Für den mittelständischen Lehrmittelanbieter aus Deutschland lohnt sich das Engagement in Nordafrika, auch wenn die Finanzierung immer wieder eine Herausforderung ist.

In Nordafrika passiert gerade viel im Bereich Ausbildung. Deutsche Unternehmen produzieren vor Ort und suchen nach gut ausgebildeten Fachkräften. Mit der „Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung“ unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). So sollen in den kommenden Jahren zusätzliche 100.000 Arbeits- und 30.000 Ausbildungsplätze in Afrika entstehen.

Für Ausbildungsgänge im Ausland kommt dabei auch deutsche Expertise zum Einsatz. Ein Beispiel ist das mittelständische Unternehmen Christiani aus Konstanz. Christiani offeriert Lehr- und Lernmittel für die technische Aus- und Weiterbildung, richtet aber auch komplette Fachräume, Labore und Lehrwerkstätten ein.

Die Finanzierung ist eine Herausforderung

Herr Jamal, was war Ihr letztes erfolgreiches Projekt in Nordafrika?

Gerade haben wir zwei Labore in Tanger/Marokko eingerichtet, und zwar im Ausbildungsinstitut für Berufe im Bereich der Erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. Das Projekt haben wir gemeinsam mit dem marokkanischen Bildungsministerium durchgeführt. 

Welche Bedeutung hat Nordafrika für Ihr Auslandsgeschäft?

Die nordafrikanischen Länder sind für uns von großer Bedeutung. Marokko hat in den letzten zehn Jahren sehr viel in Megaprojekte investiert, sodass der Bedarf an gut qualifizierten Arbeitskräften gestiegen ist, vor allem in der Autoindustrie und im Bereich Erneuerbare Energien. Wir sind dort seit mehr als 15 Jahren aktiv. Außerdem haben wir in Tunesien, Saudi-Arabien und in vielen anderen Ländern in der MENA-Region Projekte realisiert.

Wie akquirieren Sie Ihre Projekte?

Wir treten direkt an die betreffenden Ministerien heran und versuchen durch unsere Produkte „Made in Germany“ und durch unser komplettes didaktisches Konzept die Verantwortlichen von unserem Konzept zu überzeugen. Außerdem beteiligen wir uns an entsprechenden Ausschreibungen für geberfinanzierte Projekte.

Gibt es besondere Herausforderungen für Ihr Geschäft in Nordafrika?

Die Finanzierung ist eine Herausforderung. In den meisten Fällen dürfen die Banken die Transaktion erst durchführen, wenn die Ware geliefert wird. Auch bei kleinen Beträgen können die Partner kein Geld an uns überweisen. Es geht nur über Akkreditive und dauert sehr lange, und uns entstehen noch zusätzliche Kosten für die Akkreditivabwicklung. Bei kleinen Beträgen lohnt sich das Geschäft nicht. Außerdem kämpfen wir häufig gegen Billiganbieter aus Südkorea und China. Hier entscheidet der Preis, obwohl unsere Qualität viel höher ist.

Wie können sich andere deutsche Firmen an Ihren Afrikaprojekten beteiligen?

Wir brauchen zum Beispiel für Lehrgänge und Aus- und Weiterbildungen im Bereich Metallverarbeitung große CNC-Maschinen. Diese beziehen wir von einem Maschinenhersteller, der mit uns im Bildungsbereich kooperiert. Die Didaktik und Train-the-Trainer-Kompetenz kommen von Christiani. Als weiteres Beispiel arbeiten wir mit einem Möbelpartner für unsere Labormöbel. Wir konzipieren die Labortische und lassen diese bei einem Schreiner, der darauf spezialisiert ist, herstellen. Wir wiederum bestücken die Labortische mit unseren Trainingssystemen und didaktischen Materialien.

Das Interview fand im Februar 2020 statt.

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