wichtiges Argument für einen Arbeitgeber.

Darüber hinaus spielen Statussymbole wie Firmenhandy und -wagen eine Rolle. Weitere freiwillige Zusatzleistungen, mit denen Unternehmen punkten können, sind Mietzuschüsse oder Beiträge zu den Kosten für ÖPNV oder Benzin.

Erfahrungsberichte von Unternehmen

Interessante Einblicke und Informationen aus erster Hand rund um das Thema Aus- und Weiterbildung in Afrika. Deutsche Unternehmen berichten von ihren Erfahrungen. Der Weg zu gut ausgebildeten Fachkräften: Rückschläge, Stolpersteine und Erfolge.

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