Marokko hat sich im vergangenen Jahrzehnt zu einem wichtigen Industriezentrum für Investoren aus der ganzen Welt entwickelt. In unmittelbarer Nähe zu Europa ist das Land außerdem ein interessanter Logistikstandort. Es lockt ausländische Unternehmen mit einer guten Infrastruktur und steuerlichen Anreizen.
Das Königreich gilt als stabil und zugleich offen für private Unternehmen. In speziellen industriellen Sonderzonen haben sich zahlreiche Firmen aus Amerika, Asien und Europa angesiedelt. Besonders stark vertreten sind der Automobilsektor und die Flugzeugindustrie.
Im Dienstleistungsbereich hat sich Marokko zu einem wichtigen Finanzstandort entwickelt, der Tourismus boomt. Dank Ausrichtung der Fußball-WM 2030 stehen zahlreiche Hoch- und Tiefbauprojekte an. Im Wassersektor sind in den kommenden zehn Jahren unter anderem 53 Meerwasserentsalzungsvorhaben geplant.
Die Landwirtschaft kämpft weiterhin mit der strukturellen Wasserknappheit und einem traditionellen Agrarmodell.Im Bergbau und in der Agrarchemie profitiert vor allem Marokkos Phosphatsektor von der weltweit steigenden Nachfrage nach diesem Rohstoff.
Das Länderprofil wurde zuletzt im August 2026 aktualisiert.
Marokko ist eines von fünfzehn afrikanischen Ländern der G20-Initiative Compact with Africa (CwA). Ziel ist es, die Bedingungen für private Investitionen in den Teilnehmerländern zu verbessern.
Daten und Fakten Marokko
SWOT-Analyse
S
StrengthsStärken
Politische Stabilität und Reformbereitschaft
Gutes Investitionsklima
Wachstumspotenzial auch in Zukunftsbranchen
Potenzial für Nearshoring
Günstige Lage zwischen Afrika und Europa
W
WeaknessesSchwächen
Mangel an Zulieferern für neue Industriebranchen
Agrarsektor ist klimabedingter Unsicherheitsfaktor
Verbreitete Arbeitslosigkeit und Armut
Hoher Anteil des informellen Sektors
Mangel an Fachpersonal außer Fahrzeug- und Flugzeugbau
O
OpportunitiesChancen
Anhaltender Infrastrukturausbau
Zukunftsmarkt für Elektrolyse
Importabhängigkeit in einzelnen Nischensektoren
Vielfältiges Potenzial durch Digitalisierung
Plattform für Handel mit Afrika
T
ThreatsRisiken
Wirtschaftliche Abhängigkeit von der Konjunkturentwicklung in der EU
Marokko wird womöglich größter Akkuproduzent auf dem afrikanischen Kontinent. Eine neue Gigafabrik am Standort Kenitra zieht weitere Zulieferbetriebe an. Neben China investieren unter anderem Korea und Kanada. Marokko könnte damit zu einem attraktiven Standort für die Montage kompletter E-Autos werden. Aktuell produzieren Renault und Stellantis vor Ort bereits 700.000 Fahrzeuge mit Verbrennermotor pro Jahr.
Energiewirtschaft
Marokko positioniert sich auf dem Zukunftsmarkt für grünen Wasserstoff. Das Land hat schon in erneuerbare Energien investiert. Bis 2030 will es 52 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen gewinnen. Das eröffnet Chancen für die Energiewirtschaft in Marokko. Mit Hilfe von ausländischen Investitionen entwickelt sich eine international wettbewerbsfähige Wasserstoffindustrie. Neben Wasserstoffanlagen entstehen weitere Solar- und Windparks.
Wasser und Umwelt
Bevölkerungswachstum, Urbanisierung sowie die kontinuierlich steigende Nachfrage aus Landwirtschaft, Industrie und Tourismus fordern die marokkanische Wasserwirtschaft heraus. Das Land investiert deshalb kräftig in die Meerwasserentsalzung. Ebenfalls ausgebaut und modernisiert werden Dämme, Bewässerungssysteme für den Agrarsektor sowie die Trink- und Abwasserversorgung.
Bergbau und Rohstoffe
Marokkos Bergbauindustrie erlebt derzeit einen starken Aufschwung, was zu einer hohen Nachfrage nach moderner Bergbautechnik führt. Die marokkanische Regierung investiert verstärkt in die Erschließung neuer Lagerstätten und die Modernisierung bestehender Minen, insbesondere im Bereich der strategisch wichtigen Rohstoffe wie Phosphate, Kobalt und Mangan.
Internationale Unternehmen profitieren von zahlreichen Ausschreibungen und Geschäftsmöglichkeiten, da Marokko seine Produktion steigern und die Wertschöpfung im Land erhöhen will. Deutsche Anbieter von Bergbautechnik und -dienstleistungen haben gute Chancen, sich auf dem Markt zu etablieren, insbesondere durch Kooperationen mit lokalen Partnern und die Teilnahme an staatlich geförderten Projekten. Auch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung im Bergbau eröffnet neue Potenziale für innovative Technologien.
Nahrungsmittel und Getränke
Marokkos Nahrungsmittelverarbeitung gilt als Top-Wachstumsbranche. Der Verarbeitungsgrad landwirtschaftlicher Produkte soll im Rahmen der Strategie „Generation Green“ steigen. Dafür ist Ausrüstung zum industriellen Auf- oder Zubereiten sowie zum Herstellen von Lebensmitteln gefragt. Am dynamischsten zeigt sich die Getränke- und Fleischindustrie.
Textil und Bekleidung
Die marokkanische Textil- und Bekleidungsindustrie ist auf einem guten Weg, verloren gegangene Marktanteile zurückzugewinnen. Für deutsche Anbieter von Anwendungen im Bereich Industrie 4.0 gilt Marokko als Zukunftsmarkt. Die Einführung nachhaltiger Produktionsverfahren ist erforderlich, um bei Exporten in die EU konkurrenzfähig zu bleiben. Auch Nischenprodukte, etwa im Bereich Industrietextilien, und eine Ausrichtung auf andere afrikanische Absatzmärkte bieten Potenzial für die Zukunft.
Mehr Brancheninfos
Germany Trade & Invest (GTAI) bietet weitergehende Informationen zu aussichtsreichen Branchen in Marokko.
Die Analysen beleuchten neben der Marktentwicklung auch politische Rahmenbedingungen, aktuelle und geplante Projekte sowie Geschäftschancen für deutsche Unternehmen.
Marktzugang
Rechtlicher Rahmen, Gründen, Investieren
Das marokkanische Rechtswesen orientiert sich weitgehend am französischen Recht. Das marokkanische Handelsgesetz von 1913 beruht im Wesentlichen auf dem französischen Code de Commerce von 1807. Während auch der Allgemeine Teil des marokkanischen Zivilgesetzbuchs in weiten Teilen dem französischen Zivilgesetzbuch gleicht, finden sich im Besonderen Teil auch Elemente aus dem islamischen Recht. Wie in den meisten arabischen Ländern findet darüber hinaus im Bereich des Erb- und Familienrechts eine Form des islamischen Scharia-Rechts Anwendung.
Die prozesseinleitende Klageschrift muss von einem zugelassenen Rechtsanwalt verfasst und unterzeichnet sein, somit besteht vor den Handelsgerichten Anwaltszwang (Art. 13 LJC). Vor den Zivilgerichten besteht jedoch kein Anwaltszwang.
Bevor die Entscheidung eines ausländischen Gerichts in Marokko vollstreckt werden kann, muss sie in einem Exequaturverfahren für vollstreckbar erklärt werden. Zuständig ist das erstinstanzliche Gericht, also das Gericht, das zuständig gewesen wäre, wäre der Rechtsstreit in Marokko ausgetragen worden.
Grundsätzlich werden Schiedsklauseln von marokkanischen Gerichten bei grenzüberschreitenden Sachverhalten anerkannt. Anders ist es im Bereich des Vertriebsrechts, da die gesamten Handelsvertreterregelungen dem ordre public unterliegen. Zudem hält das marokkanische Prozessrecht eigene Vorschriften zur Anerkennung ausländischer Schiedssprüche vor.
Gründungsformalitäten: Gesellschaftsvertrag, Bankbestätigung über Kapitalerbringung
Eintragung ins Handelsregister (Companies Registry): ja
Succursale (unselbständige Zweigstelle)
Haftung: Muttergesellschaft haftet für die Verbindlichkeiten ihrer Zweigstelle
Gründungsformalitäten: Satzung der Muttergesellschaft in arabischer Sprache
Eintragung ins Handelsregister (Companies Registry): ja
GTAI-Publikation Recht kompakt Marokko
Grundsätzlich kann in Marokko jede/r frei investieren. Ausländer können grundsätzlich bis zu 100 Prozent der Anteile an marokkanischen Kapitalgesellschaften halten.
Um das Verfahren für einen Investor zu vereinfachen, wurde die Agence Marocaine de Développement des Investissements (AMDI) gegründet. Als One-Stop-Shop berät AMDI zu allen Fragen in Zusammenhang mit der Investition.
Die Investitionsfördermaßnahmen des Investitionsgesetzes (Loi cadre no. 18-95 formant charte de l’investissement - InvestitionsG) bieten Investitionsanreize für exportorientierte Unternehmen, Investitionen in den Freihandelszonen sowie Investitionen in besonderen Regionen, von besonderer Größe oder in bestimmten Branchen. Sie gelten für ausländische und inländische Investoren gleichermaßen. Allerdings gibt es Sonderregelungen in den Bereichen Landwirtschaft, Bankenwesen, im Erdgas- und -Ölsektor sowie für die Freihandelszonen.
Rechtsgrundlage für das marokkanische Steuerrecht ist der Code Général des Impôts (CGI).
Körperschaftssteuer: bis 300.000 MAD – 10 %, bis 1.000.000 MAD – 20 % und über 1.000.000 MAD – 31 %
Für Banken, Leasing- und Versicherungsgesellschaften: 37 %
Gewinne für Unternehmen in der Tourismusbranche: komplette Befreiung für 5 Jahre, dann 20 %
Ausländische Ingenieur- oder Bauunternehmen, die Projekte in Marokko durchführen: statt 30 % ist eine Pauschalbesteuerung in Höhe von 8 % möglich
Einkommenssteuer: Zwischen 10 und 38 %, je nach Einkommen
Mehrwertsteuer: 20%
reduziert 7 % für u.a. Medikamente, Treibstoff, Wasser, Elektrizität; 10 % u.a. für Leistungen der Gastronomie und Tourismusbranche; 14 % für Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Beförderung von Personen und Waren
Neben Zöllen und der Einfuhrumsatzsteuer können auch Verbrauchssteuern und Sonderabgaben anfallen. Dazu gehören etwa eine Umweltabgabe für Kunststoffe, eine Steuer auf importiertes Holz und Zement sowie eine Steuer auf Bier und Wein.
Europäische Unternehmen profitieren vom Assoziierungsabkommen mit Marokko, denn für Waren mit Ursprung in der EU gelten günstigere Zollsätze. Voraussetzung ist die Vorlage eines Präferenznachweises (EUR. 1).
Die Zollanmeldung soll grundsätzlich elektronisch im System BADR eingereicht werden. Es werden aber auch Ausnahmen gewährt. Für Waren ohne Einfuhrbeschränkungen ist ein "engagement d'importation" einzureichen. Für Waren, die Einfuhrbeschränkungen aufgrund von Sicherheitsbestimmungen oder Einfuhrquoten unterliegen, ist eine Einfuhrlizenz (licence d'importation) erforderlich.
Unternehmen können den Status des zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (AEO) bei der marokkanischen Zollverwaltung beantragen, um Vergünstigungen bei sicherheitsrelevanten Zollkontrollen und Erleichterungen bei der Zollabwicklung zu erhalten. Die Zollverwaltung Marokkos wird zurzeit digitalisiert.
Für den Import vieler Produkte ist ein Konformitätszertifikat notwendig, das die Einhaltung der marokkanischen Normen und Qualitätsstandards bestätigt. Seit 2020 müssen zahlreiche Industriewaren bereits im Exportland geprüft werden (Vorversandkontrolle). Dazu gehören unter anderem elektrische Geräte, Textilien, Baustoffe, chemische Produkte und Autoersatzteile.
Für die Vorversandkontrolle besitzen fünf Unternehmen eine Akkreditierung: Bureau Veritas, TÜV Rheinland und weitere spezialisierte Anbieter. Die zuständige Stelle für Standardisierung ist das Institut Marocain de Normalisation (IMANOR).
Für gebrauchte Waren oder pharmazeutische Erzeugnisse sind Einfuhrlizenzen erforderlich, für Lebens- oder Arzneimittel muss eine Einfuhrgenehmigung vorgelegt werden. Daneben gibt es Etikettierungsvorgaben wie das marokkanische Konformitätszeichen "Cmim" sowie Registrierungspflichten für Importeure bestimmter Waren.
Marokkos Arbeitsmarkt steht vor strukturellen Herausforderungen: Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 30 Prozent, insbesondere in städtischen Gebieten. Gleichzeitig ist ein Großteil der Erwerbstätigen im informellen Sektor tätig, was zu unsicheren Arbeitsbedingungen führt. Die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften wächst, vor allem in den Bereichen Industrie, IT und erneuerbare Energien, doch das Bildungssystem kann diesen Bedarf nur begrenzt decken.
Die Regierung setzt daher auf Reformen und internationale Kooperationen, um die berufliche Ausbildung zu verbessern und die Beschäftigungschancen zu erhöhen. Auch Investitionen aus dem Ausland, etwa im Automobil- und Luftfahrtsektor, schaffen neue Arbeitsplätze.
Die AHK Marokko unterstützt deutsche Betriebe dabei, passende Auszubildende und Fachkräfte aus Marokko zu vermitteln.
Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen
In Marokko fördern internationale Geber sehr viele Entwicklungsprojekte. Am aktivsten sind die Weltbank, EU-Institutionen und die KfW Entwicklungsbank. Marokko ist einer der Reformpartner Deutschlands, was auch bedeutet, dass Marokko höhere Zusagen aus Deutschland erhält als andere Länder. Die mit Abstand meisten Projekte gibt es in den Sektoren Wasser und Umwelt, aber auch im Finanz- und im Bildungswesen unterstützen die Geber viele staatliche Vorhaben. Aus geberfinanzierten Vorhaben resultieren Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Dies sind in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, aber auch für Liefer- und Bauleistungen.
Einen Überblick über Geschäftschancen bei öffentlichen Aufträgen gibt Germany Trade & Invest (GTAI) im Bericht Entwicklungszusammenarbeit mit Marokko. Bei GTAI finden Sie zudem aktuelle
Das Wirtschaftsnetzwerk Afrika und weitere Institutionen der Außenwirtschaftsförderung bieten verschiedene Maßnahmen in ausgewählten Branchen an, um deutschen Unternehmen die Erschließung des Zielmarktes Marokko zu erleichtern.
Im Verbundprojekt "Automobilindustrie in Marokko" bündeln deutsche Unternehmen ihre Branchenkompetenz, um gemeinsam einen neuen Zielmarkt zu erschließen.
Das Markterschließungsprogramm (MEP) erleichtert kleinen und mittleren Unternehmen den Einstieg in ausländische Märkte und bietet aktuell Maßnahmen für Marokko an.
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Das Kompetenzzentrum an der Deutsch-Emiratischen Industrie- und Handelskammer flankiert deutsche Exportgeschäfte in der MENA-Region und bietet Unterstützung bei Transaktionen.
Die Sonderinitiative "Gute Beschäftigung für sozial gerechten Wandel" unterstützt Unternehmen bei ihrem Engagement in Afrika. Ziel ist, bis zu 100.000 Arbeitsplätze zu schaffen.
Interview mit der TRIAL-Group, die deutsche Mittelständler betreut, die sich im schnell wachsenden Wirtschaftsraum Tanger im Nordwesten Marokkos ansiedeln wollen.
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Der Klimawandel erhöht den Bedarf in der Wasserversorgung Nordafrikas. Mit einem Montagewerk in Marokko will Wilo den zweiten Standort auf dem Kontinent eröffnen.
In Afrika steigt der Anteil an Menschen mit Adipositas, Diabetes und Bluthochdruck. Metabolic Balance aus Erding bietet weltweit Ernährungsberatung, neuerdings auch in Marokko.
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Der hessische Schweißtechnikhersteller Abicor Binzel hat in Marokko eine Niederlassung eröffnet. Denn auch bei diesem Mittelständler gilt das Land als Tor nach Westafrika.