Das Länderprofil wurde zuletzt im August 2020 aktualisiert.

Tunesiens Wirtschaft ist stark auf Europa ausgerichtet. Viele europäische, auch deutsche Unternehmen produzieren hier. Dadurch ist die Industrie relativ diversifiziert. Mittelfristig sind Absatzmärkte auf dem afrikanischen Kontinent im Visier. Durch die Coronakrise könnte Nearshoring (Verlagerung betrieblicher Aktivitäten ins nahegelegene Ausland) der Europäischen Union ein potenzielles Thema für den etablierten Standort werden. Neben der geografischen Nähe sind das hohe Bildungsniveau, wettbewerbsfähige Löhne, eine im regionalen Kontext gute Infrastruktur und Institutionalisierung Pluspunkte des Landes.


Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Coronapandemie auf Tunesiens Wirtschaft finden Sie im Special von Germany Trade & Invest.


Daten und Fakten

GTAI

Der Africa Business Guide liefert Ihnen mit den TOP 10 der wichtigsten Wirtschaftsdaten einen ersten Länderüberblick zu Tunesien.

Offizieller Name & Hauptstadt: Tunesische Republik, Tunis

Geschäftssprache :Arabisch, Französisch

Einwohner: ca. 12 Millionen

Durchschnittsalter: Ø 30

Bevölkerungswachstum: 0,9% (2020)*

Währung & Wechselkurs (Ø 2020): 1 Euro = 3,275 tD (Tunesischer Dinar )

BIP: 3.287 US-Dollar pro Kopf (2019)*

BIP-Wachstum: -4,3% (2020)*

Ausländische Direktinvestitionen: 26,8 Mrd. US-Dollar (2018)

Wichtigste deutsche Einfuhrgüter 2019 (in % der Gesamteinfuhr)

  1. Elektrotechnik 46,8%
  2. Textilien und Bekleidung 24,9%
  3. Schuhe 6,6%
  4. Maschinen 4,7%
  5. Kfz-Teile 3,0%

Deutsche Ausfuhren: 1.452 Millionen Euro (2019)

Wichtigste deutsche Ausfuhrgüter 2018 (in % der Gesamtausfuhr)

  1. Elektrotechnik 28,0%
  2. Chemische Erzeugnisse 12,4%
  3. Maschinen 11,7%
  4. Textilien und Bekleidung 11,7%
  5. Kraftfahrzeuge und Teile 8,8%
  6. Elektronik 5,7%

*vorläufige Angabe, Prognose/Schätzung

Expertenstimme zu Tunesien

Peter Schmitz, GTAI-Korrespondent für Tunesien:

Afrika-Experte Peter Schmitz

Afrika-Experte Peter Schmitz

Deutsche Unternehmen sind seit langem in Tunesien aktiv und blieben auch in turbulenten Zeiten vor Ort. Dadurch genießen sie hohes Ansehen und Vertrauen. Bei Themen wie Energie, Umweltschutz, Arbeitsmarkt, Finanzierung, Digitalisierung oder Bürokratie gibt es Reform- und Handlungsbedarf. Das bringt Herausforderungen, aber auch Chancen für erneuerbare Energien, Recycling- und Wassertechnik. Weiterhin bietet Tunesien interessante Möglichkeiten, um IT-Dienstleistungen und Industrieproduktion aus Asien in das EU-Umfeld zurückzuverlagern.

SWOT-Analyse

Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken Tunesiens als Wirtschaftsstandort: Eine Orientierungshilfe.

S (Strengths | Stärken)

  • Wettbewerbsfähiger Exportsektor
  • Geografische Lage
  • Viele Hochschulabsolventen, im Vergleich zu Europa günstige Löhne
  • Relativ diversifizierte Industrie
  • Internationale Geber stützen Tunesien

W (Weaknesses | Schwächen)

  • Strukturelles Leistungsbilanzdefizit
  • Langsame und unvorhersehbare Bürokratie
  • Hohe Arbeitslosigkeit vor allem bei Hochschulabsolventen
  • Starkes regionales Entwicklungsgefälle
  • Großer informeller Sektor

O (Opportunities | Chancen)

  • Verlagerung von Produktion in EU-Peripherie (Nearshoring)
  • IKT, erneuerbare Energien und Tourismus längst nicht ausgeschöpft
  • Beitritt zur COMESA bietet Zugang zu anderen Märkten in Afrika
  • Wachsender Reformdruck verbessert Geschäftsklima

T (Threats | Risiken)

  • Dauerhafte Krise in Europa schwächt Nachfrage
  • Soziale Spannungen 
  • Instabile Nachbarschaft (Algerien, Libyen)
  • Zweite Welle von Corona würgt Tourismus und Industrie ab

Potenzialbranchen


Chemie

Die chemische Industrie Tunesiens hatte zu Jahresbeginn 2020 den positiven Trend aus 2019 fortgesetzt. Vor allem der Abbau und die Verarbeitung von Phosphat scheinen aus der Krise herauszukommen. Ziel war für 2020 die Produktion von 6 Millionen Tonnen Phosphat.

Energiewirtschaft

Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien zur Deckung des tunesischen Stromverbrauchs bei 30 Prozent liegen und der Ausbau hat in den vergangenen beiden Jahren an Fahrt aufgenommen. Ende 2019 importierte Tunesien mehr als 50 Prozent seines Energiebedarfs.

Gesundheitswirtschaft

Grundsätzlich verfügt Tunesien über ein flächendeckendes Gesundheitssystem, das zu den besten des afrikanischen Kontinents gehört, aber nicht mit dem Standard in Industrieländern mithalten kann. Der Medizin- und Pharmasektor gilt als einer der potenziellen Wachstumssektoren auch für den Export.

Automobil

Tunesien verfügt über eine für regionale Verhältnisse diversifizierte und entwickelte Kfz-Branche, mit gut ausgebildeten Ingenieuren und wettbewerbsfähigen Produktionskosten.

Landwirtschaft

Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, sind Investitionen in den kommenden Jahren existenziell, nicht nur in die Bewässerung, sondern auch im Transportsektor und in die Bereiche Lagerung, Verarbeitung und Verpackung.

Textil und Bekleidung

Im Zuge der weltweiten Coronapandemie könnten sich in einigen Segmenten der Textilbranche positive Effekte der Krise ergeben, wenn Produktionen näher nach Europa verlagert werden sollten. Allerdings ist Tunesien stark von der Einfuhr von Vorprodukten abhängig.

Wasser und Umwelt

Tunesiens Abfallwirtschaft ist ebenso ein wichtiges Betätigungsfeld der Geberinstitutionen, wie der Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsbereich. Groß ist das Potenzial für die Nutzung organischer Abfälle zur Energieerzeugung.

Der Branchencheck-Tunesien enthält weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und Links zu ausführlichen Branchenberichten.

Marktzugang

Rechtliche Rahmenbedingungen

Den Zugang zum tunesischen Markt regelt Artikel 4 des Investitionsgesetzes. Danach gilt der Grundsatz der Investitionsfreiheit. Ein Dekret der Regierung aus dem Jahr 2018 enthält das Kleingedruckte. Denn es bestimmt, welche Aktivitäten einer behördlichen Genehmigung bedürfen. Ebenso lässt sich der Liste entnehmen, wo Ausländer nur mit tunesischen Partnern oder gar nicht investieren dürfen. Wie in vielen arabischen Staaten auch steht der Handel ausländischen Investoren nur eingeschränkt zur Verfügung. Hier zieht das tunesische Recht eine Beteiligungsgrenze in Höhe von 50 Prozent.

Einen Überblick über die wichtigsten Rechtsgebiete für Ihr Tunesien-Geschäft gibt die GTAI-Publikation Recht Kompakt Tunesien

Aktuelle Meldungen zum tunesischen Wirtschaftsrecht finden Sie zudem bei Germany Trade and Invest.

Zoll- und Einfuhrregelungen

Bei der Einfuhr von Waren nach Tunesien sind eine Vielzahl von Vorschriften und Regelungen zu beachten. Die frühzeitige Information über Einfuhrverfahren, zu zahlende Abgaben und mögliche Verbote und Beschränkungen hilft, Verzögerungen an der Grenze und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.

Einen Überblick über die wichtigsten Zoll- und Einfuhrregelungen gibt die GTAI-Publikation Zoll und Einfuhr kompakt.

Arbeitsmarkt und Löhne

In Tunesien variiert die Beschäftigungsquote je nach Region. Tendenziell ist die Lage an der Küste und im Norden des Landes besser, was auf die Tourismusbranche sowie die dort angesiedelte Industrie zurückzuführen ist. Bei der Vermittlung von Jobs spielen persönliche Kontakte eine größere Rolle als Personalagenturen. Arbeitslosigkeit betrifft vor allem junge Menschen, Akademiker und Frauen.

Aufgrund der relativ hohen Inflation müssen Gehälter fortwährend angepasst werden. 2018 und 2019 haben vor allem Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen gestreikt. 

Einen detaillierten Überblick über die Lage am Arbeitsmarkt, Löhne und den arbeitsrechtlichen Rahmen in Tunesien gibt die GTAI-Publikation Lohn- und Lohnnebenkosten Tunesien

Entwicklungsprojekte und Ausschreibungen

In Tunesien sind eine Vielzahl bilateraler und multilateraler Geber aktiv. Die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank, Institutionen der Europäischen Union und andere stellen Finanzierung für Vorhaben der tunesischen Regierung bereit. Schwerpunkte der deutschen bilateralen Entwicklungszusammenarbeit sind nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Verwaltungsreformen und Ressourcenschutz. Aus geberfinanzierten Vorhaben resultieren viele Aufträge, die ab gewissen Schwellenwerten international ausgeschrieben werden. Im Jahr 2018 waren dies in erster Linie Tender für den Einkauf von Consultingleistungen, gefolgt von den Themen Wasser und Abwasser sowie Anlagen- und Maschinenbau.

Bei Germany Trade & Invest finden Sie aktuelle 

Beratung und Unterstützung für Ihr Tunesien-Geschäft